„Zärtlichkeit“: Zweites Kabarettprogramm von Christoph Fritz

Kabarettist Christoph Fritz hatte Premiere © APA/GEORG HOCHMUTH

Er tue sich mit der nonverbalen Konversation schwer, sagt Christoph Fritz am Dienstagabend im Wiener Stadtsaal. Und so bleibt die in sich gekehrte, bei der Premiere des zweiten Programms aber aufgelockerte Bühnenfigur das Markenzeichen des Kabarettisten. Sexuelle Probleme und behandlungsresistente Depressionen stehen im Mittelpunkt von „Zärtlichkeit“ – womit der 28-Jährige beweist, dass man für ein gutes Kabarett niemand anderen beleidigen muss als sich selbst.

Gab er sich bei seinem ersten Programm noch als der Mann mit dem „jüngsten Gesicht“, der bei den Frauen so seine Schwierigkeiten hatte, so geht es in Zärtlichkeit nun – auch – um das Sexleben des Christoph Fritz. Vom verhältnismäßig späten Verlieren der Jungfräulichkeit in den frühen Zwanzigern bis zur sexuellen Annäherung an Igel und Huhn reicht die Bandbreite des Themas, das er nicht mit Brachialhumor, sondern mit der ihm eigenen Nüchtern- und Schüchternheit angreift. „Bitte hören Sie auf zu lachen“, fühlt sich der Kabarettist vom Publikum gar gemobbt, als er von seinen Problemen mit vorzeitigem Samenerguss berichtet.

Doch nicht nur, wenn es um Sex geht, gibt sich Fritz als traurige Figur: Seine Freundin habe ihn verlassen, seine Therapeutin die Zusammenarbeit beendet, weil seine Depression sie „zu sehr runterzieht“. Zuvor aber habe sie ihn gebeten, an positiven Affirmationen zu arbeiten. Wenn eine große Person vor ihm im Kino sitze, frage er sie, ob das für sie okay ist, führt der Kabarettist etwa aus. Verdiente Kritik gibt es für die Möchtegern-Therapeuten: Er habe sich kürzlich von einer Brücke schmeißen wollen, das aber dann nicht durchgezogen, weil er – wie ihm geraten worden sei – dorthin spaziert war.

Insgesamt gibt sich Fritz als verkopfter Mensch, bei dem Selbstzweifel im Kopf gerne Extrarunden drehen. Noch im brennenden Flugzeug frage er sich „Christoph, wieso brennst du für nichts?“, und beweist nicht nur hier, sondern den ganzen Abend über großes sprachliches Talent. Die Pause artet dann zur Mitmachrunde aus, in der das Publikum mit selbst geschriebenen positiven Affirmationen, die später teilweise auf der Bühne vorgelesen werden, beweist, wie schwierig es ist, mit Fritz’ Humor mitzuhalten.

Die titelgebende Zärtlichkeit findet Fritz schließlich auch beim Urologen, wo ihm mit dem Zeigefinger des Arztes im Hintern buchstäblich ein Licht aufgeht, oder beim gemeinsamen Pinkeln mit einem Fremden. Stotternd, mit einem meist ausdruckslosen, manchmal fast gequält wirkenden Blick legt der Kabarettist einen schwarzhumorigen Auftritt hin, bei dem fast jede Pointe sitzt. Ob diese Bühnenfigur Fritz’ gesamte Karriere begleiten wird, ist fraglich – in dieses Programm passt sie, durch Körpercomedy-Einlagen immer wieder aufgelockert, jedenfalls perfekt.

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„Zärtlichkeit“ von und mit Christoph Fritz, weitere Termine u.a. am 1. Oktober im Stadtsaal Wien und am 8. Oktober im Posthof Linz unter christophfritz.at

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