Innsbrucker Festwochen künftig mit „Opernkürzungen“

Leitungs-Trio: Eva Maria Jens, Ottavio Dantone und Markus Lutz © APA/EXPA/JOHANN GRODER/EXPA/JOHANN GRODER

Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik läuten in ihrer 48. Auflage im kommenden Jahr – der ersten Spielsaison nach einer 14-jährigen Intendanz von Alessandro De Marchi – eine neue Ära ein. In dieser soll es auch verstärkt zu „Opernkürzungen“ die Spieldauer betreffend kommen und ganz generell „Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart“ gebaut werden, sagte der neue Musikalische Leiter Ottavio Dantone am Donnerstag bei der Programm-Pressekonferenz in Innsbruck.

Unter dem Motto „Wohin kommen wir? Wohin gehen wir“ steht dabei im Festivalzeitraum vom 21. Juli bis 30. August 2024 unter anderem die Oper „Cesare“ von Geminiano Giacomelli auf dem Programm. Auch diese Oper möchte Dantone „befragen“ bzw. sie womöglich „kürzen“: „Man muss bei Partituren immer auch zwischen den Zeilen lesen und sich einen interpretatorischen Spielraum herausnehmen.“ Wichtig sei es dabei vor allem „die Emotionen der damaligen Zeit ins Heute zu übersetzen“, erklärte der Italiener seine künstlerische Programmatik. Dass sei eben etwa durch die Reduzierung der Spieldauer möglich: „Damit gelingt eine Anpassung an die heutigen Gegebenheiten.“ Unter De Marchi waren zum Teil sehr lange Opernaufführungen Usus gewesen.

Man müsse sich dennoch „nicht neu erfinden“, betonte Eva-Maria Sens, die das Festival zusammen mit Dantone als Künstlerische Direktorin leitet. „Aber wir haben durchgelüftet und einiges neu sortiert“, erklärte sie. So stehen neue Formate am Programm: „Es gibt künftig beispielsweise die Hörgeschichten und Werkstattkonzerte.“ Altbewährtes werde aber fortgesetzt, wie etwa die kostenfreien „Lunch-Konzerte“ oder das „Concerto Mobile“. Auch die „Barockoper-Jung“ steht wieder – neben der zweiten großen Oper „Dido“ von Christoph Graupner – am Spielplan: „In diesem Jahr kommt die Arianna von Georg Friedrich Händel zur Aufführung.“

Als weiteren Fixpunkt will das Festwochen-Führungsduo zudem den „Cesti-Wettbewerb“ beibehalten, bei dem junge Sängerinnen und Sänger um den Cesti-Preis wetteifern. „Das hat auch den entscheidenden Vorteil, dass wir dann ein großes Repertoire an Sängern haben, weil diese immer wieder gerne nach Innsbruck zurückkehren“, meinte Dantone dazu leicht scherzhaft.

All das und das Festival an sich passiere jedenfalls vor dem Hintergrund von „stabilen finanziellen Verhältnissen“, strich der kaufmännische Direktor des Festivals, Markus Lutz, heraus. „Wir hatten im Jahr 2023 eine Auslastung von 96 Prozent und 20.000 Gäste beim Festival.“ Das bedeute, dass 460.000 Euro durch Ticketeinnahmen in die Festwochen-Kassen kamen, so Lutz.

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Dennoch sei es wichtig, die bereits vorhandene „Barrierefreiheit“ zu bewahren, betonte im Anschluss der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi (Grüne). „Ich freue mich in dieser Sache, dass es nach wie vor kostenfreie und kostengünstige Veranstaltungen gab“, sagte der Bürgermeister. „Damit ist barrierefreies Lauschen möglich“, so Willi. Lob für andere Formate gab es zudem vom den für die Kultur zuständigen Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP): „Mit ‚youngbaroque‘ wird auch das so wichtige junge Publikum angesprochen“, sagte Mattle.

altemusik.at

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