Lada-Meister mit etwas Luxus

Ganz auf Luxus trimmt der russische Hersteller Lada seinen Vesta Kombi, zumindest was die Namensgebung und die Ausstattung betrifft.

Text & Fotos: Oliver Koch

Ganz auf Luxus trimmt die russische Autoschmiede Lada derzeit ihre erweiterte Produktpalette. Vorbei sein sollen die Zeiten, in denen der Name für „russisch“ im schlechtesten Sinne des Wortes gestanden sind. Das X-Design des Vesta SW (SW steht für Station Wagon) stammt aus der Feder von Steve Mattin, der auch schon bei Mercedes oder Volvo unter Vertrag gestanden ist. Und Lada kann mit Fug und Recht behaupten, dass der kantig gezeichnete Russe sich in Sachen Design nicht verstecken muss. Kennzeichen sind neben dem X im Kühlergrill, den Sicken im X-Design an der Seite auch die breiten Scheinwerfer und das sanft abfallende Heck des 4,41 Meter langen Kombis. Über dem Nummernschild prangen dann auch noch pompös die vier Lada-Buchstaben – da drängt sich eine gewisse Ähnlichkeit zu Renault oder Dacia auf. Ist aber auch kein Wunder, schließlich halten die Franzosen eine Sperrminorität an AwtoWAS. Und AwtoWAS produziert eben die Ladas, den Vesta Kombi übrigens in Ischewsk.

Der Innenraum präsentiert sich aufgeräumt und modern mit Materialien, die sich recht angenehm anfassen. Farblich entspricht er zwar nicht unbedingt einer Sommerblumenwiese und unterschäumte Flächen sucht man ebenfalls vergebens. Aber immerhin hat die Qualität im Vergleich zu früheren Tagen spürbar zugelegt. Die Vordersitze sind tadellos und die Bewegungsfreiheit ist auf allen fünf Plätzen riesig. Die Smartphone-Kopplung klappt normalerweise ohne Probleme. In der höchsten Ausstattungslinie namens Luxus haben die Russen ihrem Vorzeige-Kombi auch einiges spendiert: Sechs Airbags, Rückfahrkamera, Leichtmetallfelgen, Sitzheizung (auch für die links und rechts hinten), Klimaautomatik, elektrische Fensterheber, USB-Anschluss, Frontscheibenheizung, Lichtautomatik, Tempomat, Bordcomputer, ein sieben Zoll großes Farbdisplay, Navigationssystem und Isofix-Kindersitzbefestigung.

Dieses Komplettpaket gibt es um gut 17.000 Euro. Und da liegt auch der Knackpunkt: Schnäppchen ist er somit keines und mit dem Prestige hapert es halt noch. Zudem hat Lada mit Dacia einen höchst erfolgreichen Billig-Konkurrenten in den eigenen Reihen. Damit läuft es auf die Fahreigenschaften hinaus, die wohl den einen oder anderen Käufer bewegen, sich einen Vesta Kombi auch zuzulegen. Aber ebendiese Fahreigenschaften sind durchwachsen.

Prinzipiell ist der Vesta Kombi ein gemütlicher Gleiter. Das Vierzylinder-Aggregat mit seinen 106 PS ist im unteren Drehzahlbereich kraftlos. Mehr Spritzigkeit ergibt sich dann bei mehr als 3000 Touren. Dafür melden sich ab Tempo 130 die Vibrationen und der davor ruhige Motor spürbar zu Wort. Die kurze geführte Fünfgangschaltung ist jedoch exakt. Im Grenzbereich (wenn man so weit kommt) neigt der Wagen zum Untersteuern. Kurze Schläge reicht das Fahrwerk direkt weiter, größere Unebenheiten werden hingegen gut weggebügelt. Abzüge gibt es hingegen für die gefühllose Lenkung und auch die Bremsen könnten eine Spur standfester sein. Und der 1,6-Liter-Saugmotor ist auch recht durstig: Selbst bei gefühlvoller Fahrweise steht beim Verbrauch ein Achter vor dem Komma.
Schön sind dafür die vielen praktischen Details im Kofferraum, der bei Dunkelheit mit zwei kleinen Lämpchen ordentlich ausgeleuchtet wird. Angenehm ist auch die weit aufschwingende händisch zu bedienende Heckklappe. Im Kofferraumboden finden sich gleich zwei Stauboxen mit Unterteilungen, deren Deckel man zum Befüllen leicht herausnehmen oder senkrecht stellen kann. Dazu kommen ein weiteres offenes Staufach an der Seite, jede Menge Haken zum Verzurren von Transportgut oder zum Aufhängen von Einkaufstaschen sowie eine 12-Volt-Steckdose. Und mit 480 Litern Volumen ist das Platzangebot mehr als ausreichend; zudem lassen sich die Rücklehnen auch separat im Verhältnis 60 zu 40 umlegen. Perfekt wäre es dann, ließe sich noch die Rückbank verschieben.

Fazit: Der Lada Vesta Kombi reiht sich nahtlos in die Riege kleiner, moderner Kombis ein, bei denen zwar Alltagstauglichkeit und Preis im Vordergrund stehen, die aber dennoch einiges an Komfort und Sicherheit bieten.

Typenschein

Lada Vesta SW MT Luxus

Preis: ab € 17.350,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 17.350,- einen Lada Vesta SW (MT Basis) gibt es ab € 14.250,-
NoVA/Steuer: 13 %/ € 401,76 jährlich
Garantie: 3 Jahre
Service: laut Serviceheft bzw. Bordcomputer

Technische Daten:
Motor: R4, 16V, 1596 cm³, 78 kW/106 PS bei 5800 U/min, max. Drehmoment 148 Nm bei 4200 U/min
Getriebe: Fünfgangschaltung
Antrieb: Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 12,4 s
Leistungsgewicht: 11,74 kg/PS
MVEG-Verbrauch: 9,4/5,5/6,9 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 8,2 Liter
CO2-Ausstoß: 157 g/km
NOx: 0,0219 mg/km; Euro 6b

Eckdaten:
L/B/H: 4410/1764/1508 mm
Radstand: 2635 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1245/1730 kg
Kofferraum: 480 Liter
Tank: 55 Liter (Benzin)
Reifen: 4 x 195/55 R16 80T auf 16“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA
Airbags: 6