Warmherziges Debüt vor Linzer Bruckner-Fieber

Pultstar Ivor Bolton dirigierte erstmals das Bruckner Orchester – Beachtenswerte Programmierung

Dirigent Ivor Bolton
Dirigent Ivor Bolton © Petra Moser

Seltsam, dass der in der internationalen Szene der Pultstars etablierte Engländer Ivor Bolton (65) unser Bruckner Orchester noch nicht dirigiert hat. Erst jetzt, da Linz im Bruckner-Fieber liegt, tat er dies am Mittwoch im Großen Brucknersaal mit dem Programm „#Zwei Mendelssohns Reformation“.

Der Abend begann mit einem beschwingten, präzise ausbalancierten 16-jährigen Mozart, der Ouvertüre zur Oper „Lucia Silla“ KV 135. Für Bolton ein Pflichtwerk, da ihm gewissermaßen Mozart die Basis für seine Karriere aufzubauen half und bis heute neben der Arbeit mit Barockmusik das klassisch-romantische Literaturfeld seine Vorzugsbeschäftigung geblieben ist.

Boltons Begegnung mit dem Bruckner Orchester verriet spontan jede Sympathie für die Musiker. Auf die stablose Pultführung haben sie sich rasch eingestellt und seine betont physische Zeichengebung äußerst engagiert nachgefühlt. Bolton agiert fern von einer Showgebärde, vermeidet billige Effekte und erzielt durch seinen temperamentvollen und zugleich zurückhaltenden Charme werkdienliche Spannungen.

Großartige Solisten

Sein Anpassungsgefühl, die Begleitung solistischer Aushängeschilder konnte er dann ebenso beweisen in Schumanns Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester F-Dur op. 86 aus 1849. Was für ein Geschenk, diese Rarität nur zu erleben, wenn man gleich über vier Virtuosen auf ihren heutigen Instrumenten des Ventilhorns verfügt.

Christian Pöttinger, Daniel Loipold, Robert Schnepps und Hans Kreuzhuber, fast alle heimische Künstler, legten insgesamt Ehre ein für die Klangqualität unserer Musiker. Und dann zum Finale Mendelssohn-Bartholdys „Reformationssinfonie“ in d-Moll op. 107 des jung verstorbenen Komponisten, bekannt auch durch die Melodie im charakteristischen Quintenintervall. Sogar Richard Wagner hat darauf in seinem „Parsifal“ zurückgegriffen.

Oder man denkt hier an den Brucknerschen Choral „Eine feste Burg ist unser Gott“, in Mendelssohnscher Fassung. Ganz ohne unseren genius loci ging es doch nicht. Für den lang bejubelten Gastdirigenten gab es Bruckners brandneue Aufnahme der „Achten“ auf offener Bühne.

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