„Ich hatte Bock auf Vokuhila und ‘nen fetten Schnauzbart“

Sky startet Dart-Serie „Die Wespe“ und Hauptdarsteller Florian Lukas hatte keine Ahnung von dem Sport

Florian Lukas freundete sich mit dem Dart-Sport an.
Florian Lukas freundete sich mit dem Dart-Sport an. © Sky Deutschland/Eventpress

Eines hat die neue Sky-Serie „Die Wespe“ auf jeden Fall: das Potenzial zur Kultserie. Und mit Eddie Frotzke hat Schauspieler Florian Lukas eine richtige Kult-figur geschaffen. Lukas spielt den abgehalfterten Anti-Helden, der einst eine große Nummer im Dart-Sport war. Doch dann scheint alles bergab zu gehen.

VOLSKBLATT: Ich muss Ihnen zu Beginn die Frage stellen, die auf der Hand liegt: Konnten Sie vor dem ersten Drehtag Dart spielen?

FLORIAN LUKAS: Nein, ich hatte überhaupt gar keine Ahnung. Ich stand wirklich wie die Kuh vorm Tor und irgendjemand hat auf die Tür gezeigt, auf der Dart steht, und da öffnete sich eine riesige Welt. Mit all den Geschichten der großen Stars in den 70er und 80er-Jahren in England, den deutschen Stars, der aktuellen Weltrangliste, den Turnieren, den Bestandteilen eines Dartpfeils, der Zählweise … ich hatte zum Glück drei Monate Zeit! Ich habe mir eine Scheibe ins Schlafzimmer gehängt und angefangen zu trainieren, auch mit einem Mitglied der deutschen Nationalmannschaft.

Haben Sie Gefallen daran gefunden?

Das Problem ist, dass ich Linkshänder bin und niemanden fand, der mich mit links hätte doubeln können. Deshalb musste ich mit rechts werfen. Ich bin dadurch nie so gut geworden, wie ich es gerne gehabt hätte. Es ist ja eigentlich ein Mental-Sport. Du brauchst zwar eine total präzise Technik, aber gleichzeitig brauchst du eine Ruhe und eine Entspannung in deinem Körper, vor allem auch die Fähigkeit, eine unheimlich große Fehlerquote zu verarbeiten. Das betrifft selbst die Profis. Das ist echt eine Übung, nicht die ganze Zeit über seine eigenen Fehler frustriert zu werden.

„Die Wespe“ist nicht nur was für eingefleischte Dart-Fans …

Im Gegenteil. Die meisten gucken ja auf so eine Scheibe und verstehen überhaupt nichts. Mir ging es ja auch so. Darum geht es auch erstmal nicht. Im Laufe der Serie erfährt man schon, wie man zählt usw.. Aber letztlich ist es die Geschichte über einen Sportler (lacht), über einen Profisportler.

Sowohl Serie als auch Ihre Figur Eddie Frotzke haben Potenzial zum Kultstatus. Mögen Sie so schräge Anti-Helden?

Ach, ich mag es, wenn es nicht einfach ist. Ich mag dir Herausforderung, ich mag nicht die einfachen Wege, muss ich zugeben. Es macht halt besonderen Spaß, wenn du die Figur fallen siehst, und dem dann dabei zuzugucken, wie er sich wieder aufrappelt und sich weiter durchkämpft. Das ist spannend, da erkennen wir uns ja auch alle wieder. Wie geht jemand um mit Situationen, in denen man stolpert, fällt? Wie orientiert er sich? Wie findet er seinen Platz im Leben, wenn er ihn verloren hat? Das sind so Fragen, die wir uns ja alle hin und wieder stellen.

Das bedeutet, auch bei so einer teils überzeichneten Figur finden Sie Parallelen zu sich?

Irgendwie ja. Wir Schauspieler suchen halt die komischen, seltsamen, unheimlichen, schrägen Sachen in uns. Vielleicht auch die, für die wir uns schämen. Wir zeigen die her und machen sie groß. Andere Leute sehen, dass sie mit ihren eigenen Macken auch nicht alleine sind. Ich hatte auch Bock, mal richtig dick zu sein, ich hatte Bock, Vokuhila zu tragen und ‘nen richtig fetten Schnauzbart. Und da ist noch ein Traum in Erfüllung gegangen: Ich wollte einmal Kuchen essen, soviel ich wollte. Das habe ich dann drei Monate lang.

Das heißt, die Optik Ihrer Figur kam von Ihnen?

Ja, die Ideen schon. Wir hatten auch eine tolle Kostümbildnerin, die das alles selbst entwickelt hat. Diese Trainingsanzüge sind maßgeschneidert und für Eddie Frotzke entworfen worden. Das mit dem Bauch ist auch naheliegend. Wenn du dir die ersten Dart-Videos anguckst, da sind fast alle übergewichtig. Das liegt auch daran, dass die körperliche Herausforderung … naja … begrenzt ist. Aber man braucht halt ‘ne Menge Bier, um auf ein Level zu kommen, dass einen zuerst ruhig werden und dann auch ruhig bleiben lässt. Der Bauch war quasi geradezu zwingend.

Vielleicht widersprechen Sie mir, aber es sieht so aus, als hätten Sie mit Ihren Kollegen Lisa Wagner und Ulrich Noethen eine Menge Spaß gehabt am Set.

Ja, aber wir haben versucht, ihn voreinander zu verstecken. Wir haben so getan, als würden wir keine Komödie drehen. Wir haben uns irgendwie heimlich und sehr trocken darüber verständigt, dass wir das vielleicht doch lustig finden könnten. Wir haben uns echt angestrengt, ernst zu bleiben und wirklich konzentriert. Komödie ist eine Art von Präzisionsuhrwerk, das muss sehr diszipliniert betrieben werden. Wir hatten jeden Tag 12, 13 Stunden hoch konzentriertes Arbeiten, wir hatten gar keine Zeit, uns groß zu amüsieren.

Wie war’s, für so einen Riesen wie Sky zu drehen?

Generell glaube ich, dass uns die Streaming-Anbieter ganz andere Möglichkeiten geben, einfach nur, weil sie auf dem Markt sind. Und, dass sich dadurch auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk bewegen muss und sich auch schon bewegt hat. Es gibt einfach mehr Möglichkeiten, aber der Produktionsprozess an sich, da gab es für mich jedenfalls keine Unterschiede. Es gibt vielleicht nur inhaltlich Unterschiede. So etwas wie „Die Wespe“, ich weiß nicht, ob man so etwas vor fünf Jahren in Deutschland machen hätte können.

Ist man bei den StreamingDiensten auch mutiger, was die Stoffe betrifft?

Ja, waren die immer. Ich habe heute nicht den Überblick, es wird ja so viel produziert. Grundsätzlich würde ich schon „Ja“ sagen. Aber das heißt auch nicht, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk jetzt generell feige wäre, weil die sich jetzt auch viel mehr bewegen, als ich es vor ein paar Jahren noch für möglich gehalten hätte.

Sie haben u.a. mit „Weissensee“viel Erfahrung mit Serien. Mögen Sie das Format oder doch lieber Filme?

Das ist irgendwie gleich und auch irgendwie anders. Wenn man etwas gerne mag, so wie das jetzt bei der „Wespe“der Fall war, dann ist es natürlich toll, so lange daran zu arbeiten. Ich habe im Herbst einen ernsten, kleinen schweizerischen Kinofilm in Italien gedreht, zweiter Film des Regisseurs. Das sind dann so kleine Herzensprojekte, wo ganz subtil und fein und mit unglaublich viel Enthusiasmus eine Miniatur gebaut wird.

Wird es mit „Die Wespe“weitergehen?

Es gibt schon fertige Drehbücher für zwei weitere Staffeln. Wir könnten sofort loslegen, wenn Sky und die Zuschauer sagen: Da haben wir Bock drauf.

Das heißt, die Fortsetzung ist doch klar von den Zuschauerzahlen abhängig?

Ich habe auch keinen Einblick in die genauen Entscheidungsprozesse, wer da was warum entscheidet. Aber soweit ich das verstehe, ist das erfolgsabhängig.

Sobald Sie das „Go!“kriegen, können Sie wieder Torten essen?

(lacht) Ja, genau! Ich musste ja wahnsinnig abnehmen für diesen kleinen Kinofilm, der sechs Wochen nur am Strand spielt. Mal gucken, vielleicht ist das zu Weihnachten ja schon entschieden, dann könnte ich schon anfangen.

Mit FLORIAN LUKAS sprach Mariella Moshammer

Diese Pfeile fliegen gut

Für einen Sportler kann ein Moment alles entscheiden. Auch für einen, der Dart spielt. Es ist zwar nicht das größte Turnier, das Eddie Frotzke gewinnen will, doch es wird ein für sein Leben entscheidendes. Einst war Eddie eine große Nummer im Dart-Profisport, jetzt ist er das Paradebeispiel eines abgehalfterten Anti-Helden, der seinen Bierbauch pflegt und Kreuzworträtsel löst.

Florian Lukas (48) gibt das Jogginganzug-Rolemodel in der neuen Sky-Serie „Die Wespe“ (ab 3. Dezember, vorerst in 6 Folgen) nonchalant mit dem Hang zum Überkochen. Nicht umsonst trägt Frotzke noch den Spitznamen Wespe. Doch die Wespe hat’s nicht leicht. Eddies Karriere ist vergessen, seine Frau war da auf der Suche nach Frischfleisch erfolgreicher. Und dieser eine Moment endet mit einem Pfeil auf schmerzhaften Umwegen und einer Karriere als Staubsaugervertreter und Part-Time-Lover. So weit so ungut.

Neben Lukas mit Vokuhila brillieren und überzeugen auch Lisa Wagner und Ulrich Noethen nicht nur optisch. Alleine am Berlinern kann man sich höchst erfreuen. „Kannste jugeln“ sagt da Noethen und meint die weltweite Suchmaschine.

Lisa Wagner ist Manu, Eddies Frau und Betreiberin eines Solariums. Und sie ist eine Königsmacherin. Nachwuchs-Darter Kevin (Leonard Scheicher) wollen beide einiges beibringen. Und Ulrich Noethen spielt Nobbe, nein: Ulrich Noethen ist Nobbe. Vom Hemdenstil bis zur Geschichte, wie ein Dart-Held einst ein Auge durch einen Wespenstich verloren hat — hier ist alles zu feiern.

Ein wunderbarer Humor, schräge Figuren und eine Underdog-Geschichte wie aus dem Bilderbuch. Regisseurin Hermine Huntgeburth und Drehbuchautor Jan Berger haben eine Serie mit viel Potenzial — auch für eine Fortsetzung — geschaffen.

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