Lawinenkatastrophe von Galtür jährt sich zum 20. Mal

Die Lawinenkatastrophe von Galtür jährt sich am Samstag zum 20. Mal. Eine Jahrhundertlawine riss damals 31 Menschen in den Tod und richtete in dem Ort im Tiroler Paznauntal eine regelrechte Verwüstung an. Nur einen Tag später, am 24. Februar 1999, kamen im benachbarten Valzur weitere sieben Menschen durch eine Lawine ums Leben.

Das Schneebrett hatte sich auf über 2.700 Metern Höhe gelöst und war mit mehr als 200 km/h auf einer Breite von 400 Metern ins Tal gedonnert. Elf Häuser wurden zum Teil mitgerissen. Unter den Toten von Galtür befanden sich sechs Einheimische und 25 Urlauber. Über mehrere Tage wurde nach den Verschütteten gesucht. Mehr als 18.000 Menschen wurden in der größten Evakuierungsaktion der österreichischen Geschichte mithilfe ausländischer Streitkräfte aus dem Tal geflogen.

Der 23. Februar 1999 war wohl einer der unvergessenen und traurigsten Tage in der Geschichte Österreichs. Es war 16.00 Uhr, als das Unfassbare, das bis dahin nie für möglich Gehaltene, das die rund 700 Seelen-Gemeinde im Hinteren Paznauntal für immer Verändernde, seinen schrecklichen Lauf nahm: Nach Wochen mit massiven Schneefällen und seit Tagen gesperrten Zufahrtsstraßen löste sich vom nördlich von Galtür gelegenen Hang unterhalb des Grates zwischen Grieskopf und Grieskogel auf über 2.700 Metern Höhe eine Lawine und donnerte mit mehr als 200 km/h – und einer rund 100 Meter hohen Staubwolke – auf einer Breite von 400 Metern ins Tal. Mehr als 300.000 Tonnen Schnee setzten sich in Bewegung und rissen im hauptbetroffenen Ortsteil Winkl elf Häuser zum Teil mit sich. Die Schneemassen kamen erst mitten in Galtür zum Stillstand.

Das immense Schneebrett hinterließ eine Spur der Verwüstung. Einwohner und Urlauber waren bis zum Morgen des nächsten Tages auf sich allein gestellt. Der Schneesturm verhinderte den Start von Bundesheerhubschraubern mit Hilfsmannschaften. Erst 14 Stunden nach dem Unglück war Galtür aus der Luft erreichbar.

Bis zum Eintreffen der Hilfsmannschaften waren bereits neun Tote geborgen. Insgesamt wurden mehr als 50 Personen verschüttet, über 20 konnten relativ rasch geborgen werden. Zusätzliche Rettungskräfte, Lawinenhunde und Medikamente wurden in das Hintere Paznauntal geflogen, Verletzte konnten in die Krankenhäuser gebracht werden.

Am Nachmittag des 24. Februar wurde dann der zu Ischgl gehörende Weiler Valzur von einer Lawine überrascht. Sieben Menschen kamen dabei ums Leben. Galtür 1999 – das war auch die größte Luftbrücke in der Geschichte Österreichs. Unter Mithilfe ausländischer Streitkräfte aus Deutschland, den USA, Frankreich und der Schweiz wurden mehr als 18.000 Personen aus dem Tal geflogen, über 3.000 Flüge absolviert. Viele Tote konnten erst Tage nach dem Unglück aus den betonharten Schneemassen geborgen werden – der letzte am 27. Februar. Hunderte Journalisten aus aller Welt berichteten in diesen Tagen live von den Ereignissen.

Die Lawinen von Galtür und Valzur forderten insgesamt 38 Menschenleben. In Galtür waren sechs Einheimische und 25 Urlauber betroffen. Die ausländischen Opfer stammten aus Deutschland, den Niederlanden und Dänemark.

Die Aufräumarbeiten mit Unterstützung des Bundesheeres dauerten mehrere Wochen. Noch im Sommer 1999 wurden in dem rund 1.600 Meter hoch gelegenen Tourismusort umfangreiche Lawinenverbauungen in Angriff genommen. Zwei 104 bzw. 360 Meter lange und bis zu zwölf Meter hohe Dämme aus Naturstein wurden errichtet. Unmittelbar dahinter entstand 2003 das “Alpinarium” – ein Dokumentationszentrum über den Lebens- und Kulturraum hochalpiner Regionen. Es enthält eine Gedenkstätte für die Lawinen-Opfer. Auf dem Grieskogel wurde ebenfalls eine Verbauung mit Stahlschneebrücken angebracht. Die zerstörten Häuser wurden unter strengen Bauauflagen wieder errichtet. Insgesamt wurden in Galtür zehn Millionen Euro in den Lawinenschutz investiert.