Im „Herz der Finsternis“: Martha Jungwirth in Venedig

Martha Jungwirth stellte sich im Palazzo Cini den Fotografen © APA/Wolfgang Huber-Lang

Der erste Termin dieser Biennale-Preview-Tage in Venedig führte den Kunsttross am Dienstagvormittag nicht in die Giardini, sondern in den Palazzo Cini am Campo San Vio. In dem außergewöhnlichen Privatmuseum hat Luca Massimo Barbero, Direktor des Istituto di Storia dell’Arte der Fondazione Giorgio Cini, eine Ausstellung der Österreicherin Martha Jungwirth kuratiert. Ihr „Herz der Finsternis“ nimmt Bezug auf Joseph Conrads gleichnamige Novelle.

Jungwirth hat bei ihrem Paris-Aufenthalt im Vorjahr das Musée de l’histoire de l’immigration im Palais de la Porte Dorée, einem für die Pariser Kolonialausstellung von 1931 errichteten Gebäude, besucht und war tief bewegt. „Die Themen Migration und Verfolgung haben für mich eine komplett andere Realität bekommen. Die langjährige Geschichte der Verdrängung, welche bis heute andauert, hat mich tief bestürzt“, erklärte sie.

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Die daraufhin entstandene Serie „Porte Dorée“ besteht aus imposanten Großformaten wie aus kleinformatigen Arbeiten. Auf sandfarbenem Untergrund entwickelt sie im so abstrakten wie dynamischen Gestus eine Farbpalette, die in pastosen Rosa- und Rottönen sowie „üppigen Grün- und Petrolnuancen auf die dichte Wildnis des zentralafrikanischen Regenwalds, der in ‚Heart of Darkness‘ anschaulich beschrieben wird“, Bezug nimmt, wie es im Pressetext heißt. „Die hier gezeigten Malereien sind direkt nach meiner Paris-Reise entstanden und meine Gefühle und Erinnerungen waren noch sehr präsent und lebendig“, so Jungwirth.

Kurator Barbero schwärmte von der „Intensität, mit der Martha Jungwirth den Palazzo Cini entdeckte und durchquerte“, als er sich mit ihr das erste Mal über die Möglichkeit einer Ausstellung in den Räumen des venezianischen Palastes unweit der Accademia austauschte. Galerist Thaddaeus Ropac, der die 84-jährige Malerin, die 2021 den Großen Österreichischen Staatspreis erhalten hat, vertritt, freute sich gegenüber der APA darüber, dass es gelungen sei, den Zeitpunkt der nicht zur Biennale gehörenden Ausstellung auf die Biennale zu legen. „Das gibt natürlich noch einmal einen Aufmerksamkeitsschub.“

Die nächste Stufe der Karriere der Österreicherin soll dann im Juni gezündet werden, wenn eine große, rund 170 Werke umfassende Retrospektive Jungwirths im Guggenheim Museum Bilbao eröffnen wird. „Das ist natürlich etwas ganz Besonderes“, so Ropac. „Beides zusammen, Venedig und Bilbao, bestätigt die späte Wiederentdeckung einer großen Malerin auf eindrucksvolle Weise.“ Die Ausstellung im Palazzo Civi ist bis 29. September zu sehen.

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palazzocini.it

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