Rückendeckung für Betroffene nach Doku über Machtmissbrauch

Obonya sieht sich und Kollegen gefordert, „den Mund aufzumachen“ © APA/KLAUS TITZER

Namhafte Schauspieler wie Cornelius Obonya und Erwin Steinhauer stärken jenen Schauspielerinnen und Schauspielern den Rücken, die in der NDR-Doku „Gegen das Schweigen“ über Machtmissbrauch und Übergriffe in Theater und Film berichten. In dem Film, der am 11. März im NDR ausgestrahlt wird und bereits online abrufbar ist, werden schwere Vorwürfe gegen die Regisseure Paulus Manker und Julian Pölsler erhoben. Auch Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) meldete sich zu Wort.

„Ich finde es ehrlich gesagt vollkommen unerträglich, dass wir immer wieder mit solchen Geschichten konfrontiert sind, mit Machtmissbrauch, mit sexualisierter Gewalt, mit verbaler Gewalt“, wird Mayer in der „ZiB 2“ zitiert. „Es muss jetzt einmal Schluss sein“, so die Staatssekretärin. Obonya, der gemeinsam mit der Schauspielerin Lisa-Lena Tritscher in einem von Pölsler inszenierten „Altaussee-Krimi“ vor der Kamera stand, sagte gegenüber dem ORF: „Ich hätte härter eingreifen können und härter eingreifen müssen.“ Die Thematisierung von Gewalt und Übergriffen im Rahmen der Doku, für die die beiden NDR-Reporterinnen Zita Zengerling und Kira Gantner mit über 200 Menschen gesprochen haben, ist für Obonya eine „lang überfällige Einladung an uns alle, speziell an die Kollegen, die arrivierter sind, die älter sind, die schon viel mehr Erfahrung haben, einfach den Mund aufzumachen“.

Auch Steinhauer, der mit Pölsler bei den „Polt“-Verfilmungen zusammenarbeitete, sagte gegenüber ORF Topos, dass er Tritscher ermutigt habe, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Die Schauspielerin sei nicht die einzige, von deren Erfahrungen er weiß. Pölsler gehöre „zu jenen Kollegen, die nicht kapiert haben, dass die Arbeitsverhältnisse im Film und am Theater an bestimmte Regeln gebunden sind: an Respekt“, sagte Steinhauer gegenüber der „Kleinen Zeitung“. „Ein großer Teil des Problems in meinen Augen ist, dass es eine Struktur gibt, die das trägt. Dass es Leute gibt, die davon wissen und die, die Hand drüber halten“, kritisierte die Schauspielerin Stefanie Speiser in der „ZiB 2“ etwa Auftraggeber und Produktionsfirmen.

Während der ORF Pölsler seit einigen Jahren nicht mehr beschäftigt, hält „Servus TV“ laut der „Kleinen Zeitung“ an dem Regisseur fest. „Wir gehen mit derartigen Vorwürfen grundsätzlich respektvoll und sorgfältig gegenüber allen Beteiligten um. Wir halten es aber für problematisch, jemanden ohne rechtlich bzw. strafrechtlich relevante Fakten, sondern allein aufgrund der subjektiven Auslegung der Sendungsgestalter – ‚Es bleibt ein Verdacht‘ – öffentlich an den Pranger zu stellen“, hieß es demnach seitens des Senders.

Die Vorwürfe, die zahlreiche Schauspielerinnen und Schauspieler in der NDR-Doku vor der Kamera formuliert haben, wiegen schwer und reichen von Annäherungsversuchen, Übernachtungseinladungen und heiklen Casting-Situationen. Auch Paulus Manker, gegen den ein Schauspieler und eine Schauspielerin aus seiner „Alma“-Produktion Vorwürfe von körperlichen Attacken erheben, gerät durch die Dokumentation erneut in den Fokus. Sowohl Manker als auch Pölser standen dem NDR nicht für Stellungnahmen zur Verfügung und ließen die Vorwürfe über ihre jeweiligen Anwälte zurückweisen. Manker bezeichnete die Vorwürfe gegenüber der „ZiB 2“ als frei erfunden.

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