Kovacs und Wenger bezaubern mit traurigen Coversongs

Ein Tipp des Musikduos: „Es muss die Angst weg!“ © APA/Play Dead Records/Mani Froh

Wenn die Tage kürzer werden, ist meist auch eine melancholische Stimmung nicht weit. Da passt es doch gut, dass Mira Lu Kovacs und Clemens Wenger dieser Tage traurige Lieder für die vermeintlich ruhigste Zeit des Jahres veröffentlichen. Ihre „Sad Songs To Cry To“ sind großteils Covernummern, die in ihrer reduzierten Form tatsächlich Gelegenheit zum Innehalten bieten. „Diese Songs sind tieftraurig, haben aber gleichzeitig etwas Tröstendes“, so Kovacs.

Das viel beschäftigte Duo – Kovacs ist mit ihren Soloarbeiten oder bei Bands wie 5K HD und My Ugly Clementine im Einsatz, während Wenger nicht nur für die 5/8erl in Ehr’n in die Tasten greift – hat bereits vor drei Jahren die Liveplatte „The Urge Of Night“ veröffentlicht. Im freundschaftlichen wie musikalischen Austausch sei man quasi ständig. „Als ob wir Teil eines Fischschwarms sind, in dem wir uns immer wieder begegnen und auch gemeinsam schwimmen“, lachte Kovacs im APA-Interview. „Ideen spinnen, über Musik reden, das ist immer da“, ergänzte Wenger.

Nun hat dieser Austausch wieder Früchte getragen: Stücke wie „This Woman’s Work“ von Kate Bush, „A Case Of You“ von Joni Mitchell oder „Bridge Over Troubled Water“ von Paul Simon wurden sich zu eigen gemacht, dargeboten nur mit Stimme und einigen wenigen Tasteninstrumenten. „Die Ballade an sich ist schon ein gemeinsames Interesse“, erzählte Wenger über den Entstehungshintergrund. „Es hat sich gut ergeben dafür, wie wir gerne Musik machen. Nämlich ausgehend von der Reduktion – und dann schauen wir, was kommt.“ So gehe es nicht um „die großen Ideen, sondern den Minimalismus“.

Was aber keineswegs bedeutet, dass ihre „Sad Songs To Cry To“ – unter denen sich auch zwei Eigenkompositionen finden – nicht effektvoll geraten sind. Das große Kunststück dieser Produktion ist das Gefühl, wie ein Mäuschen im Studio zwischen Kovacs und Wenger zu sitzen. Beinahe jeder Atemzug ist hören, immer wieder vernimmt man die Pedalgeräusche des Pianinos, wodurch letztlich auch die Momente zwischen den Tönen zum Klingen gebracht werden. „Es war für uns definitiv ein Kriterium, dass alles aus einem Guss gehen und musiziert werden muss“, nickte Wenger.

Für Kovacs ist diese Art des sich Öffnens als Künstlerin ohnehin zentral: „Natürlich kann man Sachen polieren und perfekt hineditieren, aber das ist dann eine andere Produktion. Will man eine Wärme erzeugen, muss man relativ ehrlich sein mit dem Raum, in dem man sich befindet, und wie man sich bei der Aufnahme fühlt.“ Selbst der Sessel, auf dem man Platz nimmt, spiele da eine Rolle. „Es ist keine Effekthascherei, sondern eher der Gedanke: Lassen wir das passieren! Ich höre auch durchwegs, dass Menschen das begrüßen, weil es nahbar ist.“ Dafür sei aber auch Vertrauen in das Gegenüber notwendig. „Es muss die Angst weg!“, meinte die Sängerin. „Und wenn man merkt, dass man Fehler machen darf, dann kommt man auch auf neue Sachen drauf.“

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Ab 20. Dezember stellt das Duo seine Platte auch bei vier Liveterminen vor. Man dürfe sich eine „sehr intime Atmosphäre in sehr schönen Räumen“ erwarten, machte Kovacs Lust darauf. Und selbst wenn die Songs „sad“ seien, werde es zwischendurch wohl auch amüsant zugehen. „Ich kann einfach nicht anders, ich witzele dann herum“, lachte die Musikerin. Besinnlich sei zwar gerade in der Adventzeit ein sehr aufgeladenes Wort, passe aber durchaus. „Wir laden ja dazu ein: Einfach zulassen! Lasst euch aufeinander, auf uns und womöglich diese Traurigkeit ein.“

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

Mira Lu Kovacs und Clemens Wenger live: 20. Dezember in der Arge Kultur, Salzburg; 21. Dezember im Treibhaus, Innsbruck; 22. Dezember im Orpheum, Graz; 28. Dezember im Porgy & Bess, Wien; miralukovacs.com; clemenswenger.wordpress.com

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