Kunsthalle Wien rückt Brüste in neuer Ausstellung ins Licht

Mehr als 30 künstlerische Positionen kreisen um das Thema Brust © APA/Kunsthalle Wien/Maja Smrekar

Zensierte Berührungen, gemalte Idealbusen oder ein stillender Mann: Die Bedeutung der Brust in Kunst und Gesellschaft steht im Zentrum der Schau „Darker, Lighter, Puffy, Flat“ in der Kunsthalle Wien. „Ganz gleich, welche individuellen Erfahrungen wir mit ihnen machen: Wir alle haben Brüste“, fasste Sabina Sabolović vom Zagreber Leitungskollektiv WHW das Ansinnen der Gruppenschau am Mittwoch bei der Presseführung zusammen. „Also warum reden wir immer noch über Brüste?“

Rund 30 künstlerische Positionen aus unterschiedlichen Generationen beleuchten in der neuen Schau sowohl die kunsthistorische Entwicklung der Brust als auch den gesellschaftlichen Wandel zwischen Zensur und Schönheitswahn. So werden die Besucher bereits im Ziegelfoyer mit einer Arbeit der italienischen Künstlerin Elisa Giardina Papa begrüßt, die mit ihrer minimalistischen „Brush Stroke“-Skulptur, die an den Radiergummi-Modus in Bildbearbeitungsprogrammen erinnert, Bezug auf die allgegenwärtige Bildbearbeitung einerseits und Zensur im Internet andererseits nimmt.

Den „Traum vom Idealbusen“ bannte Maria Lassnig 1996/97 mit ihrem gleichnamigen Werk auf Leinwand, das als Leihgabe der Lassnig Stiftung Teil der Ausstellung ist. Die idealisierten Vorstellungen von Mutterschaft nimmt unterdessen die aus Teheran stammende Künstlerin Tala Madani in ihrer Video-Arbeit „Shit Mom Animation 1“ in den Fokus, in der eine aus Fäkalien animierte Frau lustlos durch eine bürgerliche Villa streift und überall ihre Spuren hinterlässt. Die Zensur im italienischen Kino der 1960 nimmt das Kollektiv Radha May aufs Korn, wenn sie zensierte Liebesszenen in einem Endlos-Loop montieren und die von der Behörde verfassten Szenenbeschreibungen zum Mitnehmen auslegen.

Politisch zu lesen ist die 1981 entstandene Foto-Arbeit des polnischen Künstlers Adam Rzepecki, der ein an einer männlichen Brust saugendes Baby zeigt. Der Künstler habe dabei auch den Begriff der „Matka Polka“ (Mutter Polen) kritisiert, der symbolhaft für eine sich aufopfernde mütterliche Figur steht, deren moralische Stärke „einer größeren Sache zugute kommt“, wie Kuratorin Laura Amann beim Presserundgang erläuterte. Ein alternatives Familienmodell entwirft wiederum die slowenische Künstlerin Maja Smrekar, die eine Fotoserie zeigt, in der sie unter dem Titel „unit: Hybrid Family“ einen Hund stillt.

Die auf den ersten Blick erotischste und auf den zweiten Blick beklemmendste Arbeit kommt von Andrea Éva Győri: Die ungarische Künstlerin filmte sich im Jahr 2018 dabei, wie sie sich aufgrund ihrer Krebserkrankung liebevoll von ihren Brüsten verabschiedet. Die Künstlerin erlag ihrer Krankheit im Jahr 2022.

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„Darker, Lighter, Puffy, Flat“ in der Kunsthalle Wien. 29. November bis 14. April 2024. kunsthallewien.at

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