ORF geht trotz Werbeeinbußen von positivem Ergebnis 2024 aus

Der ORF rechnet trotz Werbeeinbußen mit ausgeglichenem Budget 2024 © APA/THEMENBILD/EVA MANHART

Das Geschäftsjahr 2023 ist noch im Gange, schon beschäftigt den ORF und seine 35 Stiftungsräte die Finanzierung für 2024. Der Finanzplan für das kommende Jahr soll vom ORF-Gremium am Donnerstag in einer Sitzung beschlossen werden. Er sieht ein positives Ergebnis in Höhe von 10,3 Mio. Euro vor Steuern vor. Der neue ORF-Beitrag soll laut Kalkulationen netto rund 683 Mio. Euro in die Kassa spülen. Auch Vorbereitungen auf neue digitale Möglichkeiten beschäftigen die ORF-Räte.

Im Finanzplan, der der APA vorliegt, ist von einem weiteren „herausfordernden Planjahr“ die Rede. Man habe es mit enormen Kostensteigerungen zu tun. Auch sei ein Einbruch am Werbemarkt festzustellen. Der Ausbau im Digitalbereich und zwei Sportgroßproduktionen in Form der Olympischen Sommerspiele und der Herren-Fußball-EM schlagen ebenfalls zu Buche. Dennoch soll am Ende des Jahres ein Plus stehen. Konkret rechnet der ORF mit einem positiven Ergebnis in Höhe von 10,3 Mio. Euro. Nach Abzug des anteiligen Verkaufserlös des Funkhauses Wien, der zur Stärkung der Eigenkapitalquote dienen soll, liegt das Ergebnis vor Steuern noch bei 0,3 Mio. Euro.

Die Gesamterträge sollen 2024 rund 1,08 Milliarden Euro betragen. Der größte Einnahmenbrocken entfällt wie jedes Jahr auf die Gebühren. Mit 1. Jänner 2024 wird auf einen geräteunabhängigen ORF-Beitrag anstatt der gerätegekoppelten GIS umgestellt. Die Prognose ist hier noch nicht ganz sicher. Insgesamt rechnet der ORF aber damit, dass sich der Stand an gemeldeten Haushalten gegenüber 2023 um rund 611.000 Haushalte erhöhen wird, wodurch letztlich auch der ORF-Beitrag von gegenwärtig 18,59 Euro auf 15,30 Euro sinkt. Kalkuliert wird vonseiten des ORF mit Erträgen in Höhe von 722 Millionen Euro aus dem ORF-Beitrag. Netto sollen davon rund 683 Mio. Euro übrig bleiben, weil beispielsweise die Einhebung durch die ORF-Beitrags Service GmbH (OBS) ca. 22 Mio. Euro kosten dürfte. Die Nettokosten des öffentlich-rechtlichen Auftrags beziffert der ORF für 2024 mit ca. 686 Mio. Euro und damit fast zur Gänze durch die Beitragsgelder gedeckt.

Zweiter großer ORF-Einnahmebrocken sind die Werbeerlöse. Diese sollen im Bereich klassischer Werbung für 2024 aber um fast 20 Mio. Euro unter dem Vorjahreswert ausfallen, was speziell auf Einbußen im TV-Werbemarkt zurückzuführen ist. Insgesamt wird mit Werbeerlösen in Höhe von rund 198 Mio. Euro gerechnet. Sonstige Umsatzerlöse wie Lizenzerträge dürften mit rund 130 Mio. Euro weitgehend konstant ausfallen.

Thomas Zach, Leiter des ÖVP-„Freundeskreises“ im ORF-Stiftungsrat, sprach gegenüber der APA von einer „insgesamt sehr herausfordernden wirtschaftlichen Situation“. „Der neue ORF-Beitrag hat nicht dazu geführt, dass im ORF Milch und Honig fließen. Wir haben eine stabilere Einnahmensituation, aber nicht mehr“, sagte Zach. Er plädiert darauf, jeden Euro zweimal umzudrehen und ins Programm zu stecken. Denn: „Gutes Programm ist die Versicherung für Werbeeinnahmen und die Akzeptanz des ORF.“ Mit den Gebührenmitteln gehe auch Verantwortung einher. Nicht nur müsse sparsam und zweckmäßig damit umgegangen werden, auch müsse man alle Zielgruppen bedienen und den hohen Ansprüchen in der Information – Meinungsvielfalt, Objektivität, Äquidistanz – gerecht werden. Zach zeigte sich optimistisch, dass mit dem neu aufgestellten multimedialen Newsroom – für welchen demnächst die neuen Chefredakteure verkündet werden – „eine sehr gute Möglichkeit besteht, diesen Notwendigkeiten Rechnung zu tragen“.

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Sigrid Pilz, die für den Grünen-„Freundeskreis“ im Stiftungsrat spricht, meinte, der Finanzplan für 2024 könne nicht glücklich machen, weil Sparmaßnahmen nötig seien. „Aber die Geschäftsführung macht das Beste aus einer schwierigen Situation“, hielt sie gegenüber der APA fest. Weitere Einbrüche bei den Werbeeinnahmen wären „sehr fatal“. Alles in allem müsse dennoch genügend Geld für Innovation und Personalentwicklung – insbesondere beim Nachwuchs – vorhanden bleiben.

Auch auf das Verfassungsgerichtshof-Erkenntnis zur Zusammensetzung von ORF-Stiftungs- und -Publikumsrat, wonach die Regierung bei der Bestellung zu großes Gewicht habe, kam sie zu sprechen. „Ich bin sehr dafür, dass die Zivilgesellschaft künftig eine wichtigere Rolle als die Politik spielt. Jüngere, interessierte, kompetente Menschen, die die Vielfalt unserer Gesellschaft repräsentieren, sollen als Programmmacherinnen und -macher und als Gremienvertreterinnen und -vertreter für den öffentlich-rechtlichen Auftrag gewonnen werden“, meinte Pilz.

Heinz Lederer, Leiter des SPÖ-„Freundeskreises“ im Stiftungsrat, drängte im Gespräch mit der APA auf eine „rasche, zügige“ Umsetzung des VfGH-Erkenntnisses. Dabei trat er für eine Reduktion bei den Regierungsvertretern ein, womit ein großer Teil der VfGH-Entscheidung umgesetzt wäre. Auch sprach er sich dafür aus, dass künftig wieder geheim im Stiftungsrat abgestimmt werde. Die Wahl des Generaldirektors solle laut Lederer künftig mit Zweidrittelmehrheit statt einfacher Mehrheit und öffentliche Hearings rechtzeitig vor der Bestellung eines ORF-Chefs erfolgen. Prinzipiell zeigte er sich optimistisch, dass die Not am Medienstandort erkannt worden sei. Als Indiz führte er den kürzlichen Beschluss der Qualitätsjournalismusförderung an. „Ich hoffe, dass der gleiche Spirit für ein neues ORF-Gesetz gilt“, so der ORF-Stiftungsrat.

„Gehörigen Verbesserungsbedarf“ ortete Lederer mit Blick darauf, wie die Umstellung von der GIS-Gebühr auf den ORF-Beitrag kommuniziert wird. „Es muss klarer werden, dass man künftig für weniger Geld neue, spannende Produkte bekommt“, sagte er. Letztere müssten aber auch fertig sein. „Wir müssen aus den Startklötzen rauskommen“, drängte Lederer auf Tempo. Dabei tritt er dafür ein, dass sich der ORF stärker als „Anwalt jener, die drohen unter die Räder zu kommen“, Problemen und Sorgen wie den Mietpreisen und der Teuerung annimmt. Vom „Oberlehrer“ aus der Coronazeit müsse sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk verabschieden.

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