VALIE EXPORT erhält hoch dotierten Max-Beckmann-Preis

Die österreichische Künstlerin VALIE EXPORT (81) erhält den mit 50.000 Euro dotierten Max-Beckmann-Preis 2022 der Stadt Frankfurt. Das entschied am Mittwoch ein Kuratorium unter Vorsitz der Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig. VALIE EXPORT gelte heute „als Ikone feministischer Kunst und hat Generationen von Nachfolgerinnen geprägt“, so Hartwig. Die Verleihung erfolgt anlässlich des Geburtstags von Max Beckmann am 12. Februar 2022.

„Ihr Werk beruht auf genauer Beobachtung und Analyse von gesellschaftlichen, medialen und geschlechtsspezifischen Konstruktionen und hat bis heute nichts an seiner Aktualität eingebüßt“, führte Hartwig in einer Presseinformation der Stadt Frankfurt aus. In der Begründung der Jury heißt es: „Sie ist eine Pionierin der Medien- und Aktionskunst, des experimentellen Films und eines künstlerischen Feminismus, der seit den 1960er Jahren die vorherrschende Wahrnehmung des weiblichen Körpers in einer patriarchalischen Gesellschaft radikal dekonstruiert hat.“ Sie habe sich „schon früh mit Themen wie Geschlechterrollen, Zuschreibungen von Identität und der Befreiung aus Konventionen beschäftigt. Dabei hat sie Grenzen zwischen Kunsträumen und Alltagswirklichkeit, Abbild und Realität, Theorie und Praxis überschritten, ist ein hohes persönliches Wagnis eingegangen und ebnete den Weg für zahlreiche Künstlerinnen, die eine entschieden weibliche Perspektive einnehmen.“

1940 in Linz als Waltraud Lehner geboren, wuchs VALIE EXPORT in einem Lehrer-Haushalt auf. Als die in einer Klosterschule erzogene junge Frau mit 18 ein Kind bekam, heiratete sie. Doch schon bald brach sie mit ihrer bürgerlichen Existenz. Nach Besuch der Kunstgewerbeschule in Linz zog sie 1960 nach Wien, studierte Textildesign, fand Anschluss an die Künstlerkreise rund um die Wiener Gruppe, Art Club und „Strohkoffer“ und erfand 1966 ihren Namen als künstlerisches Konzept in Versalien. Im Umfeld des Wiener Aktionismus, dessen Frauenbild sie jedoch ablehnte, sorgte sie mit Körperaktionen und Expanded Cinema-Aktionen wie ihrem um die Brust geschnallten „Tapp-und Tastkino“ (1968) oder der im Schritt offenen „Aktionshose: Genitalpanik“ auch auf den Chronik-Seiten für Schlagzeilen. Ihre Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Stellung der Frau, ihre Experimente mit neuen Medien und damit einher gehenden veränderten Wahrnehmungen machte VALIE EXPORT zu einer internationalen Pionierin der Medienkunst und der feministischen Kunst.

Sie nahm an internationalen Ausstellungen u.a. im Pariser Centre Pompidou, bei der documenta und im New Yorker MoMA ebenso teil wie an internationalen Filmfestivals. 1980 war sie mit Maria Lassnig offizielle Vertreterin Österreichs auf der Biennale in Venedig, 2009 Kommissärin. Neben ihren künstlerischen Aktionen und Werken war VALIE EXPORT stets auch in der Theorie und in der Ausbildung tätig. Von 1991 bis 1995 war VALIE EXPORT Professorin für Gestalten mit technischen Bildmedien, 1994/95 auch Vizepräsidentin der Hochschule der Künste Berlin. Von 1995 bis 2005 lehrte sie als Professorin für Multimedia-Performance in Köln. Sie lebt heute in Wien. 2015 erwarb die Stadt Linz ihren gesamten Vorlass und eröffnete in der Tabakfabrik Linz das VALIE EXPORT Center. Ihr gesamtes filmisches Werk hat sie 2020 dem Österreichischen Filmmuseum in Wien zugesprochen.

Mit dem alle drei Jahre vergebenen Max-Beckmannn-Preis ehrt die Stadt Frankfurt hervorragende Leistungen in den Bereichen Malerei, Grafik, Bildhauerei und Architektur. Nach Maria Lassnig, Barbara Klemm, Agnès Varda und Cindy Sherman ist VALIE EXPORT die fünfte weibliche Preisträgerin der seit 1978 insgesamt fünfzehn Mal vergebenen Auszeichnung.

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