Son of the Velvet Rat sind „in zwei Welten unterwegs“

Als Son of the Velvet Rat legt Altziebler die Platte „Ghost Ranch“ vor © APA/ROLAND SCHLAGER

Nicht nur der Titel hat eine mystische Anziehungskraft: Mit „Ghost Ranch“ liefert Son of the Velvet Rat, das Projekt von Georg Altziebler und seiner Frau Heike Binder, eine Platte zwischen Americana, Folk und Rock ab, die im besten Sinn aus der Zeit gefallen wirkt. Mit der APA sprach der Sänger und Gitarrist vor der Veröffentlichung am Freitag über das Bandjubiläum, die Kraft der Reduktion sowie die scheinbare Gegensätzlichkeit zwischen Österreich und ihrer Wahlheimat USA.

APA: Son of the Velvet Rat gibt es seit mittlerweile 20 Jahren. Im Vorjahr wurden im Monatsrhythmus Ihre bisherigen Alben und EPs wiederveröffentlicht. Wie war diese geballte Konfrontation mit dem eigenen Werk?

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Georg Altziebler: Man wird sich bewusst, was man bisher gemacht hat und was man nicht noch einmal machen möchte. Das ist eine Art Grundprinzip. Natürlich hört man sich manche Sachen an und denkt sich: Das ist gar nicht so übel. Bei anderen wiederum ist es so, dass man es jetzt wohl ganz anders machen würde. Es ist spannend, sich die alten Sachen wieder mal anzuhören, weil ich das normalerweise nicht tue. Ich denke, keiner tut das.

APA: Wird das Suchen von neuen Aspekten im eigenen Schaffen nach so langer Zeit schwieriger?

Altziebler: Man hat es nicht bewusst als Zielvorgabe vor sich. Aber man bemerkt schon, wenn man sich in ein Fahrwasser begibt, das man bereits befahren hat. Das möchte man natürlich vermeiden. Aber je mehr Songs man schreibt, desto größer wird diese Gefahr. Darum dauert es für mein Gefühl auch immer länger, Songs zu schreiben. Weil man sich nicht einmal in Akkordfolgen oder anderen Details wiederholen möchte.

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APA: Viele der neuen Songs haben Sie Anfang 2022 in sehr reduzierter Form bei einem Auftritt in Joshua Tree erstmals gespielt: zwei Stimmen, eine Gitarre. Stand zu diesem Zeitpunkt das Album gedanklich schon?

Altziebler: Das war sozusagen ein Starting Point. Wenn die Songs in diesem reduzierten Arrangement funktionieren, dann kann man sie sich auch im Bandkontext vorstellen. Meistens ist es so, dass ein Song ein Problem hat, wenn er so nicht funktioniert. Das ist jedenfalls meine Herangehensweise. Das eine oder andere Stück ist später noch dazugekommen. Es war mir aber klar, dass da der Kern eines Albums vorhanden ist.

APA: Was war für Sie diesmal der Ausgangspunkt im Songwriting?

Altziebler: Wir haben ja einen sehr unüblichen Lebenswandel, leben die eine Hälfte des Jahres in den USA und die andere Hälfte in Österreich. Eine gewisse Rolle hat gespielt, dass wir sozusagen in zwei Welten unterwegs sind und bewusst oder unbewusst Einflüsse daraus aufnehmen. Ich habe den Eindruck, dass sich dieser unstete Lebenswandel auf der neuen Platte ziemlich abzeichnet.

APA: Motive, denen man begegnet, sind sicherlich das Unterwegssein oder das Beschreiben von Orten und Stimmungen, wobei gleichzeitig die Interpretation ganz bei den Hörern liegt…

Altziebler: Wenn die Songs offen sind, dann kann sie jeder für sich nutzbar machen. Das ist mir schon sehr wichtig. Ich will keine Geschichten erzählen mit einer Storyline, das interessiert mich nicht. Ich möchte, dass die Songs eine poetische Ebene sind, die jeder für sich bevölkern kann oder auch leer lassen kann – aber jeder das damit machen darf, was ihn interessiert und wobei er sich angesprochen fühlt.

APA: Gegensätzlichkeiten spielen in der Musik immer wieder eine Rolle. In „Rosary“ nutzen Sie dafür etwa den Schießplatz und den Rosenkranz als Sprachbilder. Welcher Effekt lässt sich dadurch erzielen?

Altziebler: Auf jeden Fall sind gegensätzliche Begriffspaare inspirierend. In dem Fall ist es so, dass diese amerikanische Bigotterie und Heuchelei eine Rolle spielt. Die haben alle ihre Kanone im Handschuhfach und hinten einen Sticker mit „Jesus Superstar“ drauf. Wobei: Vielleicht ist es gar keine Heuchelei? Vielleicht würde das Jesus approven (lacht). Auf jeden Fall ist diese Waffenfaszination und gleichzeitig dieses klerikale Faszinosum, das sich bei den evangelikalen Christen findet, sehr extrem. Das ist ein strenger Gott, der verzeiht nicht so leicht wie hier in der katholischen Kirche.

APA: Funktionieren Sie als Mensch in den USA anders, passiert da eine Transformation hinsichtlich der gesellschaftlichen Gegebenheiten?

Altziebler: Nur zu einem kleinen Grad. Wir bewegen uns dort ja in einer Art Blase von eher ähnlich gesinnten Menschen. Wobei wir natürlich den Trump-Anhängerteil auch mitbekommen.

APA: Birgt der Wechsel zwischen den USA und Österreich nach wie vor viel Faszinierendes für Ihre Musik?

Altziebler: Eigentlich glaube ich, dass die Geografie keine große Rolle spielt. Die Menschen haben da wie dort dieselben Ängste und Vorlieben. Die Sprache ist eine andere und der große kulturelle Background auch. Aber die Menschen sind ähnlich gelagert. Darum geht es eigentlich.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

Livetermine von Son of the Velvet Rat: 21.3. Rockhouse Salzburg, 22.3. Hofküche Wördern, 5.4. KIK Ried, 12.4. Kammerlichtspiele Klagenfurt, 20.4. Kino Ebensee, 26.4. Porgy & Bess Wien, 27.4. PPC Graz, 23.5. Kulturkeller Straden, 24.5. Kunsthaus Öblarn, 7.6. Csello – Cselley Mühle Oslip, 8.6. Strandgut Linz, 28.6. Spielboden Dornbirn, 29.6. Komma Wörgl; sonofthevelvetrat.com

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