Iranischer Film auf der Berlinale gefeiert

Lily Farhadpour mit Foto von Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha © APA/dpa/Soeren Stache

Das mit einem Ausreiseverbot belegte iranische Regie-Duo Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha hat sich mit einer deutlichen Botschaft zu seinem Film und der Lage im Iran positioniert. „Wir haben uns entschlossen, diesmal alle Restriktionen roter Linien zu überwinden und die Konsequenzen zu akzeptieren für unsere Entscheidung, ein reales Bild iranischer Frauen zu zeichnen“, heißt es in einer Erklärung, die die Schauspielerin Lily Farhadpour am Freitag in Berlin verlas.

Die Premiere von „Keyke mahboobe man“ („My Favourite Cake“) war am Freitag Teil des Berlinale-Wettbewerbs und wurde vom Publikum frenetisch gefeiert. Bereits vor der Präsentation gab es Standing Ovations für Farhadpour und ihren Filmpartner Esmail Mehrabi. Der Applaus zog sich nach dem Film über Minuten. Farhadpour hielt dabei immer wieder ein großes Foto des abwesenden Regieduos Moghaddam und Sanaeeha in die Höhe.

Der Film erzählt die Geschichte einer 70 Jahre alten Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes das Liebesleben im Alter wiederentdeckt. Vordergründig scheint es ein Film zu sein, der vor allem über die Liebe und Selbstbestimmung im Alter nachdenkt. Durch seine Mehrdeutigkeit weitet er sich aber zu einem intelligenten Gesellschaftsporträt.

Farhadpour verwies auf eine der Auslassungen in iranischen Filmen aufgrund der Zensur. So sei es tabu, dass auch ältere Frauen sich noch einmal verlieben könnten. Frauen trügen zudem keinen Hidschab beim Schlafen. „Die Menschen haben gelacht, wenn Frauen in den Filmen mit Hidschab ins Bett gegangen sind“, sagte Farhadpour zum Umgang mit der Kopfbedeckung.

„Keyke Mahboobe man“ polarisiert in dem Land, dessen Staatsreligion der Islam ist. „Seit Jahren kämpfen die iranischen Frauen gegen ungerechte Gesetze wie den obligatorischen Hidschab und die fehlende Gleichberechtigung“, so das Regie-Duo, das bedauerte, seinen Film nicht selbst präsentieren zu können. „Wir sind traurig und erschöpft, aber wir sind nicht alleine“, schrieb Maryam Moghaddam am Freitag auf Instagram. „Das ist die Magie des Kinos. Das Kino verbindet uns mit Euch.“

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Die Filmarbeiten wurden noch vor der von Frauen angeführten Protestwelle im Herbst 2022 aufgenommen. Ausgelöst wurden die Aufstände vom Tod der jungen iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini. Die berüchtigten Sittenwächter hatten die junge Frau festgenommen, sie fiel ins Koma und starb wenige Tage später. Es folgten die schwersten Proteste seit Gründung der Islamischen Republik, die Irans Staatsführung gewaltsam niederschlagen ließ. Die Dreharbeiten erfolgten laut den Filmemachern so weit wie möglich im Verborgenen, während die Straßendemonstrationen weiter andauerten.

Nach den Protesten, die unter dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ vor allem junge Menschen auf die iranischen Straßen gebracht hatten, gerieten auch immer mehr Filmschaffende ins Fadenkreuz der Justiz, die sich mit der Bewegung solidarisierten. Erst im Oktober war mehr als ein Dutzend berühmter Filmpersönlichkeiten mit einem Arbeitsverbot belegt worden.

Bereits im Jahr 2021 war das Regie-Duo Moghaddam und Sanaeeha mit dem Film „Ballade von der weißen Kuh“ bei der Berlinale ins Rennen gegangen. Auch dieser Film galt im Iran als höchst kontrovers, politisch aufgeladen und brach gleich mehrere Tabus.

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