Landesrat Achleitner: „Alle eint die Freude, dass es endlich wieder losgeht“

Das Hochfahren der Wirtschaft macht den Menschen wieder Mut, meint Wirtschafts-Landesrat Achleitner

„Wir wollen so viele Menschen wie möglich in Arbeit halten beziehungsweise rasch wieder in Beschäftigung zurückbringen. Oberösterreich kämpft um jeden Arbeitsplatz und jeden Betrieb“, sagt Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner. © Land OÖ Land/Stinglmayr

Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner spricht im Interview über Zuversicht, Lehren aus der Krise und warum Urlaub in Oberösterreich jetzt besonders ratsam ist.

VOLKSBLATT: Die Geschäfte haben nun wieder offen. Wie ist Ihr erstes Resümee?

MARKUS ACHLEITNER: Prinzipiell ist es wichtig, dass wir ein Comeback mit Zuversicht haben. Die Maßnahmen waren wichtig und richtig, um die Menschen gesund zu halten. Jetzt müssen wir schauen, wie wir den Wirtschaftskreislauf wieder ankurbeln können. Dieser Neustart im 14-Tage-Rhythmus ist also gut und dringend notwendig. Diese Maßnahmen geben aus mehreren Perspektiven Zuversicht. Erstens den Unternehmern, die nun wieder Umsätze erwirtschaften können. Zweitens den Mitarbeitern, die wieder arbeiten können. Drittens den Kunden und Gästen, die diese Aufbruchsstimmung auch zu spüren bekommen. Und letztlich auch den Lieferanten und Produzenten – etwa die Landwirte, Bäcker und Fleischer –, die wieder zuliefern können. Nach dem radikalen Einschnitt wegen des Coronavirus geht es nun um Zuversicht.

Aber Normalität ist das noch nicht.

Nein, aber die Gewöhnung an die flankierenden Maßnahmen ist ebenso essenziell. Hände waschen, desinfizieren, Maske tragen und Abstand halten sind nach wie vor wichtig. Unsere Landsleute haben sich bis dato hervorragend verhalten, aber jetzt ist nicht die Zeit für Leichtsinn. Das Virus ist ja nicht weg. Generell gilt: Lieber früher mit begleitenden Maßnahmen aufsperren als später, und die Wirtschaft liegt komplett am Boden.

Die Shoppinglust ist aber bis dato noch nicht ausgebrochen.

Es ist logisch, dass es ein wenig Zeit braucht, bis es wieder losgeht. Was derzeit alle eint, ist die Freude, dass es endlich wieder losgeht. Jetzt warten wir noch auf den Start der Gastrobranche mit 15. Mai, dann wird Einkaufen auch wieder mehr zum Erlebnis. Ich kann den Oberösterreichern jedenfalls nur empfehlen, hierzulande einkaufen zu gehen.

Jetzt haben wir aber einen Rekordstand bei Arbeitslosen und in Österreich 1,25 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Das dämpft doch die Konsumfreude.

Wir haben in Oberösterreich 58.000 Arbeitslose und jeder Einzelne ist einer zu viel. Aber: 40 Prozent haben eine Einstellzusage und es sind ja auch 653.000 Menschen in Oberösterreich in Arbeit. Ich denke, dass durch das sukzessive Hochfahren der einzelnen Branchen die Konsumfreude auch wieder anspringen wird. Es ist wichtig, dass wieder Normalität einkehrt und eine positive Stimmung zurückkehrt. Da kann jeder etwas dazu beitragen.

Die Gastro- und Tourismusbranche ist besonders stark betroffen und fraglich ist, ob dann auch wirklich Gäste kommen.

Definitiv. Daher haben wir auch ein großes Paket für die Tourismusbetriebe geschnürt mit Garantien des Bundes oder Kreditübernahmen des Landes sowie der Befreiung der Tourismusbeiträge für 29.000 Betriebe. Das dient auch dazu, um Urlauber nach Oberösterreich zu holen. Die Hilfsprogramme, die wir aufgelegt haben, werden auch gewaltig nachgefragt. Es war noch nie so wichtig wie jetzt, Urlaub in Oberösterreich zu machen. Da haben wir in Oberösterreich einen Wettbewerbsvorteil, denn 55 Prozent der Urlauber kommen bereits aus Österreich. Bundesweit liegt der Schnitt bei 26 Prozent. Die Sehnsucht der Österreicher nach Urlaub ist so groß wie nie zuvor und wir haben in Oberösterreich ein Top-Angebot.

Muss man bei den Hilfsmaßnahmen für die Tourismusbranche finanziell nachbessern?

Wir haben ein wahnsinnig engmaschiges Netz geschnürt – von der Kurzarbeit über den Hilfsfonds bis zum Härtefonds des Landes für Kleinbetriebe. Damit kommen wir sicher durch die heiße Phase der Krise. Aber eines ist auch klar: Die Hilfsgelder werden mit Steuergeldern finanziert und daher ist es wichtig, dass wieder Steuereinnahmen hereinkommen.

Also sind Nachbesserungen nicht ausgeschlossen?

Da gibt es eine klare Haltung. Man wird ein- oder zwei-wöchentlich evaluieren, welche Maßnahmen notwendig sind und notfalls nachbessern.

Der Fachkräftemangel ist, zumindest medial, ins Hintertreffen geraten.

Der ist aber trotz Krise nicht anders geworden. Denn qualifizierte Arbeitskräfte werden immer benötigt. Es ist übrigens möglich, dass mittelfristig wegen der höheren Arbeitslosenzahlen ein größerer Pool an Menschen zur Verfügung steht, die man umschulen kann. Höhere Arbeitslosigkeit mindert den Fachkräftebedarf ist aber ein Trugschluss.

Wie lange wird uns die Krise beschäftigen?

Die größte Gesundheitskrise löste die größte Wirtschaftskrise seit 1945 aus, entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Und das wird uns sicherlich mindestens bis nächstes Jahr in irgendeiner Form begleiten. Es gilt daher, weitere Maßnahmen vorzubereiten.

Welche?

Beispielsweise Investitionsfreibeträge, Abschreibungen oder Anreize, um den Konsum zu stimulieren. Das wird letztendlich in einem Konjunkturpaket enden.

Also zum Beispiel eine Prämie beim Neuwagenkauf?

Es wird auf Bundes- und Landesebene bereits daran gearbeitet, wo man Anreize schaffen muss. Und das wird dann in ein abgestuftes Paket münden, ohne schon jetzt im Vorfeld einzelne Maßnahmen zu nennen.

Sollen sich Bund oder Land künftig vermehrt an Unternehmen beteiligen?

Mein Weg geht mehr in Richtung Anreize und Förderungen und weniger in Richtung Firmenbeteiligungen.

Eine Conclusio aus der Krise: Home-Office funktioniert, oder?

Digitalisierung ist ein Teil der Lösung, das ist eine der wichtigsten Lehren aus der Krise. Daher werden wir auch bei knappen Budgets beim Breitbandausbau nicht sparen. Das ist Infrastruktur für das 21. Jahrhundert. Wir investieren bis 2021 343 Millionen Euro in den Breitbandausbau, mehr als jedes andere Bundesland. Ein sinnvoller Einsatz von Home-Office kann zudem helfen, die Verkehrsströme besser in den Griff zu bekommen.

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