Stermann möchte mit Soloprogramm um „Einzelgrab kämpfen“

Dirk Stermanns neues Programm soll lustig und tragisch zugleich sein © APA/ROLAND SCHLAGER

Dirk Stermann begibt sich mit seinem neuen Kabarett „Zusammenbraut“ erstmals auf Solomission. Anstatt in üblicher Formation mit Christoph Grissemann, mit dem er wöchentlich die Talksendung „Willkommen Österreich“ moderiert, wird er bei der Premiere am Mittwoch (12. Oktober) alleine auf der Bühne des Wiener Rabenhof Theaters stehen. Wie schon im heuer erschienenen Roman „Maksym“ stehen Vaterqualitäten im Zentrum – diesmal vor der Kulisse der Hochzeit seiner Tochter.

APA: Was kann man vom neuen Programm „Zusammenbraut“ erwarten?

Dirk Stermann: Der Wunsch ist, dass es ein lustiges Programm ist, obwohl es sehr tragisch ist.

APA: In Ihrem Roman „Maksym“ geht es ebenfalls um einen Dirk Stermann. Sind Dirk Stermann im Buch und Dirk Stermann im Kabarett die gleiche Person?

Stermann: Dirk Stermann im Kabarett ist eine härtere Version von Dirk Stermann im Buch, aber das Buch und das Programm sind verwandt. Im Buch geht es um den kleinen Sohn, auf der Bühne geht es um die große Tochter und die eigene Abrechnung mit der Vaterrolle. Aber als Fiktion. Ich bin natürlich ein wahnsinnig guter Vater gewesen, der Dirk Stermann auf der Bühne eher nicht.

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APA: Was für ein Typ Vater war er?

Stermann: Er war ein sehr ich-bezogener, eitler Vater. Viel unsympathischer als ich in echt, weil ich persönlich ein wahnsinnig sympathischer Mensch bin (lacht). Der Mann auf der Bühne ist etwas verzweifelt, ein bisschen was schnallt er schon. An dem Abend wird klar, warum er zwar eine Hochzeitsansprache hält, aber zur Hochzeit gar nicht eingeladen ist.

APA: Sie stellen sich im Buch wie im Kabarett also mit negativen Seiten dar. Wieso haben Sie sich dazu entschieden?

Stermann: Ich habe immer darunter gelitten, dass sich Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, sehr gut darstellen. Diese Menschen betreiben eine Art Photoshop ihres eigenen Lebens. Mich haben immer jene interessiert, die sich selbst schlecht darstellen, vielleicht sogar schlechter, als sie eigentlich sind. Schon, als wir beim Radio, bei Ö3 begonnen haben, haben dort alle immer so getan, als wären sie happy peppy coole Säcke. Wir haben immer gesagt, wir sind alt, grauslich, reich – uns unangenehme Eigenschaften zuzuordnen, fand ich interessanter.

APA: Ist es Ihnen jetzt ein Anliegen, die Vaterrolle zu thematisieren?

Stermann: Das Buch ist schon ein bisschen eine Werbebroschüre für die Vaterschaft. Auf der Bühne wirkt es nicht, als wäre es cool, Vater zu sein. Als Mensch bin ich immer ein Fan davon, Kinder zu haben.

APA: Waren Sie selbst ein moderner Vater?

Stermann: Das kann eigentlich nicht sein. Mein Vater war kein moderner Vater; ich wüsste nicht, wo ich das her hätte. Für mich ist es aber keine Überlegung, Zeit mit dem Kind zu verbringen, sondern ein Instinkt. Mein Vater hatte diesen Instinkt nicht. Ich hatte kein modernes Männerbild, musste aber kochen lernen und finde es gut, dass ich es kann. Mein Vater konnte nur Spiegeleier machen. Sehr schlecht und immer angebrannt.

APA: Im vor dem Ukraine-Krieg entstandenen „Maksym“ geht es um einen grobschlächtigen ukrainischen Babysitter. Darf man Ukrainer heute noch stereotyp darstellen?

Stermann: Ja, darf man. Mein Eindruck von ihm ist ein Klischee-Eindruck. Der Klischee-Eindruck der Ukrainer war vor dem Krieg jener eines stiernackigen Osteuropäers. Im Buch geht es eigentlich darum: Don’t judge a book by its cover. Bei Maksym ist es auch so – er ist so, wie er aussieht, aber auch anders. Gleichzeitig hat er eine Art toxische Männlichkeit, die man heute nicht mehr hat, die ich auch nicht habe. Irgendwie hat es aber auch einen Reiz, ein anderes Männerbild zu transportieren: Dass einer klar ist, entscheidet und eine Axt in die Hand nimmt.

APA: Wieso haben Sie sich dafür entscheiden, ohne Christoph Grissemann Kabarett zu spielen?

Stermann: Weil man dann das Doppelte verdient. Nein (lacht). Weil es jetzt an der Zeit ist, alleine etwas auf der Bühne zu machen. Es ist nicht ganz klar für mich – und das ist auch ein Reiz -, ob ich das gut finde oder nicht. Es kann sein, dass ich die ganze Zeit jemanden vermisse. Es kann aber auch sein, dass ich es total gut finde, weil ich nicht ständig unterbrochen werde.

APA: Haben Sie das Bedürfnis, sich von der Marke „Stermann & Grissemann“ abzuheben?

Stermann: Wenn man anfängt, hat man keinen Zeitbegriff und denkt, man ist eh jung. Irgendwann merkt man aber, dass das Leben rast, und unter Umständen landen wir in einem Doppelgrab. Ich habe das Gefühl, dass ich um mein Einzelgrab kämpfen möchte.

APA: Wie ist das Verhältnis zwischen Ihnen beiden?

Stermann: Gut. Ich schätze ihn sehr und er ist jemand, der mich überraschen kann – auf der Bühne wie im Fernsehen, in jede Richtung.

APA: „Willkommen Österreich“ läuft seit 15 Jahren. Erleben Sie in der Sendung noch Neues?

Stermann: Tatsächlich ist es immer neu. Woche für Woche für Woche eine Premiere, weil du nie weißt, was passiert. Das Gute an der Sendung ist, dass immer Dinge geschehen können, die uns alle überraschen. Es ist psychisch anspruchsvoll, weil irgendwie auch der Wunsch da ist, dass etwas passiert. Ich bin danach immer ziemlich erschöpft. Ich komme dann nach Hause, als hätte ich acht Stunden gearbeitet oder eine Woche.

APA: Gibt es vor einem neuen Programm noch Nervosität bei Ihnen?

Stermann: Ja, die gibt es. Ich stelle die Behauptung auf, dass das Programm lustig und interessant ist, dass man dafür Geld ausgeben soll. Diese Behauptung ist mir immer auch ein bisschen peinlich. Erst, wenn ich es ein paar Mal gemacht habe und merke, die Leute mögen das, werde ich entspannt und es fängt an, Spaß zu machen. Ich bin nicht eitel genug, um zu behaupten, dass alles, was ich mache, super ist. Ich muss mich selbst erst einmal davon überzeugen.

(Das Gespräch führte Ines Garherr/APA)

(ZUR PERSON: Dirk Stermann wurde 1965 in Duisburg geboren und lebt seit 1987 in Wien. Seit 1988 ist er für den ORF tätig. Mit Christoph Grissemann bildet er das Satiriker-Duo „Stermann & Grissemann“, gemeinsam moderieren sie seit 2007 die Talkshow „Willkommen Österreich“. 2010 veröffentlichte Stermann seinen ersten Roman „Sechs Österreicher unter den ersten fünf“, in diesem Jahr erschien „Maksym“.)

Premiere von Dirk Stermanns „Zusammenbraut“ am 12. Oktober im Wiener Rabenhof Theater, rabenhoftheater.com

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