Heiter-hintergründiges Dorfleben: „Verkaufte Braut“ in Graz

Ausartende Feste auf der Opernbühne © APA/Oper Graz/Werner Kmetitsch

Ohne folkloristisch verbrämtes Ambiente, aber mit vielen Ideen in einer im Großen und Ganzen konventionellen Inszenierung geht in der Grazer Oper die nur oberflächlich heitere Geschichte von der „Verkauften Braut“ von Bedrich Smetana über die Bühne. Die Premiere am Samstag verlief musikalisch höchst erfreulich, sowohl in Bezug auf die Sänger als auch auf die Grazer Philharmoniker, die unter Chefdirigent Roland Kluttig die heiter-melancholischen Klänge gekonnt ausloteten.

Regisseurin Adriana Altaras siedelte das Geschehen in einem modernen Dorf irgendwo im Osten an, die Dorfgemeinschaft trifft sich in einer Turnhalle, die als Allzweckraum dient. Dort finden die Festivitäten – mehr oder minder heftige Besäufnisse, die leicht aus dem Ruder laufen – ebenso statt wir die heimlichen Treffen der Liebenden. Vorne befindet sich eine Bretterwand, die bei Bedarf heruntergelassen wird und dann den Raum vor der Halle darstellt (Bühne: Christoph Schubiger, Kostüme: Nina Lepilina). So weit, so zweckmäßig.

Es ist zwar ein modernes Dorf, die Probleme sind aber genauso aktuell wie zu Zeiten der Uraufführung Ende des 19. Jahrhundert. Hans ist hier offenbar gerade auf der Walz, er ist ein Außenseiter, was ihn für Marie interessant und der Dorfgemeinschaft verdächtig macht. Die Eltern sind bieder-ordentliche Gemeindemitmitglieder in Trachtenweste und mit etwas gönnerhaftem Getue. Beim Dorffest geht es dann schon sehr feucht-fröhlich zu, aber die Überzeichnung ist nur minimal. Dass ab einem gewissen Zeitpunkt die meisten betrunken – allein oder zu zweit – herumkugeln, ist Realität, weniger vielleicht die Netzstrümpfe und Damenkleider bei den Mitgliedern der örtlichen Feuerwehr. Die stramm marschierte Polka mit dem Heino-Verschnitt an vorderster Front ist an boshaftem Witz kaum zu überbieten, gelungen auch die Zirkusszene in ihrer ganzen flitterbedeckten Armseligkeit.

Der Heiratsvermittler Kecal ist hier der Dorfpolizist, der sich mit Vermittlungen aller Art ein wenig dazuverdient und seine Autorität gerne für gewinnbringende Zwecke einsetzt – Wilfried Zelinka erfüllt die Figur mit Vitalität, Leben und wohltönender Stimme. Eine Idealbesetzung für Marie ist Tetiana Miyus, die mit glasklarem Sopran ohne jede Schärfe dem anscheinend „verkauften“ Mädchen auch darstellerisch ein deutliches Profil gibt. Matthias Koziorowski kann als Hans besonders in seiner Arie im zweiten Akt seine metallisch-helle Stimme richtig wirken lassen, während Albert Memeti (Wenzel) zwar gekonnt Unsicherheit spielt, stimmlich aber durch biegsame Fülle überzeugt. Dirigent Roland Kluttig zeigt schon in der Ouvertüre, wo es lang geht: Flotte Weisen, ein wenig durchzogen von Melancholie, aber die slawische Schwermut hält sich in Grenzen. Ein heiterer Abend, der musikalisch erfreute und vom Publikum durchwegs positiv aufgenommen wurde.

„Die verkaufte Braut“ von Bedrich Smetana in der Grazer Oper. Musikalische Leitung: Roland Kluttig. Inszenierung: Adriana Altaras. Bühne: Christoph Schubiger, Kostüme: Nina Lepilina. Mit: Tetiana Miyus (Marie), Matthias Koziorowski (Hans), Wilfried Zelinka (Kezal), Albert Memeti (Wenzel), Markus Butter (Krusina), Mareike Jankowski (Ludmila), Daeho Kim (Micha), Andżelika Wiśniewska (Hata), Martin Fournier (Direktor der Komödianten), Paulina Tuzińska (Esmeralda), Dariusz Perczak (Ein Indianer). Nächste Vorstellungen: 1., 7., 11., 14. und 31.12.2022, 8., 13. und 20.1.2023. oper-graz.buehnen-graz.com

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