Kulturinstitutionen müssen wegen längerem Lockdown umplanen

Die Ankündigung der Verlängerung des Lockdowns um eine Woche bis 24. Jänner hat die Kulturinstitutionen überrascht. So hatte etwa die Staatsoper just am heutigen Montag geplant, ihre Spielplanpläne ab dem 18. Jänner zu veröffentlichen, setzt nun aber auf eine Verlängerung der ORF-Kooperation. In der Volksoper ist die bereits veröffentlichte Planung für das fragliche Wochenende Makulatur, und Burgtheater-Chef Martin Kusej zeigt sich mittlerweile „richtig verärgert“.

Aus einem Neustart am 18. Jänner wird es nun also auch für die Staatsoper nichts. „Was wir stattdessen machen werden, ist eine Verlängerung unserer gemeinsamen Aktion mit dem ORF, durch die schon im Dezember ein riesiges, nach Theater hungriges Publikum erreicht werden konnte“, kündigte Staatsopern-Direktor Bogdan Roscic in einem Statement an. So wird zum bereits fixierten „Werther“ am 10. Jänner nun auch eine Wiederaufnahme von „Nabucco“ mit Placido Domingo von ORF III am 24. Jänner ausgestrahlt. „Was wir im Jänner darüber hinaus machen können, steht in den Sternen. Auch die letzte Jänner-Woche ist nach immer lauter werdenden Spekulationen möglicherweise ebenso durch einen verlängerten Lockdown gefährdet“, konstatierte Roscic. Auch was die Rahmenbedingungen für den Februar beträfen, sei noch nichts bekannt: „Die Planungszeiträume werden jedenfalls immer kürzer, die Verunsicherung des Publikums immer größer. Vielleicht müssen wir das Publikum ja demnächst bitten, nicht nur wegen der Ausgangsbeschränkungen schon am Nachmittag und frisch getestet, sondern auch in Skischuhen zu erscheinen, damit ein Stattfinden der Vorstellung garantiert werden kann.“

Auch Burgtheater-Direktor Martin Kusej zeigte sich in einer Stellungnahme gegenüber der APA mehr als enttäuscht: „Nach dieser letzten Volte bezüglich der Kulturinstitutionen bin ich wirklich richtig verärgert! Und ich denke, dass ich für alle Menschen spreche, die in den Theatern arbeiten, wenn ich frage: Wie lange sollen wir uns noch verschaukeln lassen? Wie lange sollen wir noch über die Stöckchen springen, die man uns hinhält? Denn der Zeitpunkt für die Wiedereröffnung der Theater ist wieder ungewiss!“ Die Planungen für Vorstellungen ab dem 22. Jänner in allen Spielstätten des Burgtheaters seien nun wieder von heute auf morgen Makulatur. „Ein Theaterbetrieb dieser Größe kann diese Entscheidungen nicht kurzfristig umsetzen. Wir Kultureinrichtungen haben sehr gute, bereits bewährte Präventionskonzepte, mit denen wir bei zulässiger Infektionslage öffnen können; darüber spricht man nicht einmal mehr“, so Kusej: „Ein erneutes Zeichen dafür, welchen ach so hohen Stellenwert der Kulturbereich für die österreichische Regierung in der so genannten Kulturnation Österreich hat!“

Die Wiener Volksoper war am 22. Dezember das erste Bundestheater, das bereits seine Spielplanpläne für die Zeit nach dem Lockdown bekanntgegeben hatte. Von 22. bis 24. Jänner wollte man die Operette „Der Teufel auf Erden“, eine „Zauberflöte“ und die halbszenische Fassung von Disneys „Das Dschungelbuch“ zeigen. Auch dies ist nun Makulatur. Ob manche Vorstellungen auf die folgenden Wochenenden geschoben werden können, lasse sich derzeit noch nicht sagen, heißt es aus der Volksoper gegenüber der APA. Die Proben würden jetzt einstweilen ohnedies weiterlaufen, und man werde die Situation in Ruhe analysieren.

Im Kunsthistorischen Museum (KHM) hätte eigentlich die Sonderschau „Beethoven bewegt“ noch eine letzte Woche von 18. bis 24. Jänner zu sehen sein sollen. Ob hier angesichts von Leihgaben eine Verlängerung möglich sei, müsse noch evaluiert werden, heißt es gegenüber der APA.

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Auch die Philharmonie Salzburg musste am Montag ihre für die Woche ab 18. Jänner geplanten Konzerte absagen. „In einer tragisch gespalteten Gesellschaft kann keine konsistente Politik stattfinden. Mein Vertrauen in die Regierung ist mit der heutigen Entscheidung den Lockdown nun doch zu verlängern, mächtig geschwunden“, beschied Dirigentin Elisabeth Fuchs.

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