Meinung

von Manfred Maurer

Kurzatmiges Europa

Kommentar zum Ukraine-Krieg.

Die gegen Russland verhängten Sanktionen scheinen Europa härter zu treffen als die Russen selbst. Aber eben nur scheinbar. Tatsächlich schrumpft die russische Wirtschaft stark, während die Eurozone trotz allem heuer noch um 2,6 Prozent wachsen wird. Die Inflation in Russland ist doppelt so hoch wie jene in der EU.

Für die politischen Akteure in Europa ist jedoch weniger die tatsächliche als die gefühlte Lage entscheidend. Putin kann beides ignorieren, solange seine Macht für die Unterdrückung jeglichen Widerstandes reicht.

In Europas Demokratien dagegen rumort es, weil der Ukraine-Krieg immer schmerzhafter im Geldbörsel spürbar und folglich der Druck auf die Regierungen größer wird. Und das ist erst der Anfang. Die verzweifelten Versuche, mit staatlichen Ausgleichsmaßnahmen gegenzusteuern, werden kaum Schritt halten können mit der Verschärfung der Lage. Geschürt wird der Volkszorn von linken wie rechten Populisten, die eine einfache Lösung vorgaukeln: Gebt dem russischen Bären endlich sein Stück Ukraine und alles wird gut! Im Bundespräsidentschaftswahlkampf wird das absehbar zentrales Thema sein. Anderswo wird der politische Diskurs eine ähnliche Schlagseite bekommen.

Putin braucht sich nur zurückzulehnen und abzuwarten: Europas Atem dürfte nicht lang genug sein für ein finales Match mit der Kremldespotie.

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