„Ein guter Soldat des Kinos“

Filmregisseur Werner Herzog feiert heute seinen 80. Geburtstag

Werner Herzog – Regisseur, Produzent, Schauspieler, Synchronsprecher und Autor
Werner Herzog – Regisseur, Produzent, Schauspieler, Synchronsprecher und Autor © AFP/Pizzoli

Menschen, Geschichten und Landschaften der Extreme verfolgt er seit Jahrzehnten — und auch mit 80 Jahren hält Werner Herzog nicht an. „Ich versuche, ein guter Soldat zu bleiben. Ein guter Soldat des Kinos“, sagt der Regisseur im Künstlerporträt „Werner Herzog — Radical Dreamer“, das Ende Oktober in den Kinos anlaufen soll. Heute feiert der Filmemacher seinen runden Geburtstag.

„Mein Leben hat einen Sinn, wenn ich eine Geschichte erzähle, von der ich weiß, dass sie tief in uns schlummert“, resümiert Herzog in der Doku. Und stolz verweist er auf sein unermüdliches Schaffen.

Herzog ist um seinen Geburtstag herum gleich auf zwei Filmfestivals unterwegs. Seine neue Doku „Theater of Thought“ dreht sich um moderne Hirnforschung. Ende August erschienen seine Memoiren „Jeder für sich und Gott gegen alle“.

Einflussreiche Person

Das amerikanische „Time“-Magazin wählte Herzog 2009 unter die 100 einflussreichsten Personen der Welt. Im selben Jahr wurde seine Antarktis-Doku „Encounters at the End of the World“ für einen Oscar nominiert. Von der Antarktis über eine Höhle in Südfrankreich („Die Höhle der vergessenen Träume“) begab sich Herzog für die Kino-Doku „Tod in Texas“ und die TV-Produktion „On Death Row“ in den Todestrakt von US-Gefängnissen, wo Insassen auf ihre Hinrichtung warten. „Das ist Material von einer Intensität, die ich nie bisher bei irgendeinem Film gehabt habe“, so Herzog.

Die Doku „Grizzly Man“ führte ihn zu einem Bärenforscher in Alaska, „In den Tiefen des Infernos“ brachte ihn an den Rand von Vulkanen, in „Fireball: Besuch aus fernen Welten“ beschäftigte er sich mit Meteoriten, in „Gorbatschow – Eine Begegnung“ mit dem früheren sowjetischen Staatsoberhaupt.

Doch er tauscht auch den Platz — vor die Kamera, hatte eine Stimm-Gastrolle bei den „Simpsons“ und spielte in der „Star Wars“-Serie „The Mandalorian“ einen Schurken. Als Bösewicht in „Jack Reacher“ machte er Tom Cruise das Leben schwer.

Der 1942 als Werner Stipetic in München geborene Künstler wuchs in einem bayerischen Dorf an der Grenze zu Österreich auf. Dort hatte die Familie nach Bombenangriffen auf München Schutz gesucht. Der Vater sei kurz nach seiner Geburt verschwunden, erzählt Herzog in „Radical Dreamer“ — und erinnert sich beim Besuch des Dorfes an die ärmlichen Verhältnisse, den ständigen Hunger der Kinder, aber auch an ausgelassene Spiele mit den Brüdern, an Natur und die Freiheit, nach „eigenen Regeln“ zu leben.

Herzog studierte Geschichte und Literatur, das Filmhandwerk brachte er sich selbst bei. Mit knapp 20 Jahren drehte er 1961 seinen ersten Kurzfilm „Herakles“. Bei der Berlinale 1968 holte er mit „Lebenszeichen“ den Silbernen Bären für den besten Erstlingsfilm.

Hassliebe zu Kinski

Mit Kollegen wie Wenders, Fassbinder und Schlöndorff prägt Herzog den Neuen Deutschen Film. Er suchte starke Persönlichkeiten und extreme Geschichten. Mit Klaus Kinski, dem exzentrischen Star gemeinsamer Filme wie „Aguirre, der Zorn Gottes“ und „Fitzcarraldo“, drehte er in den 1970er- und 1980er-Jahren unter gefährlichen Bedingungen im südamerikanischen Dschungel. Das tobsüchtige Schauspielgenie holte er auch für „Nosferatu — Phantom der Nacht“ und „Woyzeck“ vor die Kamera. In der Doku „Mein liebster Feind“ ließ er sich über ihre Hassliebe aus.

Mit seiner dritten Frau Lena lebt der Wahlkalifornier seit den 1990er-Jahren in Los Angeles. Einen ganz besonderen Reiseort hat der ewige Weltenbummler noch vor Augen. „Ich würde gern ins All“, erzählt der dreifache Vater im Doku-Interview. „Ich bin dafür, den Weltraum filmisch zu erforschen.“ Mit extremen Welten kennt er sich schließlich bestens aus.

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