Kurz zu Debatte über Herkunft: „Ich komme nicht vom Mars“

ÖVP-Chef zweifelt an den Umfragen, SPÖ-Chefin glaubt noch an Platz 1

ÖVP-Chef Kurz — hier gestern in der ORF-Pressestunde — glaubt, dass es in anderen Parteien nach der NR-Wahl zu personellen Veränderungen kommt. So sei nicht klar, ob sich in der FPÖ Norbert Hofer oder Herbert Kickl durchsetzen werde.
ÖVP-Chef Kurz — hier gestern in der ORF-Pressestunde — glaubt, dass es in anderen Parteien nach der NR-Wahl zu personellen Veränderungen kommt. So sei nicht klar, ob sich in der FPÖ Norbert Hofer oder Herbert Kickl durchsetzen werde. © ORF/Leitner

„Die Wahrheit ist: Ich komme nicht vom Mars“. Einerseits amüsiert, andererseits aber auch verwundert reagierte ÖVP-Chef Sebastian Kurz gestern in der ORF-Pressestunde auf Vorhalte der SPÖ, wonach er in Bezug auf seine Herkunft einmal Wien und ein anderes Mal das Waldviertel als seine Heimat nennt.

Was für SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner Anlass zur Kritik an Kurz in Bezug auf dessen Umgang mit der Wahrheit ist, lässt Kurz staunen: Er kandidiere „nicht für das Amt des Schulsprechers“, aber anstelle über Sachthemen spreche man über die Herkunft. „Ursprünglich“ stamme seine Familie aus NÖ, nun lebe sie in Wien — nichts anderes habe er gesagt. Die Kritik, er könne sich nicht entscheiden, ob er Wiener oder Niederösterreicher sei, nannte er „lächerlich“, er fühle sich „an beiden Orten zu Hause“.

„Wird deutlich enger“

Die ÖVP will Kurz im Übrigen nicht vorzeitig in die Siegerrolle für die Nationalratswahl drängen lassen. „Ich glaube, dass es deutlich enger wird“, sagte er mit Blickwinkel auf die Umfragen, die die ÖVP bei 34 bis 35 Prozent und die SPÖ bei 22 bis 23 Prozent sehen. Seine Sorge sei, dass es eine Mehrheit an der ÖVP vorbei gebe.

Was das Wahlergebnis betrifft, versuchte sich SPÖ-Chefin Rendi-Wagner in der Pressestunde weiterhin in Optimismus. „Die einzige Umfrage, die mich interessiert, ist die am Wahltag“, verwies sie auf zahlreiche noch unentschlossene Wählerinnen und Wähler. Kein Spitzensportler fahre los, ohne gewinnen zu wollen: „Alle fahren mit dem Ziel Platz 1 und das ist mein Ziel.“

Kein inniges Verhältnis

Das Verhältnis zu Ex-Kanzler Kurz sei professionell, „innig ist es zur Zeit nicht“, so Rendi-Wagner. Einer Koalition mit der ÖVP stehe das aber nicht im Wege, denn da brauche es eine „professionelle Herangehensweise: „Da haben persönliche Befindlichkeiten gar nichts zu suchen.“

Während die SPÖ-Chefin eine rot-blaue Koalition ausschloss, will Kurz die FPÖ nicht vorab außen vor lassen. Es gebe niemanden in einer Verantwortungsposition in der ÖVP, der dafür sei, die FPÖ per se auszuschließen, auch wenn er skandalträchtige Aussagen und Kontakte von Freiheitlichen mit den Identitären „grauslig“ finde. Eine Minderheitsregierung schloss Kurz nicht aus, betonte aber, dass das nicht seine Lieblingsvariante wäre. Diese wäre viel mehr eine stabile Koalition mit guter Arbeit für Österreich.

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