Zwiespältiger Faschingsreigen

AK-Classics: Bruckner Orchester unter der Leitung von Patrick Hahn

„Jungstar“ Patrick Hahn am Pult des Bruckner Orchesters
„Jungstar“ Patrick Hahn am Pult des Bruckner Orchesters © Petra Moser

„Salut dem Karneval“ lautete das ergiebige Motto für das AK-Classics-Konzert am 9. Februar im Linzer Brucknerhaus. Unter dem Dirigat des „Jungstars“ Patrick Hahn begann das Bruckner Orchester den musikalischen Faschingsreigen mit Paul Dukas´ „Zauberlehrling“ ebenso schwungvoll wie fein differenziert mit einer Selbst-Läufer-Motorik, die sogar den Dirigenten zum „Swingen“ brachte.

Es folgte Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll, das zwar nicht zum Motto passte, aber dem zweiten Jung-Star des Abends, Luka Ljubas, Gelegenheit zu einer ausgezeichneten, mit Recht bejubelten Gestaltung des Soloparts bot.

Nach der Pause trat der Fasching in den überraschendsten Facetten sein Regiment an. Zunächst tanzte Balduin Sulzers „Burleske“ aus seiner 5. Sinfonie über die Bühne: ein witzig-elegantes Stück, voll vertrackter Rhythmik und Harmonik, mit vielen parodistischen Elementen gespickt, das von Orchester und Dirigent mit hör- und sichtbarem Vergnügen präsentiert wurde.

Wahrscheinlich war sie das gelungenste Karneval-Element des Abends. Dann folgte Bernd Alois Zimmermanns Musik zu den „Nachtmahlen des Königs Ubu“, eine einmalig konstruierte Musik-Paraphrase auf das tragikomische, groteske Monster „Ubu“.

In sechs Sätzen, deren Titel wie „Das Pfuinanzpferd und die Pfuinanzdiener“ oder „Marches du Décervellage“ bereits die Satire zum Programm machen, baut sich eine grenzgeniale Verknüpfung unzähliger Zitate aus berühmten Kompositionen auf, die überwiegend Krieg und Gewalt thematisieren. Sie schließt mit einem sich bis zur Unerträglichkeit wiederholenden Paukenwirbel, der Massenhinrichtungen („Enthirnungen“) symbolisiert.

Eine Anmerkung des Komponisten motivierte offenbar Orchesterdirektor Norbert Trawöger, die Satzpausen für pseudo-kabarettistische Auftritte im Clown-Mantel zu nützen. Seine Beiträge wirkten allerdings weder witzig noch erhellend, da die Musik ohnehin alles sagte. Den Abschluss bildete die Suite „Maskerade“ von Aram Khachaturian. Abgesehen vom schwungvollen Walzer und gefälligen Soli ließen Dirigent und Orchester, von Zimmermanns Instrumental-Orgie sichtlich ermattet, die Satzfolge im Mezzoforte einfach vorbeirauschen. Applaus: Heiter bis wolkig …

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