Sophia Blendas Debütalbum über „Ängste und Schwesternschaft“

Sophia Blenda liefert ein ernstes Solodebüt ab © APA/HELMUT FOHRINGER

Es sind nicht unbedingt sonnige Sounds, die uns Sophia Blenda serviert. Und doch ist ihr Debüt „Die neue Heiterkeit“ wohl eines der sehnlichst erwarteten Alben in diesem Sommer. Die Sängerin, Gitarristin und Keyboarderin der Wiener Rockband Culk entführt uns auf ihrem ersten Soloausflug in verträumte Sphären und dunkle Ecken. Inhaltlich drehen sich die Stücke um „Ängste, was es bedeutet Frau zu sein und Schwesternschaft“, verriet die Musikerin im APA-Interview.

Dieser „rote Faden“ habe sich sukzessive zu erkennen gegeben, je mehr Songs entstanden sind. Und das war zwar nicht dem Zufall geschuldet, aber zunächst doch eher nebenher, denn wirklich bewusster Schritt. „Wir waren mit Culk im Studio für das zweite Album, und ich wollte einfach nicht, dass dieser Prozess aufhört“, erinnerte sich Blenda. Zu jener Zeit stieß sie auch auf die Musikerin Aldous Harding. „Ihre Haltung und ihre Musik haben mich voll gefesselt und inspiriert.“ Die folgenden Tage habe sie viel geschrieben und gemerkt: „Das ist jetzt für mich.“

Herausgekommen sind Stücke, die sich vorsichtig entfalten, vielfach von dichten Synthieklängen zehren und feine melodische Ausbrüche mit kantigeren, brüchigen Sounds konterkarieren. Stets ist da ein Knirschen oder Knacksen als Irritationsmoment präsent. „Ich habe zunächst einfach begonnen, mit Garageband Sachen auszuprobieren. Dabei dachte ich noch gar nicht daran, dass daraus ein Album wird und ich es auch selbst produzieren werde“, rekapitulierte Blenda. „Weil ich also so komplett frei reingegangen bin, habe ich sehr intuitiv Dinge ausprobiert.“

Folglich sei auch der geräuschhafte Charakter eher Zufallsprodukt. Und dann auch wieder nicht, stammt doch beispielsweise das Schaben und Kratzen am Anfang von „Hysteria“ von ihrem Schnee schaufelnden Vater, lachte die Sängerin. „Ich war damals mit Jakob (Herber, Koproduzent, Anm.) im Keller meines Elternhauses, wo wir Sachen aufgenommen haben – eben auch meinen Papa, der draußen Schnee geschaufelt hat. Das ist nun genau so auf der Platte. Mein Papa findet das urlustig“, schmunzelte Blenda. „Manche meiner ‚künstlerischen‘ Ideen findet er, glaube ich, oft sehr lustig – im positiven Sinn.“

Alles andere als alltäglich sind auch die Texte auf „Die neue Heiterkeit“. Blendas Lyrik lässt zwar viel Spielraum für eigene Interpretationen, ist dabei aber relativ klar, was die grundsätzliche Stoßrichtung anbelangt. In „Fear is an empty space“ werden Zukunftsängste der jungen Generation verhandelt, „BH“ erzählt von der Entmächtigung von Frauen durch gesellschaftliche Zwänge, und sei es „nur“ ein Kleidungsstück, während bei „Fun“ Spaß und Traurigkeit durch die Discos ziehen. Stets ist da ein doppelter Boden, eine weitere Bedeutung ihrer behutsam gewählten Worte gegenwärtig, was sich erst beim mehrmaligen Hören herauskristallisiert.

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Der Schreibprozess gleicht bei Blenda einem Puzzlespiel. „Meist habe ich ein Thema, über das ich ein Lied machen will. Dann habe ich das Tage, Wochen oder wie lange auch immer im Hinterkopf und sammle Phrasen, Worte und so weiter.“ Am Ende füge sich dann „aus diesem Sammelsurium“ der fertige Text. Und wenn ein Gedanke einmal nicht ganz ihren Vorstellungen entspricht, „schreibe ich ihn ganz unleserlich in mein Buch“, lachte Blenda. „Dann kann ich es nur lesen, wenn ich es wirklich wissen will.“

Mit dem Titel „Die neue Heiterkeit“ habe sie einen Begriff gewählt, „der sich an die Zukunft richtet, aber gleichzeitig auch an die Vergangenheit“. Ihre Generation fühle sich oft erschlagen von den Zukunftsängsten, aber genau deshalb brauche es auch einen Umgang damit. „Man muss ja mit diesen Ängsten leben lernen“, nickte Blenda. „Ängste sind immer auch eine Entscheidung. Dann sind aber auch die Heiterkeit oder das Glück eine Selbstverantwortung, die man nehmen muss. Vielleicht ist es nicht die Leichtigkeit, die man sich wünschen würde, aber eine Adaption von Glücklichsein.“

Mit der Vergangenheit abschließen, auch diesen Effekt habe das Album für sie. „Man kann sich ja entscheiden, etwas hinter sich zu lassen und neu anzufangen. Wenn man loslassen will, ist es auch gut und heilend, wenn man es so objektivieren kann, dass es nicht mehr Teil von einem ist. Und auch das ist dieses Album“, betonte die Musikerin. Dazu passt Letztenendes wohl auch der Künstlername, heißt sie doch bürgerlich Sophie Löw. „Der Name ist schon eine Schutzwand. Ich kann in der Musik ja auch Aspekte und Seiten von mir ausleben, was ich im Alltag vielleicht nicht tun würde. Deshalb würde es sich gar nicht authentisch anfühlen, meinen privaten Namen zu verwenden.“

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

sophiablenda.com

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