Manfred Maurer

Meinung

von Manfred Maurer

Langer Kreuzweg

Der schnöde Mammon ist nicht alles, aber in einer materialistisch geprägten Welt als Maßstab für Wertigkeiten einigermaßen aussagekräftig.

In Deutschland entbrennt gerade die Diskussion darüber, wie viel dem Staat die christlichen Kirchen wert sein sollen. Es geht um mehr als eine halbe Milliarde Euro, welche Katholiken und Protestanten alljährlich aufgrund eines grundgesetzlich verankerten Abkommens erhalten. Das sieht aber auch vor, dass dieses als Entschädigung für vor 200 Jahren erfolgte Enteignungen gedachte Geld nicht ewig fließen soll.

Noch rechnen die den Zahlungsstopp begehrenden Politiker selbst nicht mit einer sofortigen Umsetzung ihrer Forderung. Aber sie halten den Zeitpunkt für die Debatte darüber günstig.
Warum eigentlich? Ganz einfach: Es ist gerade opportun, christliche Institutionen infrage zu stellen.

Das — und weniger drohende Geldeinbußen — sollte die Kirchen alarmieren. Ihre Wertigkeit als gesellschaftlicher Faktor und moralische Instanz ist einem — nicht nur, aber auch selbst verschuldeten — Erosionsprozess ausgesetzt, den die Popularität einzelner Würdenträger nicht zu stoppen vermag.

„Es ist gerade opportun, christliche Institutionen infrage zu stellen.“

Die österliche Abfolge vom Leiden über die Trauer hin zu einem Fest der Freude ist für die Kirchen in unseren Breitengraden keine ausgemachte Sache mehr. Ein Ende ihres Kreuzweges ist nicht absehbar.

Wie ist Ihre Meinung?