Rockband Elder setzt auf „innerliche Transformation“

Nick DiSalvo und seine Bandkollegen veröffentlichen ein neues Album © APA/Stickman Records/Maren Michaelis

Nick DiSalvo hat sich wieder ausgetobt: Mit seiner Band Elder veröffentlicht der in Berlin lebende US-Amerikaner diese Woche das neue Album „Innate Passage“. Es ist der vierte Longplayer seit 2020, den DiSalvo mit einem seiner Projekte veröffentlicht. „Bei mir gibt es Phasen, in denen ich weniger oder mehr kreativ bin“, meinte er im APA-Interview. „Aber ich versuche trotzdem, jede Woche etwas Neues zu schaffen.“

Überspitzt formuliert: Die Unmöglichkeit des Tourneelebens während der Corona-Pandemie hat auch Zeit freigeschaufelt, um an Songs zu tüfteln. Vielen Musikern sei es so ergangen, gab DiSalvo zu bedenken. „Wir haben normalerweise ein ziemlich strenges Tourprogramm, was in den Jahren durchfiel, und ich war einfach viel zu Hause.“ So hat er sich mit seinem Soloprojekt Delving beispielsweise im instrumentalen Psychedelic-Rock ausgetobt. Seine Stammband geht es nun wieder etwas forscher an, inklusive treibendem Drumming und großen Melodien.

Mittlerweile ist man es von Elder ohnehin gewohnt, stetig wandelnde Tracks weit über der Zehn-Minuten-Marke vorgesetzt zu bekommen. „Innate Passage“ geht dabei teils einen Schritt weiter, was Spielfreude und Komplexität betrifft. Eine bewusste Transformation sei das aber nicht. „Selbst wenn wir uns vorschreiben, was wir beim nächsten Album machen, klappt es eh nicht“, so DiSalvo. „Die Musik schreibt sich selbst und entwickelt sich irgendwie organisch, wenn ich sie komponiere.“

Tatsächlich wollte er den Sound eigentlich reduzieren, so der Sänger, Gitarrist und Songschreiber. „Genau das Gegenteil ist passiert. Aber ob nach vorne oder zurück, es gibt immer eine Entwicklung zu hören.“ Wobei sich der Titel des neuen Studioalbums durchaus auf eine „innerliche Transformation und die Konstruktion einer eigenen Realität“ beziehen würde. „Das wurde direkt inspiriert von den surrealen Ereignissen der vergangenen Jahre.“ Für ihn gehe es letztlich „nicht darum, immer mehr und komplizierter zu werden, sondern einfach abenteuerliche Songs zu schreiben, die den Hörer woanders hintransportieren“.

Die Pandemie habe ihn als Person zynischer werden lassen. „Vielleicht auch gleichgültiger“, warf DiSalvo nach. „Wahrscheinlich erlitt jeder von uns irgendwann in der Zeit eine Depression. Die Bedingungen für Underground-Musiker waren schon immer prekär, aber da haben alle gemerkt, wie leicht es ist, eine komplette Branche zum Erliegen zu bringen.“ In dieser Phase sei auch Introspektion ein Thema gewesen, aber: „Hinterfragt haben wir nie, ob Musik der Weg ist. Das bleibt ohne wirtschaftliche Interessen die Leidenschaft, die unser Leben bestimmt.“ Letztlich sei für ihn und seine Kollegen die einzige Herausforderung, „dass wir es uns nie leicht machen und zurück ins Vertraute fallen. Wir wollen nie Ideen recyceln oder halbgare Riffs aufnehmen.“ Insofern müssen sich Elder-Fans auch in Zukunft keine Sorgen machen.

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(Die Fragen stellte Christoph Griessner/APA)

beholdtheelder.com

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