Hollywoods österreichische Juden im Oscar-Museum

In der klassischen Hollywoodära wurden viele beliebte Filme von jüdischen Auswanderern aus Österreich geprägt, darunter Billy Wilder, Erich von Stroheim und Vicki Baum. Unter dem Titel „Vienna in Hollywood: Émigrés and Exiles in the Studio System“ feiert das neue Academy Museum in Los Angeles nun bis Ende Jänner ihre Filme.

Als das Academy Museum of Motion Pictures, ein 484 Millionen US-Dollar (427 Mio. Euro) teures Gebäude in Los Angeles, am 30. September nach zehn Jahren Konzeptionen und mehrfacher Verschiebung endlich seine Türen öffnete, wurde es am 15. Oktober in der jüdischen Publikation „Forward“ dafür kritisiert, dass es die grundlegende Rolle jüdischer Einwanderer in der Filmindustrie vernachlässige. Der Titel des Artikels lautete: „Juden haben Hollywood gebaut. Warum wird ihre Geschichte aus dem Museum der Academy gelöscht?“

Man kann in dem Museum der Academy, dessen Mitglieder jedes Jahr die Oscars wählen, ein Modell von E.T. bewundern, oder die Schuhe von Judy Garland, die sie im „Zauberer von Oz“ getragen hat. Aber etwas fehlte. Sharon Rosen Leib schrieb: „Nachdem ich die sieben Stockwerke des Museums besichtigt hatte, entdeckte ich, dass Hollywoods Pioniere, die sich ihre Tucheses [Jiddisch für Hinterteile] abgerackert hatten, um die Industrie aufzubauen, die es [das Museum] feiert, auf dem Boden des Schneideraums gelandet waren.“

Die jüngste Filmreihe „Wien in Hollywood“, die schon länger geplant gewesen sein soll, trägt dazu bei, die Dinge richtig zu stellen. „Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die aufstrebende Filmindustrie in Hollywood größtenteils von jüdischen Einwanderern aus Ost- und Mitteleuropa aufgebaut“, heißt es auf der Website eines Symposiums, „darunter viele Österreicher aus Regionen der ehemaligen Österreich-Ungarischen Monarchie“.

Tatsächlich spielten Künstler aus Österreich-Ungarn und später Österreich im 20. und frühen 21. Jahrhundert eine außergewöhnliche Rolle in der US-amerikanischen Filmindustrie. Deutscher Expressionismus, Psychoanalyse und Wiener Humor trugen zum Film noir, zur leichten und ernsten Komödie, und zum Melodram bei. Und es war wohl auch eine Symbiose der Kulturen, die zu einem großen Teil auf die Zwangsexilierung der 1930er Jahre zurückzuführen ist, die es Hollywood ermöglichte, einige Meisterwerke zu produzieren.

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Nicht alle gingen erst mit Hitlers Machtergreifung nach Hollywood, einige wie Erich von Stroheim und Max Steiner zog das Versprechen von Hollywood schon Jahre zuvor an. Aber eine viel größere Welle von meist jüdischen Emigranten erreichte Hollywood in den 1930er und 1940er Jahren, hauptsächlich deshalb weil sie in Deutschland und Österreich von den Nazis verfolgt wurden.

Einer, der das fast schon exemplarisch verkörpert, ist Billy Wilder, von dem eine Auswahl an Filmen bis 12. Jänner auch im Österreichischen Filmmuseum zu sehen sind. Der als Samuel Wilder in Österreich-Ungarn geborene jüdische Filmemacher floh vor den Nazis, eine Woche nach dem Reichstagsbrand 1933, über die Zwischenstation Paris in die Vereinigten Staaten, und einmal in Amerika angekommen, etablierte er sich zu einer festen Größe in der Filmlandschaft.

Die Karriere des langen, schlaksigen Filmemachers mit der Halbglatze und Brille umspannte über 60 Filme, unter denen sich zahlreiche berühmte Hollywoodmomente finden. Das beste Beispiel ist das Ende von „Manche mögen‚s heiß“, als Joe E. Brown sich an Jack Lemmon wendet, um zu sagen: „Nobody‘s perfect“. Marilyn Monroes Kleid, das in „Das verflixte 7. Jahr“ über einem U-Bahn-Schacht wehte, war seins, ebenso wie Gloria Swanson, die sich in „Boulevard der Dämmerung“ auf ihre Nahaufnahme vorbereitete.

Das sechswöchige Programm startete mit dem zweitägigen Symposium „Wien in Hollywood: The Influence and Impact of Austrians on the Hollywood Film Industry, 1920s-2020s“. Eröffnet wurde die dazugehörige Filmreihe mit „Casablanca“, der vielleicht kultigste Emigrantenfilm von allen. In Humphrey Bogerts Café kreuzten sich die Schicksale europäischer Flüchtlinge, die vor dem Faschismus auf der Flucht waren. Der Film wurde vom in Österreich-Ungarn geborenen Manó Kertész Kaminer (besser bekannt als Michael Curtiz) inszeniert, von dem in Österreich geborenen Komponisten Max Steiner vertont, und es spielten auch zahlreiche Schauspieler aus der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie mit, darunter Paul Henreid und Peter Lorre.

Andere Filme, die im Fokus stehen, sind unter anderem die Mata-Hari-Geschichte „Entehrt“ von Josef (geboren als Jonas) von Sternberg aus der Wiener Leopoldstadt; „Auch Henker sterben“ von Friedrich Christian Anton „Fritz“ Lang; Otto Premingers „Frau am Abgrund“; „Der Garten Allahs“ mit der in Wien geborenen Ottilie Ethel „Tilly“ Losch in ihrer Debütrolle; „Hotel Berlin“, geschrieben von Vicki (geboren Hedwig) Baum; und „Robin Hood, König der Vagabunden“, vertont von Erich Wolfgang Korngold, der dem Ruf von Warner Brothers gefolgt war.

Korngold hatte bereits 1934 für Max Reinhardts Filmkomödie „Ein Sommernachtstraum“ (auch ein Teil der Filmreihe) die Musik Mendelssohns bearbeitet. Er gewann mit seinen großartigen Filmmusiken zwei Oscars und hat mit seiner ganz eigenen Kriegsgeschichte zahlreiche Hollywoodkomponisten beeinflusst, nicht zuletzt John Williams Musik. Um diesen Einfluss zu beweisen, braucht man nur das ikonische „Star Wars“-Motiv mit dem Soundtrack für den Film „Kings Row“ aus dem Jahr 1942 vergleichen. Man wird überall einige vertraute Noten finden.

(S E R V I C E – )

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