Landesrat Hiegelsberger: „Alles Menschenmögliche für unsere Landwirte“

Landesrat Max Hiegelsberger hatte bei Telefonsprechstunde ein offenes Ohr für Oberösterreichs Bauern

Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger: „Mit einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung können die Bauern gerade auf dem heimischen Markt punkten.“ © Koch

Um Schlag 14 Uhr rief am Dienstag der erste Landwirt bei der VOLKSBLATT-Telefonsprechstunde Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger an. Und Josef Voraberger aus Hofkirchen an der Trattnach wollte gleich ein wichtiges Thema mit Hiegelsberger besprechen, das derzeit vielen Landwirten unter den Nägeln brennt: Die fehlenden Erntehelfer, beispielsweise aus der Ukraine und Mazedonien für die Erdbeerbauern. Der finanzielle Schaden gehe dabei in die „hunderttausende Euro“.

„Wir kennen das Problem und wir tun alles Menschenmögliche für unsere Landwirte, um die Situation zu klären“, sagte Hiegelsberger. Er stünde unter anderem mit dem ukrainischen Botschafter in Kontakt, damit so rasch wie möglich Erntehelfer nach Oberösterreich kommen können.

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Voraberger wollte auch wissen, „wer denn für den Schaden aufkommt, denn der ist wirklich gewaltig und ich frage mich, ob sich Gesundheitsminister Rudolf Anschober dessen bewusst ist, was er anrichtet“.

Herkunftskennzeichnung

Auch danach ging es Schlag auf Schlag mit den Anrufen weiter. Landwirtin Rosemarie Fellner war speziell die Herkunftskennzeichnung bei Fleisch ein Anliegen. „Ich betreibe einen Rindermastbetrieb mit gut 250 Tieren im Bezirk Braunau und würde es begrüßen, wenn es eine deutlich sichtbare Herkunftskennzeichnung für Fleischprodukte gibt“, sagte sie. Hiegelsberger gab Fellner „zu hundert Prozent“ Recht, „es geht ja nicht darum, dass wir Importe ausschließen wollen, aber wir wollen Transparenz gewährleisten und den Konsumenten die Wahlfreiheit geben“, so Hiegelsberger in seiner Replik. Für Fleisch gibt es per EU-Regelung seit 2018 eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung und er seit guter Dinge, dass in den Großküchen eine Herkunftskennzeichnung „bald“ auf den Weg gebracht werde. Es bräuchte hier laut Hiegelsberger „mehr Verpflichtung“, denn es muss eine Selbstverständlichkeit sein, „dass die Konsumenten wissen, woher die Lebensmittel kommen“.

Borkenkäferplage

Anton Frantal aus Waldneukirchen sprach mehrere Punkte an – und wohl vielen Waldbesitzern aus der Seele. „Das Verhalten vieler Menschen und die Unachtsamkeit einiger in den Wäldern hat teils erschreckende Ausmaße angenommen. Und dann werden die Waldbesitzer vielleicht sogar angezeigt, weil sie darauf hinweisen, wenn sich die Wanderer oder Mountainbiker falsch verhalten“, so Frantal. „Ja, wir wissen das, speziell im Zentralraum ist das ein Thema, dass Menschen beispielsweise Bäume anritzen. Das nimmt inzwischen ganz eigenartige Formen an“, sagte Hiegelsberger. „Da verschwimmen leider bei einigen Leuten die Grenzen, wie man sich auf fremden Grundstücken verhält“, so Hiegelsberger, der aber auch sagt, dass sich 95 Prozent der Leute korrekt verhalten, „aber fünf Prozent sind leider unverbesserlich“.

Hiegelsberger ist auch die teils prekäre Lage der Forstwirte bewusst, nicht zuletzt aufgrund der Dürre und der bereits wieder drohenden Borkenkäferplage. „Der erste Flug war heuer zehn Tage früher und im Vorjahr hatten wir in Oberösterreich eine Million Festmeter Schadholz deswegen. Es steht also zu befürchten, dass es auch heuer wieder dramatisch wird“, so Hiegelsberger. Sein Appell an alle Beteiligten: Das Schadholz so schnell wie möglich aus den Wäldern bringen.

Umfassende Regionalität

Franz Gamperer, Obmann der Nahwärme in Maria Schmolln wollte von Hiegelsberger wissen, wie es um Fördermöglichkeiten für den Neubau von Nahwärmeanlagen aussieht. „Wenn man Regionalität gesamthaft betrachtet, muss man sich auch Gedanken darüber machen, welche Energieträger für Wärme- und Stromerzeugung lokal zur Verfügung stehen“, so Hiegelsberger. Die Basisversorgung via Biogas oder Biomasse wäre dabei ein wichtiger Punkt, „denn Solar- und Windenergie stehen nicht rund um die Uhr zur Verfügung“, sagte Hiegelsberger. Das Material sei prinzipiell da, es werde aber zurzeit nicht immer sinnvoll verwertet. „Da gibt es sicher noch Potenzial“, so Hiegelsberger.

Das Denken „über den eigenen Kirchturm hinaus“, war Martin Haider – seines Zeichens Bürgermeister von Maria Neustift (Bezirk Steyr-Land) – ein Anliegen. Aber auch die finanzielle Lage der Gemeinden, die mit der Corona-Krise kämpfen, und etwaige Großprojekte in Gemeinden, deren Finanzierung jetzt zum Problem werden könnte, sei nicht zu unterschätzen. Hiegelsberger: „Dort, wo bereits Aufträge vergeben worden sind, werden wir auch unterstützen. Es kommt ja auch darauf an, inwieweit die Wirtschaft nach der Lockerung der Maßnahmen wieder anspringt.“ Sollte sich die wirtschaftliche Lage in Österreich verschlechtern, müsste er in seinem Budget von den zur Verfügungen stehenden Geldern für Projekte in Richtung Struktur- und Härteausgleich umschichten. „Die Gemeinden sollen ihre Rücklagen jedenfalls nicht angreifen“, riet Hiegelsberger. Wichtig sei generell bei Projekten eine gute Abstimmung zwischen den Gemeinden und dem Land. Auch in der Corona-Krise gelte es, positiv in die Zukunft zu blicken.

Positiv in die Zukunft

Dies war auch Frau Zaunried aus Frankenburg – laut eigenen Angaben ein „hübsch älteres Baujahr“ – wesentlich. Aber: „Ich finde es schade, dass gerade jetzt in der Corona-Krise die heimischen Landwirte so in den Hintergrund gedrängt werden. Dabei sind die Bauern vor Ort so wichtig für die Bevölkerung“, sagt die 80-Jährige. „Da gebe ich Ihnen hundertprozentig Recht. Aber ich denke, jetzt kommen die Menschen drauf, wie wichtig eine lokale Lebensmittelversorgung ist“, antwortete Hiegelsberger.

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