Ire Paul Lynch mit Booker-Literaturpreis ausgezeichnet

Paul Lynch setzte sich mit seinem Buch „Prophet Song“ durch © APA/AFP/JUSTIN TALLIS

er irische Autor Paul Lynch hat den renommierten britischen Booker Prize 2023 gewonnen. Der 46-Jährige erhielt die mit 50.000 Pfund (rund 57.500 Euro) dotierte Auszeichnung für seinen Roman „Prophet Song“. Die Jury nannte Lynchs fünften Roman über eine tyrannische irische Regierung „einen Triumph des emotionalen Erzählens, mutig und anregend“. Er fange mit großer Lebendigkeit die sozialen und politischen Ängste unserer Zeit ein.

Der Booker Prize ist der wichtigste britische Literaturpreis. Die mit 50.000 Pfund (ca. 57.500 Euro) dotierte Auszeichnung wurde erstmals 1969 vergeben. Sie geht jährlich an den Autoren eines in Großbritannien oder Irland erschienenen englischsprachigen Romans. Autoren und Autorinnen wie Margaret Atwood, Hilary Mantel und Salman Rushdie waren frühere Gewinner.

In „Prophet Song“ zeichnet Lynch eine dystopische Vision von Irland in den Fängen des Totalitarismus. Protagonistin ist eine vierfache Mutter und Wissenschafterin, die eine schreckliche Entscheidung treffen muss, nachdem ihr Mann von der neu gegründeten Geheimpolizei entführt wurde.

Lynch erhielt die Auszeichnung am Sonntagabend in London aus den Händen seines Vorgängers, des aus Sri Lanka stammenden Autoren Shehan Karunatilaka. Lynch ist nach Iris Murdoch, John Banville, Roddy Doyle und Anne Enright erst der fünfte irische Autor, der den Preis erhält. Er sagte laut Nachrichtenagentur PA nach der Verleihung: „Dieses Buch war nicht leicht zu schreiben.“ Der rationale Teil von ihm habe geglaubt, dass er seine Karriere mit dem Schreiben dieses Romans aufs Spiel setze. „Aber ich musste das Buch trotzdem schreiben. Wir haben keine Wahl in solchen Angelegenheiten.“ „Prophet Song“ sei durch den Krieg in Syrien und die Flüchtlingskrise inspiriert worden.

Was diesem Buch zugrunde liege, sei das Gefühl des liberal-demokratischen Abrutschens, das in den letzten sechs, acht, vielleicht zehn Jahren weltweit stattgefunden habe, hatte Lynch PA bereits vor der Preisverleihung gesagt. In einem Gespräch mit der BBC am Montag betonte er jedoch, es handle sich nicht in erster Linie um ein politisches Buch. Er habe sich mehr für den Umgang seiner Protagonisten mit den Fragen des Lebens und dem Tod interessiert. Das Gefühl der Trauer könne man aber auch als Reaktion auf den allgemeinen Zustand der Welt verstehen. „Viele, die darauf Acht geben, würden wohl sagen, dass wir eine Art der Auflösung erleben“, sagte er. Sein Buch gehe der Frage nach, wo das hinführen könne.

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Über die gewalttätigen Ausschreitungen in der irischen Hauptstadt Dublin in der vergangenen Woche zeigte sich Lnych „erstaunt, wie alle anderen auch“. Gleichzeitig sei „diese Art der Energie immer unter der Oberfläche“, so Lynch bei einer Pressekonferenz nach der Preisverleihung am Sonntagabend. Die Krawalle müssten als Warnung verstanden werden, betonte Lynch. Er fügte jedoch hinzu, Irland sei ein gastfreundliches Land und ein „außergewöhnliches Land zum Leben“.

In Dublin war es am vergangenen Donnerstag zu Ausschreitungen in der Innenstadt gekommen, für die die Polizei rechtsextreme Hooligans verantwortlich machte. Hunderte teils vermummte Menschen lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Busse, Polizeiautos und eine Straßenbahn wurden angezündet, Schaufenster eingeschlagen und Läden geplündert. Zum Anlass genommen hatten die Randalierer einen Messerangriff auf Kinder und eine Frau, der sich am Nachmittag ereignet hatte. Hintergrund waren Gerüchte in sozialen Medien über die Nationalität des Angreifers.

thebookerprizes.com

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