Zwangsräumung gegen Manker im Südbahnhotel am Semmering

Rechtsstreit um Theaterproduktionen schwelt bereits seit längerer Zeit © APA/TOBIAS STEINMAURER

Im Südbahnhotel am Semmering ist laut einer Aussendung vom Dienstag eine Zwangsräumung gegen Paulus Manker erfolgt. „Das war die Antwort des Rechtsstaates auf rechtswidriges Verhalten, auf die Missachtung von Gesetzen und Grundrechten“, wurde Christian Zeller, Eigentümer des Objekts, zitiert. Der Theaterregisseur hätte demnach seit Mitte November nicht mehr im Südbahnhotel sein dürfen. Über die Causa hatten zuletzt mehrere Medien berichtet.

„Von einer Räumungsklage gegen uns ist uns bis dato nichts bekannt“, reagierte Manker am Nachmittag schriftlich auf APA-Anfrage. Zeller habe seinen eigenen Kulturveranstalter Südbahnhotel Kultur GmbH geklagt und delogiert. „Im Zuge dessen wurde auch unser Eigentum in ein nahe gelegenes Lager gebracht“, so der Regisseur.

Dem Südbahnhotel zufolge hatte am 30. September vergangenen Jahres die letzte Vorführung von Mankers „Die letzten Tage der Menschheit stattgefunden. “Laut Vertrag hätte der Künstler spätestens 45 Tage später das Hotel räumen müssen. Doch Manker weigerte sich auszuziehen und versperrte mit den Requisiten seitdem die Räumlichkeiten des Hotels”, wurde in der Aussendung betont. „Nach einer Räumungsklage der Südbahnhotel Kultur GmbH im November erfolgte nun die Zwangsräumung.“

Der Abbau der Ausstattung sei ursprünglich vertragskonform für Oktober/November 2023 geplant gewesen, hielt Manker fest. „Jedoch erreichte uns im Herbst 2023 ein Schreiben der Südbahnhotel Kultur GmbH, in dem für die Monate Oktober und November – also für die Monate des Abbaus – täglich und ganztägig im Südbahnhotel Veranstaltungen angekündigt wurden.“ Der Abbau habe deshalb auf das Frühjahr 2024 verschoben werden müssen.

„Wir sind froh, nach der Hausbesetzung wieder frei über unsere Räumlichkeiten verfügen zu können. Es liegen bereits Konzepte für kulturelle Veranstaltungen für das Jahr 2024 vor. Jetzt können wir wieder in eine geordnete Planung und Vorbereitung übergehen und die Entwicklung der Liegenschaft fortsetzen“, sagte Zeller.

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Außerdem fehlt der Aussendung zufolge „derzeit noch von rund einer Million Euro, die der Künstler 2023 eingenommen hat und die er mit seinen Co-Veranstaltern hätte teilen müssen, jede Spur“. Manker sei bereits gerichtlich zur Einhaltung des Vertrags verpflichtet worden. Ein vom Gericht für alle Einnahmen bestimmtes Konto, auf das Manker überweisen hätte müssen, sei trotz verhängter Beugestrafen immer noch leer.

Zu Finanziellem erwiderte Manker, dass die Südbahnhotel Kultur GmbH noch 130.000 Euro an Fördergeldern zurückhalte, „die vom Land NÖ zweckgebunden für unsere Produktionen ‚Alma‘ und ‚Die letzten Tage der Menschheit‘ vergeben wurden“, und sich weigere, „diese Gelder an uns herauszugeben. Es handelt sich hier ganz klar um Förderungsbetrug gegenüber dem Land NÖ“, was bei der Kulturabteilung nachgefragt werden könne, so der Theaterregisseur.

Streit zwischen Manker und den Betreibern des Südbahnhotels ist nicht neu. Zuletzt hatte es im August vergangenen Jahres „gekracht“. Auslöser waren unterschiedliche Auffassungen zu Kartenkontingenten für „Alma“-Vorstellungen in dem Haus am Semmering. Auch die Polizei schritt ein. Als Vermittler erfolgreich war letztlich Hermann Doppelreiter (ÖVP), Bürgermeister der Gemeinde an der niederösterreichisch-steirischen Landesgrenze.

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