Faustdickes Grün hinter den Oh ren

Posthof: Umdeutungen & schräge Betrachtungen mit Benedikt Mi tmannsgruber

Benedikt Mitmannsgruber
Benedikt Mitmannsgruber © Anna Sophie Koelbl

Benendikt Mitmannsgruber baut Geschichten mit Stufen zur Pointe, auf der Strecke begegnen wiederkehrende Protagonisten und Running Gags. Die Sittengeschichte des Sechs-Einwohner-Dorfs Langschlag etwa endet in der Ofen-Paarung des Johannes. Eine Kreuzfahrt auf der Aida führt zur Bar Alk-Aida.

Den Altnazi-Deutschlehrer-Kollegen nennt er Adi Jektiv. Was ist ausschlaggebend beim Hautarzt? Umdeutungen und schräge Betrachtungen mag er. Sein Publikum auch. Der mittlere Saal im Linzer Posthof war am Mittwoch ausverkauft. Einheizer für den selbst ernannten Superstar ist David Stockenreiter. Der 31-jährige Kabarettist wärmt auf mit seinem trockenen Spruch über die Leichtigkeit des Lebens, innerhalb und außerhalb seiner eigenen und allgemeiner Behinderungen.

Dann aber zwei Stunden Benedikt Mittmannsgruber, katholisch, hetero, weiß, geboren 1996. Seit 2018 macht er Comedy und räumt damit Kabarettpreise wie das große Passauer Scharfrichterbeil ab. Ein Bub vom hintersten Mühlviertel, grün hinter den Ohren, hinter denen er es aber auch faustdick hat. Trocken, ungerührt, unbewegt definiert er sanft und leise mit hängenden Schultern im selbst gestrickten Pullover den regionalen recycelten Reaktionär, bio und vegan mit braunen Wurzeln. Unsicher naiv richtet er seinen Blick auf Verschwörungstheorien, Social Media, Liebe, Gott und die Welt.

Nachhaltiges Mobbing

Hassen kommt oft vor. In der „Liamau“, seinem Heimatort Liebenau, wo Kinder und Jugendliche vom Aussterben bedroht sind, wo man Dicke, Ausländer und Depperte hasst. Als Kind war er Mitglied gleich mehrerer Minderheiten, obwohl es ein Übergewicht an Dicken gab und der Ausländeranteil bei null Prozent lag. Braune Onkel und übergriffige Pfarrer bilden das Establishment und nachhaltiges Mobbing kommt direkt aus der Region.

Billige Witze lässt er massenhaft in Bangladesch fertigen, weil im Vergleich dazu der heimische Witz das zigfache kostet. Auf eine einzige Schaufel nimmt er damit Weltwirtschaft, Kapitalismus und prominente Comedy-Kollegen. Scheut auch nicht simple Schmähkonstruktionen, wenn es um die Verwechslung von Schwangerschafts- und Coronatest geht. Als Draufgabe ein Hass-Kommentare-Ranking und ein Leinwand-Abspann zum Liebesleben von Affen. Großer Applaus und die Ankündigung, im kommenden Jahr den Großen Saal zu füllen.

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