La Fura dels Baus begeisterten mit poetischer Klangwolke

Die Geschichte des Homo sapiens in poetischen Bildern und ein menschliches Netz aus schwindelfreien Statisten, die in rund 60 Metern Höhe vor einem Feuerwerk schweben – die katalanische Künstlergruppe La Fura dels Baus hat am Samstag im Linzer Donaupark mit ihrer Klangwolke „Pax. Tradition = Revolution“ den Geschmack des Publikums getroffen.

Das Stück zeigt in neun Szenen Meilensteine in der Geschichte der Menschheit – dargestellt werden Themen wie Kommunikation, technische Revolution, Krieg bis hin zur Entwicklung künstlicher Intelligenz und der Besiedelung des Weltalls. All das erkennt wohl nur jener Besucher, der sich vorher akribisch eingelesen hat. Die Geschichte erschließt sich nicht von selbst – macht aber nix, es sind beeindruckende Bilder, die ohnehin dazu anregen, die eigene Fantasie zu benutzen.

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Zu Beginn der Klangwolke haben Peitschenknaller am Dach des Brucknerhauses ihren Auftritt. Dann steigt eine Taube aus Licht auf, ein wirklich schönes Bild im Nachthimmel. Ein Feuerrad – eine Art überdimensionales Hamsterrad mit Menschen darin – stellt sich einem Panzer entgegen. Aus dem zerstörten Kriegsgerät entsteigt ein riesiger Roboter, der scheinbar über den Fluss marschiert. Später wird eine Planetenkugel hoch in die Luft gehoben, von Akrobaten gleich Satelliten atemberaubend schnell umkreist und schließlich von einem Astronauten in Besitz genommen, indem er eine Fahne darauf hisst. Riesige menschliche und tierische Gestalten marschieren durch den Park, auf der Fassade des Hotel Arcotel fährt ein Schiff hinauf, bricht auf zu neuen Ufern.

La Fura dels Baus arbeiten mit wenigen, aber extrem eindrucksvollen Bildern, die in ihrer Dimension auch dem riesigen Gelände angepasst und von überall her gut sichtbar sind. Die auftretenden Gestalten sind meist aus Licht, in vielen Szenen kommen Statisten und Akrobaten zum Einsatz, die in schwindelerregender Höhe agieren. Das Highlight des Abends ist ein gleißend hell beleuchtetes Netz aus Menschen, das von einem Kran rund 60 Meter über die Donau gehoben wird und vor dem Abschlussfeuerwerk schwebt. Der musikalische Teppich ist ein Mix quer durch viele Genres, versetzt mit Geräuschen jeder Art.

Der Klangwolkenabend war auch hinsichtlich der Besucherzahl ein voller Erfolg: Laut Veranstaltern kamen 110.000 Zuseher, mehr als jemals zuvor bei einer Klangwolke. Das war wohl einerseits den hohen Erwartungen an La Fura dels Baus, die 2013 bereits bei der Eröffnung des Musiktheaters eine Open-Air-Show in Linz auf die Beine gestellt haben, geschuldet, andererseits auch dem lauen und trockenen Wetter, das mitgespielt hat.