Meinung

von Manfred Maurer

Lame Boris

Kommentar zum Misstrauensvotum von Premier Johnson.

In den USA nennen sie einen abgewählten, bis zur Angelobung des Nachfolgers noch über zwei Monate amtierenden Präsidenten Lame Duck, lahme Ente. Boris Johnson hat dieses Status schon zur Halbzeit der regulären Legislaturperiode erreicht.

Denn der britische Premier gewann die Vertrauensabstimmung in seiner Tory-Fraktion Montagabend nur formal, keinesfalls politisch. Dafür war die Zahl der Gegenstimmen einfach zu groß.

Ein Regierungschef, den 41 Prozent der eigenen Abgeordneten nicht mehr wollen, kann zwar weitermachen, aber nichts mehr weiterbringen. Die interne Ablehnung dürfte zudem schon in zwei Wochen mit erwartbaren Tory-Niederlagen bei zwei Nachwahlen befeuert werden.

Johnsons absehbares Scheitern ist die angemessene Rechnung für einen Politiker, der mit Lügen und Halbwahrheiten maßgeblich zum Abdriften Großbritanniens auf den Brexit-Irrweg beigetragen hat.

Schadenfreude ist dennoch unangebracht. Auch wenn die Insel nicht mehr der EU angehört, bedeutet ein angeschlagener Hausherr in Downing Street 10 nichts Gutes für das in einer multiplen Krise steckende Europa. Zu befürchten ist, dass Johnson seine Machtlosigkeit daheim mit populistischen Kraftmeiereien gegenüber der EU kompensiert. Wladimir Putin, dessen zentrales Ziel die Destabilisierung Europas ist, wird es freuen.

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