Über den Tod und über die Vergänglichkeit in Hallstatt

Kirchliches Ausstellungsprojekt im Rahmen der Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024

Haruko Maedas Werke sind bis Karfreitag in der Pfarrkirche Hallstatt, in der Gruftkapelle und, wie hier zu sehen, im Beinhaus zu erleben.
Haruko Maedas Werke sind bis Karfreitag in der Pfarrkirche Hallstatt, in der Gruftkapelle und, wie hier zu sehen, im Beinhaus zu erleben. © Reinhard Hörmandinger

Tod und Vergänglichkeit aus verschiedenen kulturellen Perspektiven stehen im Zentrum der Werke der japanischen Künstlerin Haruko Maeda. Mit ihnen wurde am Sonntag (18. Februar) die Ausstellungsreihe „Über die Schwelle“ in Hallstatt eröffnet.

Werke in der Kirche, im Gebeinhaus und der Gruft

Die Arbeiten der in Linz lebenden japanischen Künstlerin Haruko Maeda in Pfarrkirche, Gebeinhaus und Gruft in Hallstatt bilden den Auftakt zur Ausstellungsreihe „Über die Schwelle“, die bis in den Herbst hinein zu sehen sein wird. Zwölf Künstlerinnen und Künstler setzen sich dabei aus heutiger Perspektive mit Tod und Vergänglichkeit, mit dem Davor und dem Danach auseinander.

Ein Gottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer am Sonntag eröffnete den ersten Teil des Projekts, der nun bis Karfreitag, 29. März, in der Pfarrkirche Hallstatt zu sehen ist. Die Musik für diesen besonderen Anlass gestalteten Peter Wesenauer und Susanne Hehenberger.

„Da wird dem Menschen buchstäblich alles aus der Hand genommen“

Bischof Manfred Scheuer unterschied in Anlehnung an Vladimir Jankélévitch drei Perspektiven auf den Tod, die von der ersten, zweiten und dritten Person entfaltet werden. Der Tod in der dritten Person sei der anonyme, abstrakte Tod, dargestellt in Zahlen und Statistiken, der nicht besonders nahe gehe. Der Tod in der zweiten Person betreffe das Ableben von nahestehenden Menschen, mit denen man einen Teil des Lebensweges gegangen sei. Dieser Tod erschüttere auch die eigene Existenz.

Der eigene Tod schließlich „betrifft die erste Person; er betrifft unmittelbar, er verängstigt, denn wer stirbt, stirbt allein, macht den einsamen Schritt allein, den niemand für uns machen kann und den jeder für sich allein vollziehen muss“, so der Bischof. „Das Sterben und der Tod bündeln die Armut des Lebens. Da wird dem Menschen buchstäblich alles aus der Hand genommen.“

Ehrung zweier langjähriger Mitarbeiter

Beim Gottesdienst wurden auch zwei langjährige Mitarbeiter der Pfarre Hallstatt von Bischof Manfred Scheuer persönlich geehrt: Irene und Karl Gruber kümmern sich seit Jahren um die barocke Kalvarienbergkirche am Ortsende von Hallstatt, die unter Denkmalschutz steht und zum UNESCO-Welterbe gehört.

Traditionell Japanisches trifft auf europäische Bildsprache

Im Anschluss an den Gottesdienst führte Martina Gelsinger, Kunsthistorikerin und Referentin für Kunst und Kultur der Diözese Linz, in die Werke Haruko Maedas ein. Sie hat gemeinsam mit Anja Ellenberger die Ausstellung kuratiert. „Traditionelle japanische Umgangsweisen mit Verlust und Trauer treffen in diesem Projekt auf eine besondere Form klassisch europäischer Bildsprachen, die auf die Künstlerin eine große Faszination ausüben. Knochen, Keramik, Korallen oder Textilien werden ebenso in künstlerische Objekte verwandelt wie präparierte Tierkörper. Sie spielen auf vielschichtige Weise auf die in der katholischen Kirche über Jahrhunderte tradierten Rituale und Bedeutungsaufladungen, wie jene der Verehrung von Reliquien, an“, erklärte Gelsinger. Dem stelle Haruko Maeda einen sehr persönlichen Blick der Trauerverarbeitung gegenüber.

Der Reiz der Bilder und Objekte entstehe laut Gelsinger „in der Dissonanz von Schönheit und Schmerz, der Gegenüberstellung der voneinander so verschiedenen tradierten Vorstellungen vom Umgang mit dem Tod in europäischen und japanischen Trauerkulturen. Was beide verbindet, ist letztlich die Frage danach, wie sich dem Schmerz des Verlustes eine Form und die Möglichkeit eines Neubeginns geben lässt“, würdigte Gelsinger Haruko Maedas Werke.

Kirchliche Projekte im Kulturhauptstadtjahr

Beginnend mit der Fastenzeit 2024 werden über das ganze Jahr verteilt zwölf Künstlerinnen und Künstler mit ortspezifischen Interventionen und künstlerischen Arbeiten neue Perspektiven rund um Vergänglichkeit, Tod, Werden und Vergehen sichtbar machen. Der zweite Teil wird am 2. Juni mit Werken von Aldo Giannotti, Markus Hofer, Jochen Höller, Klara Kohler, Rosmarie Lukasser, Roman Pfeffer, Franz Riedl, Six/Petritsch, Wendelin Pressl, Betty Wimmer präsentiert.

Insgesamt finden im Rahmen von Salzkammergut 2024 30 kirchliche Projekte und Initiativen statt, die in Pfarren verortet sind und teils über Länder- und Diözesangrenzen hinweggehen, also das oberösterreichische und steirische Salzkammergut umfassen.

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