Hollywoods letzter Rebell

Vor 100 Jahren wurde Schauspiellegende Marlon Brando geboren

Marlon Brando, 1967 © AFP/Schiebeck

Er galt als Hollywoods letzter Rebell, für viele war er auch der beste Schauspieler aller Zeiten. Mit Rollen in Filmen wie „Endstation Sehnsucht“, „Der Wilde“, „Die Faust im Nacken“, „Der Pate“, „Meuterei auf der Bounty“ oder „Apocalypse Now“ wurde er zur Legende und zum Vorbild für eine Vielzahl von jungen Darstellern, die ihm nacheiferten. Am 3. April wäre Marlon Brando 100 Jahre alt geworden.

In seinen besten Zeiten hatte der 1924 in Omaha (Nebraska) geborene zweifache Oscar-Preisträger Scharen von „Jüngern“. James Dean, Paul Newman, Robert De Niro und Al Pacino ließen sich von Brandos Stil inspirieren. Einzigartig hat er in vielen Rollen mit sparsamer Gestik und Mimik Wildheit und Zorn so spannungsgeladen unter dem Deckel gehalten, dass man dachte, dieser Mann müsste jeden Moment explodieren.

Aufgewachsen als Sohn eines Handlungsreisenden in der Einöde Nebraskas, hatten Brando und seine Geschwister keine einfache Kindheit. Über seinen Vater schrieb der Schauspieler: „Sein Blut bestand aus Unmengen Alkohol, Testosteron, Adrenalin und Ärger.“ Die Mutter, ebenfalls dem Alkohol und außerehelichen Affären zugetan, kam in seinen Memoiren etwas besser weg. Die Amateur-Schaupielerin unterstützte die Ausbildung ihres Sohnes bei Größen wie Erwin Piscator, Konstantin Stanislawsky und Lee Strasberg in New York.

„Keiner schreibt mir vor, was ich zu tun habe“

Seinen Durchbruch hatte Brando 1947 in der Broadway-Inszenierung von „Endstation Sehnsucht“, die 1951 mit ihm auch verfilmt wurde. Es folgten die Rolle des Freiheitshelden in „Viva Zapata“ (1952) und des Marc Anton in „Julius Caesar“ (1953). Kein Film habe seinem Naturell aber so entsprochen wie „Der Wilde“, sagte er selbst einmal. Darin gab er 1953 den rebellischen und doch sensiblen Anführer einer Motorradbande. „Ich musste sagen ‚Keiner schreibt mir vor, was ich zu tun habe.‘ Genau das habe ich mein Leben lang empfunden.“

Oscars für „Faust im Nacken“ und „Der Pate“

Die Rolle des verzweifelt aufbegehrenden Arbeiters Terry Malloy in „Faust im Nacken“ (1954)  brachte ihm seinen ersten Oscar. Nach dem selbst produzierten „Meuterei auf der Bounty“ (1962) begann der Stern Brandos, der sich immer wieder für ethnische Minderheiten engagierte, aber zu sinken. Für die Traumrolle des Don Corleone in „Der Pate“ (1972) musste er kämpfen und artig Probeaufnahmen über sich ergehen lassen. Erst der Mafia-Streifen stellte seinen früheren Ruf wieder her. Mit der Hauptrolle in „Der letzte Tango in Paris“ legte er im selben Jahr als sexuell hemmungsloser Witwer nach und erhielt eine weitere Oscar-Nominierung.

Als die US-Filmakademie ihn 1973 für „Der Pate“ mit einem Oscar ehrte, schickte er eine Schauspielerin im Indianerkostüm auf die Bühne. In seinem Namen protestierte sie gegen die Unterdrückung der amerikanischen Ureinwohner.

Endgültig zur Ikone wurde Brando 1979 in einer Nebenrolle – als dämonischer Oberst Kurtz in Francis Ford Coppolas Vietnamkriegsdrama „Apocalypse Now“. Davor und danach übernahm Brando immer wieder auch anspruchslose Rollen (“Superman”, 1978), „weil ich nicht auf das Geld verzichten konnte“. 1990 wurde er für „Weiße Zeit der Dürre“ noch einmal für einen Oscar nominiert.

Sein Südseeatoll bei Tahiti – er hatte es nach „Meuterei auf der Bounty“ gekauft – verschlang Unsummen, ebenso wie seine Projekte zur Unterstützung der Indianer und nicht zuletzt der Unterhalt für vier geschiedene Frauen und einige Liebhaberinnen, fünf eheliche und zwei uneheliche Kinder. Seelisch kam der Star dem Ruin nahe, nachdem sein ältester Sohn 1990 in einem Eifersuchtsdrama den Freund seiner schwangeren Halbschwester Cheyenne erschossen hatte. Brando stand zu seinen Kindern und bezahlte die teuersten Anwälte. Der Sohn bekam zehn Jahre Haft, Cheyenne nahm sich 1995 auf Tahiti das Leben. Brando wurde nie wieder auf der Südseeinsel gesehen. Am 2. Juli 2007 starb der Jahrhundertschauspieler, der an Übergewicht, Herzproblemen und anderen Gebrechen litt, im Alter von 80 Jahren an einer Lungenembolie.

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