Vom Entwurf zum Monument: Fischer von Erlach im Wien Museum

Gegenüberstellung von Zeichnungen, Gemälden, Fotografien und Skulpturen © APA/Wien Museum/Werner Feiersinger

Es ist das „Spannungsverhältnis zwischen Abstraktion im Geometrischen und einer Konkretisierung in der Skulptur“, die das im Dezember wiedereröffnete Wien Museum mit seiner Fischer von Erlach gewidmeten ersten Sonderausstellung in den Fokus rückt: In direkter Nachbarschaft zur vom Künstler geplanten Karlskirche kann man sich nun auf 1200 Quadratmetern dem Schaffen des Bildhauers und Architekten von seinen Anfängen in Rom bis zu großen Aufträgen in Wien und Salzburg nähern.

Für die Schau, die auch überraschende Einblicke in das vielfältige Werk Fischer von Erlachs (1656-1723) gibt, kooperierten Kurator Andreas Nierhaus und der künstlerische Gestalter Werner Feiersinger mit dem Salzburg Museum, wo die Ausstellung – freilich in kleinerem Umfang – zuvor gezeigt wurde. Entstanden ist eine detailreiche Sammlung an Einblicken in Fischer von Erlachs Arbeits- und Denkweisen.

„Fischer von Erlach hat den Barock in Wien, Österreich und Mitteleuropa geprägt wie kein Zweiter“, so der Kurator in der Pressekonferenz am Mittwoch. Geschätzt wurde und wird der Architekt jedoch nicht nur für die Wiener Karlskirche, welche sich von der Terrasse des Wien Museums aus mit verändertem Blickwinkel betrachten lässt: Fischers 1721 erschienener „Entwurff Einer Historischen Architectur“, der erste Versuch, die Weltgeschichte der Baukunst in einer Sammlung von Bildern zu vereinen, verhalf ihm zu Bekanntheit in Europa. Die gezeigten Kupferstiche reichen dabei etwa von antiken Stätten wie etwa dem Aquädukt von Karthago bis hin zu eigenen Bauten Fischers. Nierhaus bezeichnete das Buch, das der Ausstellung auch ihren Untertitel verleiht, als „nicht wertende Darstellung“, die „universalistisch gedacht“ ist.

Die Räumlichkeiten des Dachgeschosses betretend, begegnet man sogleich dem ersten Blickfang: Ein Modell der Dreifaltigkeitskirche und des Priesterhauses in Salzburg (1694-1702) hebt hervor, dass sich Fischer von Erlachs in Rom gesammelte Eindrücke – denen ein eigenes Ausstellungskapitel gewidmet ist – als prägend für sein Werk erwiesen. Die Kirche erinnere, wie es im Ausstellungstext heißt, an Sant’Agnese in Agone. Im 17. Jahrhundert galt Rom als das Zentrum für Kunst, dies spiegelt eine Vielzahl der ausgestellten Objekte wider.

Folgt man der vorgesehenen – lose chronologischen – Dramaturgie der Ausstellung, stößt man in weiterer Folge auf den „Codex Montenuovo“, eine Sammlung von Skizzen wie Entwürfen zu Gartenpalästen und Landgebäuden, die Fischer von Erlach für den Wiener Adel entwarf. An dieser Stelle wird die taktile Wahrnehmung geweckt, blättern im Buch ist erlaubt. Auch hier finden sich Feiersingers großformatige Fotografien, die verdeutlichen, wie präzise Fischers Pläne umgesetzt und wie originalgetreu die Gebäude bis heute erhalten geblieben sind.

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Zahlreiche Ausstellungsobjekte heben auch die Bedeutung des Ovals für Fischer von Erlach hervor. So beschrieb Kurator Nierhaus das Motiv als Himmel und Erde verbindendes Element. Sein häufiger Gebrauch offenbart sich anhand einer Vielzahl von Grundrissen, darunter das Schloss Schönbrunn, das Belvedere Liechtenstein und das Gartenpalais Schwarzenberg in Wien, denen Feiersinger die Fläche einer gesamten Wand widmete. Ihre Gegenüberstellung mit den eigens für die Schau angefertigten Architektur-Fotografien komplettiert die zweidimensionalen Eindrücke.

Ab morgen ist die Ausstellung zugänglich. Die letzte große Erlach-Schau, die sich dessen Gesamtwerk umfänglich widmete, habe in Wien 1957 stattgefunden, so Nierhaus in der Pressekonferenz. „Eigenartig, wenn wir daran denken, dass er in den 1970er-Jahren als der bedeutendste Künstler Österreichs gehandelt wurde.“

„Fischer von Erlach“ von 1. Februar bis 28. April im Wien Museum, Karlsplatz 8, 1040 Wien. Di-Fr von 9-18 Uhr, Sa-So von 10-18 Uhr. Weitere Infos unter wienmuseum.at

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