Kunst verleiht Identität

Bereits seit 20 Jahren wird am Caritas-Standort St. Pius in Steegen/Peuerbach das künstlerische Potenzial von Menschen mit Beeinträchtigungen gezielt gefördert. Am Freitag, dem 30. August, wird die aktuelle Ausstellung mit einer besonderen Vernissage eröffnet.

Theresia Klaffenböck © Caritas

„Eine Behinderung beeinträchtigt nicht das künstlerische Potenzial. Das haben wir uns schon vor 20 Jahren gedacht und begonnen, das künstlerische Schaffen der Menschen in St. Pius zu fördern. Unterstützer der ersten Stunde war dabei auch Hausarzt und Galerist Erich Pimmingstorfer“, sagt Theresia Klaffenböck, seit Anfang an Leiterin von „Kunst St. Pius“.

Gemeinsam mit Caritas-Mitarbeiterin und Künstlerin Andrea Hinterberger begleitet sie Künstler mit Beeinträchtigung in St. Pius das ganze Jahr hindurch in ihrem Schaffen. Sie gibt Impulse, wenn diese nicht mehr weiter wissen, und überlegt mit ihnen, mit welcher Technik und welchem Material die Einfälle am besten umsetzbar sind. Einmal im Jahr bekommt die Gruppe Unterstützung von externen Kunstschaffenden. Marion Kilianowitsch, Walter Kainz oder Kurt Mitterndorfer leiteten beispielsweise schon Workshop-Wochen. „Die Externen bringen frischen Wind in die künstlerische Routine, zeigen neue Herangehensweisen und fordern die St.-Pius-Künstler ganz schön heraus“, schildert Klaffenböck.

Wenn der Funke der Inspiration überspringt

Künstlerin Hinterberger kennt viele Wege, um die Künstler in St. Pius zu motivieren und zu einer Inspiration zu verhelfen: „Vor einiger Zeit saß Christian Mitterlehner vor einem leeren Blatt. Daraufhin breitete ich eine Handvoll Papierschnipsel vor ihm aus – sie hatten die Form von Hüten. ,Aber es könnten auch Blätter sein, die es durch die Luft bläst‘, hab ich ihm gesagt. Seine Augen leuchteten auf. Plötzlich war der Funke da.“

Die Freude an einer Idee, die sich langsam formt, erfüllt nicht nur den Künstler, sondern auch die anderen Menschen im Raum mit Motivation. Neben der Zeichner- und Bildhauergruppe gibt es auch eine Literaturgruppe. Schriftsteller Mitterndorfer förderte in der Vergangenheit schon mehrmals die Gruppe auf humorvolle Art und Weise. Dazu gehört auch, dass die Literaturschaffenden ihre Texte selbst vorlesen.

„Über Jahre hat sich bei den Menschen in St. Pius das Bewusstsein gefestigt, dass sie Künstler und Künstlerinnen sind“, erklärt Klaffenböck: „Aus der Kunst schöpfen sie eine Identität und ein Selbstbewusstsein, das ihnen Auftrieb gibt.“

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