Experimentelle Würdigungen zum 200. Geburtstags Bruckners

Dunkelkonzert „Dark Matter“ in Wels - Der Linzer Kürnbergerwald wird zum Klangwald

Der Die Klanginstallation „Dark Matter“ des Tiroler Künstler Lucas Norer.
Der Die Klanginstallation „Dark Matter“ des Tiroler Künstler Lucas Norer. © Bachmann

Das zweite kulturelle Großereignis neben der europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl in Oberösterreich ist heuer das Festjahr zum 200. Geburtstag von Anton Bruckner. Bereits bis April finden zu Ehren des Jubilars mehr als 80 Veranstaltungen im ganzen Bundesland statt.

Obendrauf feierte auch noch das nach dem Komponisten benannte Konzerthaus in Linz, das Brucknerhaus, seien 50-jähriges Bestehen.

7. Symphonie „völlig neu und von ihrem NS-Bezug befreit“

Der Tiroler Künstler Lucas Norer hat die Instrumentalisierung von Bruckners Musik durch die Nazis zum Thema seiner Klanginstallation „Dark Matter“ gemacht. Zwischen 1939 und 1944 wurden etwa in Wien Werke des Linzer Komponisten auch als Dunkelkonzerte aufgeführt.

Das Wiener Konzerthaus wurde völlig abgedunkelt und „Bruckners Musik als pseudoreligiöse, transzendente Erfahrung im Kontext der NS-Ideologie beworben“, so Norer. Bezug nehmend auf jene Dunkelkonzerte gestaltet er am Samstag, 10. Februar, in der Minoritenkirche ein „Raum/Klangsetting“. Dazu habe er Bruckners 7. Symphonie überarbeitet und interpretiere sie „völlig neu und von ihrem NS-Bezug befreit“.

Anton Bruckner in der Natur

Der Künstler und Komponist Peter Androsch geht mit Bruckner in die Natur. Er schuf im Kürnbergerwald einen „Klangwald auf einer märchenhaften Lichtung“. Bruckners Werke seien eingebettet „in Ästeknacken, Blätterrauschen und Vogelgezwitscher“.

Durch Wiederholung und Dehnung entstehe „ein monatelanges Kontinuum an Klang“, wie es Androsch, der an der Kunstuniversität Linz unter anderem Akustische Ökologie lehrt, formuliert. Der „Klangwald“ kann von 13. Februar bis 10. November im Kürnbergerwald bei Wilhering, Google-Koordinaten: 862J+P49 Wilhering, erforscht werden.

Eine weitere experimentelle Würdigung für Anton Bruckner ist die „Schorgel“. Kunstuniabsolvent Clemens Bauder hat aus umgebauten Spielplatzgeräten und Orgelspiel „ein kollektives Musikinstrument im öffentlichen Raum“ gebaut. Durch Schaukel- und Wippbewegungen werden Orgelpfeifen betätigt. Erstmals soll die „Schorgel“ am 19. April in Leonding ertönen, dann in Kronstorf und Hörsching.

Am 22. und 23. März feiert das Brucknerhaus sein 50-Jahr-Jubiläum mit einem Festkonzert des Bruckner Orchester Linz unter der musikalischen Leitung von Markus Poschner samt Uraufführung des zeitgenössischen Stücks „Letters“ von Rudolf Jungwirth sowie einem Festkonzert mit den Wiener Philharmonikern unter dem Dirigenten Zubin Metha.

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