Kunstforum würdigt Visionär und Maler Roberto Matta

Monumentalwerk Mattas zum ersten Mal öffentlich zu sehen © APA/Estate Matta/Kunstforum/APA/Estate Roberto Matta

Futuristische, an Maschinen erinnernde Gebilde schweben vor einem Hintergrund in kräftigem Blau, über eine Fläche von zehn mal vier Metern breiten sich in dem Monumentalwerk des chilenischen Malers Roberto Matta würfelartige Strukturen aus, strecken sich in den Raum: „Coïgitum“ ist Science-Fiction, abstrakt und doch gegenständlich – und Herzstück der Ausstellung „Matta“ im Kunstforum Wien. Die erste Retrospektive in Österreich seit mehr als 30 Jahren öffnet am 24. Februar.

„Ein Bild wie dieses bekommt man von keinem Museum mehr“, betont Direktorin und Kuratorin Ingried Brugger bei einem Rundgang mit der APA. „Weil es kaum transportabel ist. Wir haben es gerollt, bis zu 15 Personen waren an der Hängung beteiligt.“ Es stammt aus Mattas Landvilla in der Nähe Roms und hat bisher nie das Atelier verlassen. Im hohen Saal des Kunstforums entfaltet das Werk eine hypnotische Wirkung: Ist es eine Unterwasserwelt? Der Weltraum? Ein (Alb-)Traum? Zugleich repräsentiert es das vielseitige und charakteristische Schaffen Mattas.

„Einen der maßgeblichen Künstler des 20. Jahrhunderts neu im Spiegel der Gegenwart zu entdecken“, sei ihr kuratorisches Konzept gewesen, betont Brugger. Matta, geboren 1911 in Santiago de Chile, gestorben 2002 in Italien, wurde als Architekt ausgebildet. 1933 verließ er seine Heimat und begann zu zeichnen. Salvador Dalí ermunterte ihn, die künstlerischen Arbeiten weiter zu verfolgen. Eines der prägendsten Erlebnisse war das Zusammentreffen mit Pablo Picasso im Rahmen Mattas Tätigkeit als Assistent für den spanischen Maler auf der Weltausstellung in Paris 1937. „Da hat er dann den Architekten weggeschmissen“, schmunzelt Brugger.

Als Maler war Matta Autodidakt, ging wie viele Künstler des Surrealismus nach New York. Seine künstlerische Entwicklung nur im Fokus des Surrealismus oder Abstrakten Expressionismus zu sehen, „greift zu kurz“, sagt Brugger. Matta blieb Einzelgänger, „hat sich nie irgendwelchen Moden hingegeben“, experimentierte mit radikal neuen Räumen, die eine alternative räumlich-zeitliche Realität abbilden. Er „ging sehr zurückhaltend mit seiner Kunst um“, erläutert die Kuratorin. Zum Beispiel haben man im Nachlass Bühnenbildentwürfe für die „Zauberflöte“ gefunden, die nun im Kunstforum erstmals öffentlich zu sehen sind.

Matta sei ein Visionär gewesen, schwärmt Brugger und verweist auf ein futuristisches Bild in der Schau: „Er hat in der frühen 40er-Jahren Weltraumschrott gemalt – lange vor der Raumfahrt.“ Schon damals arbeitet er wegweisend für die Avantgarde auf sehr großem Format. Die Retrospektive würdigt auch Mattas politisches und sozialkritisches Engagement, ein nicht nur farblich an Picassos „Guernica“ angelehntes Gemälde mit Soldaten als Schweine nimmt zu Pinochets Putsch Stellung. Es darf auch zynisch sein: „La Banale de Venise“ malte Matta 1955 „nachdem die alten Surrealisten auf der Biennale den Preis für ihr Lebenswerk bekommen haben. Er empfand dies als Anbiederung an das Establishment“, führt Brugger aus.

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Das Gefühl des gelernten Architekten für den Raum lässt sich in einer im Kunstforum nachgestellten Gemäldeinstallation Mattas aus den frühen 70ern bewundern. Zentrale Stellung nimmt ein Triptychon ein, das eine Symbiose aus organischen und technoiden Formen abbildet. Zusätzlich schweben gekippte Gemälde – zum Teil von der Decke hängend – in den Saal, werfen Schatten, spielen mit dem Licht: „Matta gibt damit der Malerei eine neue Dimension“, so Brugger.

Matta bezeichnete seine Bilder auch als „Cosmic Strips“. Autorin Natascha Gangl und das elektronische Musik-Duo Rdeča Raketa haben eine Auswahl an Gemälden zu Kurzhörspielen vertont. Daher heißt es: „Bringen Sie Ihre Kopfhörer ins Ausstellungshaus!“

„Matta“ im Bank Austria Kunstforum Wien, 24.2.-2.7.24, täglich 10.00-19.00 Uhr, feiertags geöffnet, illustrierte Monografie „Matta-log“ in englischer Sprache für 39 Euro, kunstforumwien.at

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