Nur schön? Kunst, die aus dem Leben wächst

18 Ausstellende beteiligen sich am Kunstsalon im Linzer Schloss – Ab Freitag bis Sonntag

Freundliche, helle Räume im Linzer Schloss: Die Galerie Schloss Puchheim widmet Florian Nitsch eine Einzelpräsentation.
Freundliche, helle Räume im Linzer Schloss: Die Galerie Schloss Puchheim widmet Florian Nitsch eine Einzelpräsentation. © OÖ LKG, Maritsch

Eine Kunststudentin verschüttete Kaffee und wischte das Lackerl nur notdürftig weg: „Den Rest macht hoffentlich die Putzfrau!“ Solche und andere Alltagserfahrungen spornten die Künstlerin Elke Punkt Fleisch zur Skulpturenserie „Allzweckreinigerinnen“ an.

Das Material Ton und Putzutensilien, die Figuren zwischen 45 und 79 Zentimeter hoch, ästhetisch ansprechend und mit einem gewissen „Witz“. Auch mit einem Denkansporn. Vom niedrigen gesellschaftlichen Stellenwert der Putzfrauen (geschönt: „Reinigungskräfte“) spricht die Künstlerin: „Sie verrichten die Arbeit, die keiner machen will, zu einer Uhrzeit, wo sonst niemand anzutreffen ist.“

Elke Punkt Fleisch, 1980 in Grieskirchen geboren, ist am Stand der Linzer Galerie Hofkabinett vertreten. Hier finden sich auch Arbeiten von Katharina Brandl, die etwa einen Globus aus Hotelseifen formte und flüssige Erde, „Liquid Earth“, nannte. Globalisierung und Nomadentum, die Wohlhabenden – ein Pilot sammelte die Seifen für Brandl – vagabundieren via Hotel.

Oder Werke der im Vorjahr verstorbenen Auguste Kronheim, darunter ein Selbstporträt aus der Zeit eines sechsjährigen Aufenthalts in Nepal. Rätselhaft, mit Zeichen versehen, die erst entschlüsselt werden wollen.

Eingetrocknetes Leben

Geschichten, Geschichten! Erratische Kunst ist Sache der Götzenanbeter, interessante Kunst lebt, birgt abertausende Geschichten. Das Resultat, das „Kunstwerk“, ist oft nur eingetrocknete, geballte, in Form gegossene Lebendigkeit. Die Geschichten erzählbar, erfahrbar, eine ausgezeichnete Gelegenheit bietet sich wieder beim diesjährigen Kunstsalon im Linzer Schloss. Viele Künstler und Künstlerinnen sind anwesend. Die Kunstschaffenden ein meistens freundliches Völkchen, beißen nicht und erklären gerne Hintergründe. Was ist ihre Kunst? Warum?

Versteinerte Bettwäsche

Ab Freitag bis Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr, zeigen 18 oberösterreichische Galerien und Kunstvereine das Schaffen von 64 Künstlern, knapp zwei Drittel davon weiblich. Zu erkunden sind in der Verkaufsausstellung etablierte Klassiker, die Gmundner Galerie 422 wartet u. a. mit Damisch, Attersee, Prachensky und Lena Göbel auf. Die Galerie Schloss Puchheim zeigt in einer Einzelpräsentation Florian Nitsch, die Paschinger Galerie in der Schmiede zeigt u. a. bis zurück in die 1980er Arbeiten von Franz Blaas.

Einen gewissen Kontrapunkt setzt die noch junge Galerie Dumas, die heuer erstmals im Kunstsalon gastiert. Einer der Dumas-Künstler ist Florian Nörl, ein gebürtiger Deutscher, der an der Linzer Kunstuni studiert hat. Nörl besonders am Material interessiert, in einem eigenen Verfahren hat er etwa alte Bettwäsche (!) „versteinert“. Die gestaltete Leinwand vermeintlich hart wie Stein, fühlt sich aber – wenn man denn nur endlich hingreifen dürfte auf die Werke! – an der Oberfläche samtig an. Der intime Ort Bett und Sedimente sprachlich hübsch verknüpft in einem Werktitel: „Sedimental“.

Menschen & Kröten

Ein Rundgang zum ausgiebigen Schmökern, man könnte einer Künstlerin begegnen wie Elisabeth Peterlik. In Ried geboren, schon länger in Puchenau bei Linz lebend, ist Peterlik mit ihren Arbeiten im Rieder 20gerhaus vertreten. Ein absoluter Freigeist, anzutreffen im Schloss mit schwarzer „Trauerhaube“, Abkömmling der traditionellen Goldhaube, sieht Perterlik so gar keine Gräben zwischen Traditionellem und Neuschöpfung. Zu sehen etwa auch eine „Stachelhaube“, Resultat einer belastenden Zeit, als seelische Panzerung auch vonnöten war. Liebenswert, raffiniert Peterniks Tierporträts – wieder mit viel Geschichte im Hintergrund. Drei Kröten hängen übereinander an der Wand, possierliche Tiere und für Peterlik ein Ruhepol zu den Götzen der Gegenwart: Geschwindigkeit, Attraktivität, Flexibilität. Kröten wundersame Wesen, ihre Silhouetten menschenhaft. Eine Kröte, als ob sie eine lange Nase zöge. Peterlik nennt das Bild auch treffend: „Ätsch!“

Von Christian Pichler

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