KZ Gusen — Komitee fordert Überprüfung der neuen Hinweise

Berufung auf neue Indizien und Quellen

Das KZ Memorial Gusen befindet sich in der Nähe von Mauthausen.
Das KZ Memorial Gusen befindet sich in der Nähe von Mauthausen. © APA/Schneider

ST. GEORGEN/GUSEN — In der durch eine ZDF-Dokumentation neu entfachten Diskussion um geheime Nazi-Stollen in St. Georgen an der Gusen (Bezirk Perg) hat sich das Gedenkdienstkomitee Gusen mit der Forderung nach neuerlicher Erforschung zu Wort gemeldet. Es beruft sich in einer Aussendung auf neu aufgetauchte Indizien und Quellen.

Laut dem Sonntagabend ausgestrahlten Film könnte es in Gusen — wie berichtet — ein bisher unbekanntes unterirdisches Konzentrationslager gegeben haben. In bisher unbekannten, gesprengten Stollen in Ebenen unterhalb der bekannten könnten mehrere Zehntausend „fehlende“ tote Häftlinge liegen. Aus der Sicht der zuständigen KZ-Gedenkstätte Mauthausen liegen dafür aber keine bekannten Belege oder Fakten vor.

Überprüfung nicht standgehalten

Das Gedenkdienstkomitee Gusen verweist auf den Historiker Stefan Karner, der neuerlich intensive Nachforschungen fordert. 2015 war in einer Doku des selben Filmemachers (Andreas Sulzer) die Vermutung angestellt worden, in Gusen könnten die Nationalsozialisten nicht nur eine unterirdische Flugzeugproduktion, sondern auch eine Atom- und Raketenforschung betrieben haben. Eine Kommission aus Experten etlicher Fachrichtungen stellte jedoch nach einer Prüfung der Fakten fest, alle in dem Film angeführten Beweise für die Vermutungen hätten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standgehalten.

Die neuerliche Forderung einer intensiven Nachforschung wird damit begründet, dass der aktuelle Film Indizien und Quellen enthalte, die zum Zeitpunkt der Diskussion der Expertenrunde 2015 noch gar nicht zur Verfügung gestanden seien. „Die dargestellte Indizienkette ist sehr schlüssig und ergibt eine Reihe von Anhaltspunkten, die nahe legen, die Geschichte des Lagerkomplexes Gusen neu zu schreiben“, so Karner.

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