Handke-Notizbücher nun in digitaler Edition zugänglich

Handke-Tagebücher sind nun digital studierbar © APA/APA / ÖNB/Wolfgang Huber-Lang

In Peter Handkes berühmten Notizbüchern blättern, über Schriftbild und Zeichnungen staunen, neben dem Faksimile die kommentierte Transkription aufrufen und lesen oder in den Notizen nach den Anfängen mancher seiner Werke recherchieren – all’ das kann man nun dank einer digitalen Edition der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB). Seit 1. Dezember sind elf von 22 Notizbüchern der Jahre 1976 bis 1979, die das Projekt umfasst, online.

„Es handelt sich um eine besonders interessante Phase in Handkes Werk“, erklärt Literaturarchiv-Leiter Bernhard Fetz im Gespräch mit der APA. „Nach den ersten großen Erfolgen ist eine Neuorientierung absehbar, die Suche nach einer neuen epischen Prosaform.“ Es ist auch eine Zeit intensiven Reisens. Stets hat der Dichter ein Notizbuch zur Hand, um Beobachtungen, Eindrücke und Gedanken zu Papier zu bringen. „Wir sind der Meinung, dass die Notizbücher ein ganz eigenständiger Werkkomplex sind, umfangmäßig sicher der größte.“

Nur einzelne der Notizbücher sind im Besitz des Literaturarchivs der ÖNB. Der Hauptbestand befinde sich im Literaturarchiv Marbach, mit dem man für die im Februar 2021 begonnene und vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte digitale Edition kooperiere, erläutert Fetz, der auf viele Synergien zu dem bereits abgeschlossenen Projekt „Handke online“ hinweist.

Die digitale Edition ist jedoch noch work in progress. Bis Mai sollen alle 22 Notizbücher, die man sich vorerst dafür vorgenommen hat, mit ihren 2.989 Seiten online gestellt und mit einer Volltextsuche ergänzt werden. „Wir hoffen aber, dass es weitergehen kann.“ Eine Fortsetzung sei bis zu den Notizbüchern von Anfang der 1990er-Jahre denkbar, spätere Bestände seien noch gesperrt.

Im Gegensatz zu den früher üblichen gedruckten historisch-kritischen Ausgaben, die kaum mehr jemand gelesen habe, seien digitale Werkeditionen leicht zu ergänzen und zu verändern und bildeten in ihrer Handhabung eine ideale Mischform aus Forschung und Ausstellung, so der Literaturexperte. Das sei speziell für die Zeichnungen Handkes interessant, denen man bereits früh großes Augenmerk geschenkt habe. Vergleichbares fiele ihm nur von Josef Winkler ein, der bei seinen vielen Reisen ebenfalls umfangreich seine Eindrücke festgehalten habe, sagt Fetz. „Er hat in seinen Notizbüchern aber weniger gezeichnet als collagiert.“

„Peter Handke Notizbücher. Digitale Edition“, Hg. von Ulrich von Bülow, Bernhard Fetz und Katharina Pektor. Deutsches Literaturarchiv Marbach und Österreichische Nationalbibliothek, Wien; edition.onb.ac.at

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