Pratermuseum lockt mit Wimmelbild zu Watschenmann und Co.

Der Watschenmann hat ein neues Zuhause © APA/HANS KLAUS TECHT

„A Watschn 2,-“, steht auf dem kleinen Schild. Schlagen darf man ihn allerdings nicht mehr, nur bewundern: Der „Watschenmann“ ist eines von 400 Objekten (davon 100 digital) im neuen energieeffizienten Wiener Pratermuseum, das am 15. März seine Tore öffnet. Es sind tatsächlich zwei Eingänge, wie Architekt Michael Wallraff bei einem Presse-Lokalaugenschein betonte. Diese führen in eine „halböffentliche Passage“ mit einem Wimmel-Wandbild, das die Geschichte des Areals erzählt.

Auf dem Panoramagemälde von Olaf Osten erblickt man auf 100 Quadratmetern historische Gebäude wie die Rotunde, klassische Attraktionen wie Hochschau- und Geisterbahn sowie Persönlichkeiten – von Kaiser Franz Jospeh bis zum ehemaligen Bürgermeister Michael Häupl, Bundespräsident Alexander Van der Bellen flaniert mit Hund, während nicht weiter weg Conchita Wurst und Kurt Ostbahn konzertieren und Buffalo Bill, einst in Wien gastierend, hoch im Sattel sitzt. Die bunte Geschichte des Praters lässt sich in den drei darüberliegenden Stockwerken erkunden – hier dann mit Eintrittsgeld.

Viele Objekte aus dem alten, beim Planetarium untergebrachten Museum haben ein neues Zuhause gefunden. „Etwa die Fortuna“, erzählte Kurator Werner Schwarz am Mittwoch im APA-Gespräch. Die vier Meter hohe Ringelspielfigur „wird sich drehen, ist neu eingekleidet und man sieht die Innenkonstruktion“. Dazu kommen neue Gaben von Praterbetrieben, wie Kuratorin Susanne Winkler ergänzte. Man wolle „nicht nur zeigen, sondern nach Themen geordnet erzählen“. Auch kritische Fragen werden abgehandelt, etwa im Zusammenhang mit dem Prater in der NS-Zeit oder den einst menschenunwürdigen Zurschaustellungen und Tierhetzen.

Letztendlich ist der Rundgang hauptsächlich vergnüglich: Da fletscht u.a. der starke Mann (aus Plastik) die Zähne, an dem man einst seine Kräfte messen konnte, ein Plakat kündigt „Das größte Schwein der Welt: Jakob Hans“ an, ein lebensgroßer Bär aus Stoff aus einer Praterschießbude um 1980 hebt die Pranken neben einem historischen Foto von einem Dompteur, der um 1930 mit einem (echten) Braunbären das Publikum zum Staunen brachte. An der Wand hängt ein altes Go-Kart, ein Automat vermittelt Ehen und diverse aus der Zeit gefallene Dioramen lassen schmunzeln. Zum Verweilen laden eine Literatur- und eine Musikstation ein. In einem „Kino“ läuft ein 20-minütiger Film über den Prater.

Die Schau, die einen eigenen Pratermuseumsplatz als eine Adresse bekommt, ist in einem Holzhaus untergebracht, „nur die Feuermauern sind aus Beton“, so Walllraff, der auf die Nachhaltigkeit hinwies. Durch besondere Wand- und Deckenelemente mit Heiz- und Kühlrohren könnten 25 Prozent Energie eingespart werden. Der Architekt verwies außerdem auf einen Balkon im obersten Geschoß: „Beim Betreten blickt man auf die Umgebung, damit wird das Umfeld in die Ausstellung geholt.“

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Drei bis fünf Millionen Leute besuchen jährlich den Prater. Man hofft, nicht zuletzt durch den kostenfreien Durchgang mit Wimmelbild zahlreiche von ihnen auf die Geschichte des Vergnügungsparks neugierig zu machen. Dieser unterste Raum bekommt übrigens eine kleine Bühne und Leinwand und könnte künftig auch für Auftritte und Stummfilmvorführungen dienen, sagte Winkler.

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