Plakatkampagne „Nie wieder ist jetzt!“ gegen Antisemitismus

Künstler wie Obonya und Rabinovici setzen Zeichen gegen Antisemitismus © APA/SONJA HARTER

„Nie wieder ist jetzt!“, heißt es auf einer neuen Plakatkampagne, mit der die Eva Kahan Foundation, die Unternehmerin Sandra Berkson sowie zahlreiche heimische Kulturschaffende nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel „ein Zeichen gegen Antisemitismus“ setzen wollen. Am Freitag wurde das Plakat, das die Gesichter von rund 200 Menschen zeigt, die sich seit dem 7. Oktober in Geiselhaft der Hamas befinden, in Wien präsentiert.

Der 7. Oktober sei eine „Zäsur, der kein Aber folgen darf“, begründete Schauspielerin Katharina Stemberger im Rahmen der Präsentation ihre Unterstützung. „Die Tür zur Hölle wurde mal wieder aufgestoßen, und wir müssen sie so bald wie möglich schließen“, so Stemberger. Der Schriftsteller Doron Rabinovici erinnerte an das Schicksal der zahlreichen verschleppten Kinder, die nach ihrer Freilassung zutiefst traumatisiert seien. „Wir haben noch gar keinen Begriff dafür, was hier geschehen ist“, Wörter wie Pogrom oder Terrorangriff würden zu kurz greifen. „Das war eine genozidale Botschaft“, so Rabinovici. Er unterstütze die Kampagne, in deren Rahmen rund 50 großformatige Plakate im öffentlichen Raum angebracht werden vor allem deshalb, „damit wir nicht alle Geiseln dieser Massenmörder werden“. Er selbst sei von seinen Eltern „so erzogen worden, dass ich mein Jüdisch-Sein nicht verstecken muss“. Umso schlimmer seien die zuletzt verstärkt aufgetretenen antisemitischen Angriffe oder Beschimpfungen gegenüber der jüdischen Bevölkerung in Europa.

Der Komponist Johannes Maria Staud zeigte sich in seinem Statement „vom Relativismus der Linken“ erschrocken. Auch sein Kollege Norbert Sterk kritisierte den Antisemitismus jener, „die sich als die Guten bezeichnen“. Morgana Petrik, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für zeitgenössische Musik, kritisierte das „schallend laute Schweigen vieler Feministinnen weltweit“. Auch der Burgschauspieler Cornelius Obonya, der als Präsident der Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich fungiert, unterstrich: „Nichts – keine politische Situation, keine Debatte rechtfertigt ein Pogrom an jüdischen Staatsbürgern.“ Er rief alle Menschen dazu auf, die Augen offen zu halten und „aufzustehen und den Mund aufzumachen“, wenn man antisemitische Äußerungen oder Handlungen beobachte. „Die Linie zwischen Wörtern und Taten ist fadendünn und darf niemals überschritten werden. Das ist die Aufgabe von uns allen.“

Am Ende der Plakatpräsentation konnten rund 40 auf dem Plakat dargestellte Gesichter von Geiseln mit roten Herzen überklebt werden: Sie wurden in den vergangenen Tagen freigelassen.

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