„Musik ist für mich wie eine schützende Haut“

Vielversprechender junger Pianist Alexander Malofeev tritt am 29. November im Brucknerhaus auf

Gilt als eines der ganz, ganz großen Talente: der junge russische Pianist Alexander Malofeev.
Gilt als eines der ganz, ganz großen Talente: der junge russische Pianist Alexander Malofeev. © Xenie Zasetskaya/Presse Kleiner

Am 29. November ist der aufstrebende Stern am Klassikhimmel, der junge Pianist Alexander Malofeev, im Linzer Brucknerhaus zu Gast. Ein Gespräch mit dem 21-jährigen Russen macht neugierig auf sein Konzert, in dem er Werke von Janacek, Weinberg, Chopin und eine Transkription von Strawinskis „Le sacre du printemps“ zu Gehör bringt.

Sympathisch, bescheiden, unprätentiös wirkt er: ein Musiker, der nichts anderes im Sinn hat, als über die Musik mit seinen Zuhörern in einen Dialog zu treten.

VOLKSBLATT: War das Klavier von Beginn an das Instrument Ihrer Wahl?

ALEXANDER MALOFEEV: Wir hatten zuhause ein altes Klavier und meine Mutter wollte mir eine Ausbildung über die schulische hinaus ermöglichen. Sie brachte mich zu einer kleinen Musikschule. Mit meinem Lehrer hatte ich großes Glück. Ich begann, Auftritte zu bekommen, Wettbewerbe zu gewinnen und ging diesen Weg weiter, ohne viel darüber nachzudenken, ob ich wollte oder nicht: Ich musizierte einfach. Alleine mit und am Klavier fühlte und fühle ich mich wohl und — ich übe gerne: als Teenager etwa 15 bis 16 Stunden am Tag — die Programme waren riesig und ich war noch nicht so erfahren im Erarbeiten der Stücke —, jetzt etwa sechs bis sieben Stunden. So war es eigentlich keine bewusste Entscheidung, die mich auf diesen Weg brachte, sondern eine natürliche Entwicklung.

Oberösterreich ist bekannt für sein Musikschulwesen, in dem auch viele junge Klavierschüler ihren Platz gefunden haben. Was würden Sie angehenden Pianisten empfehlen?

Musik kann Gefühle auslösen, die außerhalb des in der realen Welt Erfahrbaren liegen. Wer ins Konzert geht, will das spüren und bewegt werden. Für mich stehen Ehrlichkeit und Authentizität im Vordergrund. Wenn ich ein neues Werk erarbeite, suche ich immer nach Gemeinsamkeiten mit dem Komponisten. Außerdem ist es wichtig, neugierig zu sein, die Welt der Musik zu erforschen, viele verschiedene Stücke kennenzulernen und zu spielen. Um erfolgreich zu sein, braucht es allerdings auch viel Glück!

Sie sind viel unterwegs — wie gehen Sie mit den Schwierigkeiten um, die das Reisen mit sich bringt wie Jetlag, unterschiedliche Konzertsäle, Flügel, Akustik?

All das empfinde ich nicht als Schwierigkeiten. Ich reise gerne, das ist fast ein wenig romantisch für mich. Im Zug oder Flugzeug kann ich mich auch gut erholen. Ein eigenes Instrument, bzw. einen eigenen Klaviertechniker zu haben, wäre schön, aber es gehört zur Routine eines Pianisten, sich an verschiedene Klaviere zu gewöhnen. Die Leute gehen ja nicht ins Konzert, um ein Klavier, sondern um Musik zu hören.

Wie sieht ein „normaler Tag“ im Leben des Alexander Malofeev aus?

(lacht) … ich wache auf und dann übe ich. Normalerweise verbringe ich den Großteil des Tages mit Musik: Wo immer ich hingehe, höre ich Musik über meine Kopfhörer, und wenn ich die herausgebe, dann höre ich mir selber beim Spielen zu! Anstrengenden Freizeitaktivitäten widme ich mich nicht, da meine ganze Energie in Proben und Auftritte fließt.

Haben Sie einen Lieblingskomponisten oder ein Lieblingsstück?

Schon bevor ich mit dem Klavierspiel begann, verbrachte ich viel Zeit mit russischen Komponisten — Rachmaninow und Tschaikowsky waren meine Freunde, mit ihnen wurde ich groß und ich liebe es wirklich, ihre Musik zu spielen! Ich bin auch ein Fan von Mieczyslaw Weinberg — ein großartiger Komponist, viel zu wenig bekannt. Er war sein Leben lang zur falschen Zeit am falschen Ort — gut, dass er jetzt einen Platz in den Konzertprogrammen findet!

Was bedeutet Musik für Sie?

Ein Leben ohne Musik ist für mich undenkbar! Ich bin ziemlich nervös — Musik hilft mir: Sie ist für mich wie eine schützende Haut. Tatsächlich fühle ich mich auf der Bühne am wohlsten. Mit dem Publikum durch mein Klavierspiel zu kommunizieren, gibt mir die Sicherheit, verstanden zu werden. Auch wenn Leute unvorbereitet kommen, freue ich mich — es ist großartig, wenn zwischen den Sätzen geklatscht wird: Das zeigt, dass die Zuhörer mitgerissen sind!

Mit ALEXANDER MALOFEEV sprach Catrin Stepanek

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