Berlinale: Silberner Bär für Wiener Kameramann Gschlacht

Martin Gschlacht und Regieduo Veronika Franz und Severin Fiala © APA/AFP/POOL/NADJA WOHLLEBEN

Die Dokumentation „Dahomey“ von der in Frankreich geborenen Regisseurin Mati Diop hat den Goldenen Bären der 74. Berlinale gewonnen. Die Filmemacherin mit senegalesischen Wurzeln setzt sich mit der Rückgabe von aus Afrika geraubten Kunstschätzen auseinander. Einen Silbernen Bären in der Kategorie „herausragende künstlerische Leistung“ erhielt am Samstag der Wiener Martin Gschlacht für seine Kameraarbeit für den österreichischen Film „Des Teufels Bad“.

Diop begleitet in „Dahomey“ 26 Statuen auf der Reise aus Frankreich in ihr Ursprungsland, dem heutigen Benin. Der experimentelle Dokumentarfilm fesselt mit poetischen Passagen – zum Beispiel spricht mehrmals einer der Kunst-Raubschätze aus dem Off. Der deutsche Regisseur Matthias Glasner erhielt einen Silbernen Bären für das Drehbuch seines Dramas „Sterben“.

Der Große Preis der Jury ging in diesem Jahr nach Südkorea. Die Jury zeichnete das skurrile Kammerspiel „Yeohaengjaui pilyo“ („A Traveler’s Needs“) des südkoreanischen Regie-Veteranen Hong Sangsoo mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle aus.

Der rumänisch-US-amerikanische Schauspieler Sebastian Stan nahm den Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle entgegen. Er spielt in der Tragikomödie „A Different Man“ einen Mann mit einem deformierten Gesicht. Nach einem Experiment verwandelt er sich in einen äußerlich attraktiven Mann. Anders als erwartet, bringt ihm das kein Glück.

Der 1982 in Rumänien geborene, teilweise in Wien aufgewachsene, seit seinem zwölften Lebensjahr in den USA beheimatete Stan wurde zunächst durchs Fernsehen bekannt. Die Jugendserie „Gossip Girl“ brachte ihm ab 2007 ein größeres Publikum. Im Kino hat er sich in den letzten Jahren vor allem einen Namen als Darsteller in Fantasy-Filmen gemacht. Seit er 2011 in einer Schlüsselrolle in „Captain America: The First Avenger“ überzeugen konnte, wurde er in mehreren Action-Blockbustern mit ähnlichen Aufgaben betraut. Der Part des Edward in „A Different Man“ ist zweifellos die bisher komplexeste Rolle seiner Karriere.

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Der Preis für die beste Nebenrolle ging an die Britin Emily Watson in dem irisch-belgischen Drama „Small Things Like These“. Den Preis der Jury gewann die Science-Fiction-Parodie „L“Empire”. Der Dominikaner Nelson Carlos De Los Santos Arias bekam für den Experimentalfilm „Pepe“ über ein totes Nilpferd in Kolumbien den Silbernen Bär für die beste Regie zugesprochen.

Martin Gschlacht erhielt den Preis für seine Kameraarbeit für „Des Teufels Bad“ von Veronika Franz und Severin Fiala. Mit Soap&Skin-Star Anja Plaschg in der Hauptrolle zeichnet dieser Film ein Bild des ruralen Oberösterreichs um 1750 anhand des Schicksals einer Frau, die in diesem archaischen Leben gefangen ist. Er müsse den Preis mit seinen „wichtigsten Verbündeten“ teilen, betonte der 1969 geborene Wiener bei der Berlinale-Gala und nannte Plaschg sowie das Regieduo Franz und Fiala. „Martins Bilder sind nie Selbstzweck, er macht sie nie nur, weil sie schön oder spektakulär sind, er will immer, dass sie dazu dienen, die Geschichte des Filmes zu erzählen“, betonten die beiden Filmemacher. In Österreichs Kinos startet „Des Teufels Bad“ am 8. März.

Zwei weitere rot-weiß-rote Erfolge gab es in Nebenbewerben. „Favoriten“ von Ruth Beckermann wurde von einer unabhängigen Jury mit dem Friedenspreis ausgezeichnet. Dieser prämiert jährlich Filme, die durch eine eindringliche Friedensbotschaft und ästhetische Umsetzung des Themas überzeugen. Beckermann begleitete für ihre Dokumentation ein Jahr lang eine Volksschulklasse im titelgebenden Wiener Gemeindebezirk. Bereits am Freitag hatte der österreichische Regisseur Philipp Fussenegger einen Teddy Award für seinen Dokumentarfilm „Teaches of Peaches“ über die kanadische Musikerin Merrill Nisker aka Peaches erhalten. Auch „Des Teufels Bad“ war für einen der queeren Filmpreise nominiert gewesen. Der von Kritik und Publikum in Berlin äußerst wohlwollend aufgenommene neue Film Josef Haders „Andrea lässt sich scheiden“ musste sich beim Publikumspreis geschlagen geben.

Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) gratulierte den drei österreichischen Preisträgern der 74. Internationalen Filmfestspiele Berlin. „Die besonders starke österreichische Präsenz heuer in Berlin ist eine große Freude. Österreichs Filmbranche zeichnet sich durch Innovation, Dynamik und außerordentlichen Facettenreichtum aus“, teilte sie am Samstagabend in einer Aussendung mit. „Dass heimische Werke eine herausragende internationale Präsenz erzielen und auf Festival-Leinwänden weltweit reüssieren, ist ein klarer Beleg für deren Originalität und hohen gestalterischen Anspruch.“

Die Berlinale war heuer besonders von politischen Debatten geprägt – so auch bei der Preisverleihung. Der palästinensische Filmemacher Basel Adra forderte Deutschland auf der Bühne auf, keine Waffen mehr an Israel zu liefern. Adra hatte mit drei anderen Filmemachern die Dokumentation „No Other Land“ gedreht und dafür den Dokumentarfilmpreis gewonnen. Schon während der Filmpremiere bei der Berlinale hatte das israelisch-palästinensische Kollektiv einen Waffenstillstand in Gaza gefordert. „No Other Land“ dreht sich um die Vertreibung von Palästinenserinnen und Palästinensern in den Dörfern von Masafer Yatta, südlich von Hebron im Westjordanland. Mehrere Menschen trugen auf der Bühne einen Zettel mit der Aufschrift „Ceasefire Now“ (etwa: „Feuerpause jetzt“), zum Beispiel die Französin Véréna Paravel aus der Dokumentarfilmpreis-Jury.

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