Kurzzeitige Erholung der Konjunktur schwächt sich wieder ab

Die Verschnaufpause währte nur kurz – nach dem coronabedingten Einbruch hat die heimische Wirtschaft einen kurzen Erholungsschub erlebt. Doch dieser schwächte sich im September schon wieder spürbar ab, geht aus dem aktuellen Bank-Austria-Konjunkturindikator hervor. Nach einem historischen Rückgang um voraussichtlich mindestens 6,3 Prozent 2020 bleibt die Wirtschaftsleistung noch bis Anfang 2022 unter Vorkrisenniveau. Für 2021 wird ein Wachstum von bis zu 5 Prozent erwartet.

Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) heuer in der ersten Jahreshälfte infolge des Lockdowns zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie abgesackt war, kam es im dritten Quartal zu einem zweistelligen Anstieg. Die Konjunkturstimmung habe sich zu Herbstbeginn weiter verbessert. Doch die Dynamik nach oben ließ im September wegen des abklingenden “Rebound-Effekts” und der steigenden Infektionszahlen schon wieder deutlich nach, wie die Ökonomen am Donnerstag mitteilten.

In dem Berichtsmonat habe sich der “UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator” das vierte Mal in Folge auf minus 0,9 Punkte verbessert. Das weise auf ein “Anhalten der wirtschaftlichen Erholung” Österreichs hin, erklärte Chefökonom Stefan Bruckbauer. “Die monatliche Verbesserung des Indikators nimmt allerdings laufend ab”, schränkte er ein. “Die Erholung verliert bereits an Tempo.”

Der Arbeitsmarkt “dürfte die Folgen der Pandemie wahrscheinlich auf längere Sicht nicht überwinden”, zeichnen die Konjunkturexperten der UniCredit Bank Austria ein düsteres Bild. “Nach einer Arbeitslosenquote von rund 10 Prozent im Jahresdurchschnitt 2020 erwarten wir eine moderate Verringerung auf 8,8 Prozent im Jahr 2021”, so der Ökonom Walter Pudschedl. “Es wird wohl sehr lange dauern, auch über das Jahr 2022 hinaus, bis die Arbeitslosenquote wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird.”

Der Rückgang der Arbeitslosenquote vom Höhepunkt im April mit saisonbereinigten 12,5 Prozent auf knapp unter 10 Prozent im September sei relativ zügig erfolgt. In den kommenden Monaten würden die Herausforderungen am Arbeitsmarkt jedoch weiter zunehmen. Die Stimmung am Bau habe sich zwar stark verbessert und der Dienstleistungssektor habe einen moderaten Aufwind verspürt, doch die Industrie stehe vor “anhaltend hohen Herausforderungen”, obwohl sich das Exportumfeld verbessert habe. Die Nachfrage im Inland ist nur zögerlich und in den europäischen und amerikanischen Absatzmärkten gab es erneut steigende Infektionszahlen. Positiv ist die Entwicklung hingegen im Zielmarkt Asien – dort scheint die Pandemie mittlerweile im Griff zu sein.

Leicht aufgehellt hat sich laut UniCredit Bank Austria auch die Verbraucherstimmung. Doch sei diese “weiterhin deutlich von den positiven Werten vor Ausbruch der Pandemie entfernt”. Das bekomme vor allem der Dienstleistungssektor zu spüren, der noch eine große Nachfrage-Lücke zu schließen habe.

Zur Jahresmitte war die heimische Wirtschaftsleistung infolge der Pandemie und der notwendigen Eindämmungsmaßnahmen real auf rund 85 Prozent des Ausgangsniveaus gesunken. Mit der schrittweisen Öffnung der Wirtschaft habe in den vergangenen drei Monaten ein starker Aufholprozess eingesetzt. Ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau hätten sowohl die Industrie als auch der Einzelhandel und der Tourismus über den Sommer hohe Zuwächse verzeichnen können – freilich von einem niedrigen Niveau ausgehend.

“In den kommenden Monaten wird das Erholungstempo deutlich an Schwung verlieren”, erwartet Pudschedl. Der private Konsum werde angesichts der bestehenden Unsicherheit und der angespannten Lage am Arbeitsmarkt nur noch geringe Zuwächse erreichen und auch die Investitionsdynamik werde sich in diesem Umfeld verlangsamen, zumal die Exportaussichten durch das verstärkte Aufleben der Pandemie vorerst verhalten blieben.

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