Landestheater feierte mit Bernhard-Briefen

Christian Taubenheim und Alexander Julian Meile
Christian Taubenheim und Alexander Julian Meile © Romero

Siegfried Unseld sein „Editor, der kein Konditor ist“. Aus dem Munde Thomas Bernhards ein Kompliment an den Suhrkamp-Chef. Doch im November

1988 gab Unseld w.o.: „Ich kann nicht mehr.“ Ein letztes Mal antwortete Bernhard, er wäre doch „einer der unkompliziertesten Autoren, die Sie jemals gehabt haben”. Guter Witz. Das Ende eines bedenkenswerten, herzlichen, erbitterten Briefwechsels, der 1961 begonnen hatte.

Bernhard starb am 12. Februar 1989, er erlebte noch die Premiere des Stückes „Heldenplatz“ (Unseld notiert wohlwollend „Triumph für Bernhard und Peymann“). Am Dienstag jährte sich der Geburtstag des Weltliteraten zum 90. Mal, das Landestheater Linz gedachte mit einer schönen, im Internet übertragenen Lesung.

Christian Taubenheim gibt den auf Ruhe und Vernunft bedachten Verleger, der auch Zuneigung und Warmherzigkeit signalisiert. Alexander Julian Meile lässt als Bernhard vergnügt offen, ob er die gekränkte Dichterseele nur spielt und sich innerlich vor Lachen krümmt. Unseld sein väterlicher Ratgeber beim „Skandal“ bei der Staatspreisverleihung

1968 („Wir verdienen nichts als das Chaos“). Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt. Ebendieser, der Tod, eine zentrale Überlegung von Bernhard-Biograf Manfred Mittermayer, der einleitend über den Dichter sprach. Existenzielle „Verletzlichkeit“, die Bernhard durch seine Lungenkrankheit erfahren habe, etwa im Roman „Beton“ („Wie zerbrechlich wir sind“). Mittermayer endet mit Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk, ein „Heilmittel“ sei diesem die Lektüre in Tagen der Depression gewesen. Mitunter Lektion, „vom Leben nicht zu viel zu erwarten“.

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Noch bis 11.2., 20 Uhr abrufbar, www.youtube.com/LandestheaterLinz

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