Golden Globes: Bombe statt Barbie — Hüller verpasst Preis

Cillian Murphy als J. Robert Oppenheimer
Cillian Murphy als J. Robert Oppenheimer © Universal Pictures

Als „Barbenheimer“ machten die völlig gegensätzlichen Filme „Barbie“ und „Oppenheimer“ 2023 Furore und sahnten an den Kinokassen ab — doch bei den Golden Globes steckte der neunfach nominierte Favorit „Barbie“ nun eine Schlappe ein. Das Historien-Epos über J. Robert Oppenheimer, den Mit-Erfinder der Atombombe, trumpfte mit fünf Globe-Trophäen auf, darunter dem Top-Globe als bestes Drama.

Der irische Star Cillian Murphy und Regisseur Christopher Nolan gewannen beide den ersten Globe ihrer langen Karrieren, auch für die Filmmusik und für Nebendarsteller Robert Downey Jr. gab es „Gold“. Die grelle Satire „Barbie“, mit Margot Robbie in der Rolle der ikonischen Puppe, musste sich dagegen mit zwei Preisen begnügen — in der neuen Blockbustersparte „Cinematic and Box Office Achievement“ für Kinohits und für den Song „What Was I Made For?“ von Billie Eilish und Finneas O’Connell.

Zwei Auszeichnungen für „Anatomie eines Falls“

Für die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller und das Team von „Anatomie eines Falls“ hatte die Globe-Gala in der Nacht zum Montag gut begonnen. Die französische Filmemacherin Justine Triet und ihr Partner Arthur Harari setzten sich in der Kategorie „Bestes Drehbuch“ völlig zu recht gegen Schwergewichte wie „Oppenheimer“ oder „Killers of the Flower Moon“ durch. Kurz danach gewann das Team auch den Preis für den besten nicht-englischsprachigen Film. In dem Justiz-Thriller brilliert Hüller in der Rolle einer Ehefrau, die sich vor Gericht gegen Mordvorwürfe verteidigen muss.

Regisseurin Triet dankte dem deutschen Star auf der Globe-Bühne. Hüller habe nie versucht, eine „perfekte Heldin“ darzustellen. Sie habe vielmehr eine komplexe Frau geschaffen, „die sich nie dafür entschuldigt, das zu sagen, was sie denkt“. Hüller (45), die in Beverly Hills im grünen Abendkleid über den roten Teppich lief, kam am Ende der dreistündigen Show aber nicht zum Zuge.

Mit ihrer ersten Globe-Nominierung in der Sparte „Beste Darstellerin in einem Filmdrama“ unterlag sie der US-Amerikanerin Lily Gladstone (37, „Killers of the Flower Moon“). In Martin Scorseses Historien-Thriller um Verbrechen an dem indigenen Volk der Osage spielt Gladstone eine Stammes-Frau. Ihre Dankesrede begann sie in ihrer eigenen Stammes-Sprache. Sie ist die erste Indigene mit einem Globe-Gewinn als beste Hauptdarstellerin. Es war die einzige Trophäe für das siebenfach nominierte Epos.

Zwei Globes gab es für das Fantasy-Märchen „Poor Things“ von Regisseur Giorgos Lanthimos — als beste Komödie und für Hauptdarstellerin Emma Stone in einer Komödie. Paul Giamatti überzeugte mit seiner Hauptrolle als griesgrämiger Geschichtslehrer in der Tragikomödie „The Holdovers“.

Hollywoods feucht-fröhliche Trophäenshow

Die Globe-Verleiher hatten sich ins Zeug gelegt, zahlreiche Promis — darunter Oprah Winfrey, Jodie Foster, Michelle Yeoh oder Kevin Costner — als Presenter auf die Bühne zu holen. Auch an ihrem Ruf als Hollywoods feucht-fröhliche Trophäenshow, bei der reichlich Champagner fließt, hielten sie fest.

Nach dem monatelangen Streik der Drehbuchautoren und Schauspieler schienen viele froh, überhaupt wieder einmal die Glitzerwelt Hollywoods feiern zu können. „Barbie“-Star Margot Robbie trug eine pinke Robe, Taylor Swift fiel im grünen Dress auf, Selena Gomez mit einem feuerroten Outfit.

Für Politisches nutzten die Stars auf der Bühne das Rampenlicht anders als in früheren Jahren nicht. Robert De Niro ging als bester Nebendarsteller leer aus und bekam so keine Gelegenheit, in gewohnter Manier gegen Donald Trump auszuteilen. Der Krieg in der Ukraine oder in Nahost war kein Thema.

Vielleicht lag das auch an dem Komiker Jo Koy, der erstmals als Gastgeber auf der Bühne stand — weniger bissig und treffsicher als viele seiner Vorgänger. Schließlich habe er erst kurz vor Weihnachten den Job erhalten und wenig Zeit gehabt, lenkte er ein.

Im Gegensatz zu den Oscars zeichnen die Globes auch TV-Produktionen aus. Eine dysfunktionale US-Mediendynastie und das warmherzige Team eines Sandwich-Restaurants waren die großen Abräumer in den TV-Kategorien. Die vierte und letzte Staffel von „Succession“ über die Intrigen in einem untergehenden Familienunternehmen wurde als beste Dramaserie ausgezeichnet. Beste Comedyserie wurde „The Bear – King of the Kitchen“, ein rasanter Blick auf den ungewöhnlichen Zusammenhalt hinter den Kulissen in der Gastronomie. Schauspieler aus beiden Serien gewannen auch alle vier Preise für die besten Hauptdarsteller.

Als Oscar-Barometer sind die Globes mit Vorsicht zu betrachten. Rund dreihundert ausländische Journalisten und Journalistinnen entscheiden über die Globes, gegenüber 10.000 Academy-Mitgliedern, die in den nächsten Wochen über die Oscar-Anwärter abstimmen. Die Nominierungen für Hollywoods höchste Auszeichnung werden am 23. Jänner verkündet, die 96. Trophäenshow geht dann am 10. März über die Bühne.

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