„Schwanensee“ als Forderung nach einem Wandel

Das Projekt der Kunstuni-Professorin Anna Jermolaewa für die 60. Kunstbiennale in Venedig

Anna Jermolaewa & Oksana Sergeeiva, Rehearsal for Swan Lake
Anna Jermolaewa & Oksana Sergeeiva, Rehearsal for Swan Lake © Anna Jermolaewa

Tschaikowskys „Schwanensee“ als Forderung nach politischem Wandel: Unter dem Titel „Swan Lake“ gestaltet Anna Jermolaewa, Professorin an der Linzer Kunstuni, von 20. April bis zum 26. November den Österreichischen Pavillon bei der Kunstbiennale in Venedig.

Ihre Präsentation von Videos, Installationen, Leuchtobjekten, performativen Elementen und Sound reicht „von der persönlichen Migrationserfahrung bis zu Formen des gewaltlosen Widerstands gegen autoritäre Regime“, heißt es in einer Aussendung.

Basis für die Arbeit in dem von Gabriele Spindler von der OÖ Landes-Kultur GmbH kuratierten Pavillon ist die titelgebende Arbeit „Rehearsal for Swan Lake“, die sich auf Jermolaewas Kindheitserinnerungen an die sowjetische Zensur bezieht: So habe das sowjetische Fernsehen in Zeiten politischer oder sozialer Unruhen manchmal tagelang ununterbrochen Tschaikowskys „Schwanensee“ ausgestrahlt.

Persönliche Erfahrungen

In „Rehearsal for Swan Lake“ probt nun eine Gruppe von Balletttänzerinnen ausgewählte Szenen, wodurch die in Leningrad (UdSSR) geborene und seit 1989 in Wien lebende Jermolaewa das berühmte Ballett „von einem Instrument der Ablenkung und Zensur in ein Instrument verwandelt, das einen politischen Wandel und einen Regimewechsel fordert“.

Für „Rehearsal for Swan Lake“ hat Jermolaewa mit der ukrainischen Balletttänzerin und Choreografin Oksana Serheieva zusammengearbeitet, die in Tscherkassy eine Ballettschule leitete und nach der Invasion Russlands 2022 mit ihrer Familie nach Österreich flüchtete.

Ihr Beitrag fügt sich in das von Kurator Adriano Pedrosa formulierte Generalthema der Kunstbiennale 2024 ein, das mit „Stranieri Ovunque — Foreigners Everywhere“ das Thema der Fremde, der Migration sowie Fragen nationaler Identität und kultureller Diversität in den Mittelpunkt stellt und Künstler fokussiert, die Flucht und Migration aus eigener Erfahrung kennen.

„Als Russland in die Ukraine einmarschierte, fiel es mir schwer, einen Sinn darin zu sehen, Kunst zu machen. Also kehrte ich, so wie viele von uns, zu direkten Aktionen zurück, zum Beispiel, um geflüchteten Ukrainer:innen zu helfen“, wird Jermolaewa zitiert.

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