Das Glück stellt sich beim „Ausmisten“ ein

Ordnungscoach Stefanie Holecek hilft beim Finden von Ursachen für Unordnung und deren Bewältigung

Ordnungscoach Stefanie Holecek (kleines Bild unten) hilft dabei, sinnvoll Ordnung in die Schränke zu bringen.

Meine Wohnung sieht manchmal so aus, wie es in mir drin gerade aussieht, habe ich mir schon öfters gedacht. Ja, ok, damit hat sich schon Freud beschäftigt. Ordnung der Ordnung halber zu halten, ist auf jeden Fall ein Anspruch, den man nur schwer einhalten kann, hat mir jetzt jemand erklärt, der darauf spezialisiert ist: Die Welserin Stefanie Holecek ist zertifizierter Ordnungscoach und hilft ihren Kundinnen und Kunden, Gründe und Motivation zum Aufräumen und Ausmisten zu finden.

„So eine Motivation kann sein, dass man ein Vorbild für seine Kinder sein möchte oder spontan in der Lage zu sein, Gäste begrüßen zu können“, erklärt die Ordnungsexpertin im VOLKSBLATT-Gespräch. Oder einfach persönliches Wohlbefinden und Freiheit.

Für Holecek selbst war es die Geburt ihres ersten Kindes und die Zeit danach: „Ich hatte plötzlich so viele Babysachen, war nur noch am Zusammenräumen, das hat mich belastet.“ Sie plante, nach der Karenzzeit wieder als Sozialarbeiterin bei der Volkshilfe tätig zu werden und wollte eine Situation schaffen, in der alles gut vereinbar ist.

Wie Ordnung zum Herzensprojekt wurde

Es war gerade Corona-Zeit, die junge Mutter ohnehin viel zuhause, als sie auf die Japanerin Marie Kondo stieß, die in Amerika und mittlerweile weltweit den Aufräumtrend angestoßen hat. „Ihre Strategie habe ich zuhause umgesetzt, radikal ausgemistet, sortiert und umstrukturiert. Ich wollte mir das Leben leichter machen, es ist befreiend, nicht an das ganze Zeug gebunden sein.“ Aufräumen wurde zum Herzensprojekt, ihre Erfahrungen gibt sie nach einer Ausbildung bei Katrin Miseré, dem ersten Ordnungscoach in Österreich, seit September an (bisher ausschließlich weibliche) Kunden weiter.

Ordnungscoach Stefanie Holecek (kleines Bild unten) hilft dabei, sinnvoll Ordnung in die Schränke zu bringen.
Ordnungscoach Stefanie Holecek hilft dabei, sinnvoll Ordnung in die Schränke zu bringen. ©Ordnung mit Sinn

Ordnung zu schaffen, sei auf jeden Fall etwas Beglückendes, etwas, das positiv stimmt und so sollte man es auch angehen: „Ausmisten darf nicht nach dem Motto, was muss weg, sondern nach der Devise, was will ich behalten, stattfinden“, so Holecek. So eine Bestandsaufnahme fühle sich positiv an. Da gelte es, Prioritäten zu setzen und „manchmal ganz schön tief zu graben“, wie der Ordnungscoach sagt.

Bei Holecek fängt das Aufräumen mit Leuchtturmprojekten und Zielen an, die jeder einmal für sich definiert, bevor der Ordnungscoach dann bei ihm auftaucht. Anhand eines Fragebogens wird ein Ordnungstyp definiert. Je nachdem, ob man visuelle Vielfalt oder eher Einfachheit, Dinge nach groben oder kleinteiligen Strukturen einteilen möchte, ist man ein anderer Typ: nach der amerikanischen Expertin Kassandra Arsson konkret ein Insekt, Biene, Marienkäfer, Grille oder Schmetterling.

Letzterer etwa mag Vielfalt und grobe Ordnung. In der Praxis umgesetzt mit Ordnungshilfen, also verschiedenen Aufbewahrungsformen, heißt das: „Manche möchten viel in Boxen verschwinden lassen. Da muss man suchen, weiß aber wo“, erklärt Holecek. „Andere bevorzugen eine sehr kleinteilige Ordnung, Stichwort: Box in Box in Box …“

„Das Phänomen der ungenützten Dinge“

Dann geht es zur Sache: Der Kunde bestimmt, wo angefangen wird. Dort wird dann jedes einzelne Ding in die Hand genommen, beurteilt und landet entweder in der Behalten-, der Entsorgen- oder der Anderer Ort-Kiste. Dazu kommen Schachteln für Dinge, die man spenden möchte. Nach drei, vier Stunden ist es dann meist genug. Dabei gehe es jedoch nicht um körperliche Kraft. Holecek: „Es ist wirklich anstrengend, diese ganzen Entscheidungen zu treffen. Da muss man sehr fokussiert vorgehen und dabei unterstütze ich.“ Später sollen die Leute aber dann ohne den Coach weiterarbeiten können, Holecek will nachhaltig Hilfe leisten: „Idealerweise sind meine Kunden dann so motiviert und geübt und haben Intuition entwickelt, um weiterzumachen.“

Aktuell geht Holecek dem „Phänomen der ungenutzten Dinge“ nach. Gerade zu Jahresbeginn werden, verbunden mit Vorsätzen und häufig beeinflusst von der Umwelt, Dinge angeschafft, die oft dann nie benutzt werden, beispielsweise Fitness- oder Küchengeräte. „Die Leute scheitern dabei an ihrer Fantasie“, sagt der Ordnungscoach, heißt: Die Vorstellung von dem gekauften Ding entspreche nicht den Bedürfnissen. Die gelte es, vorher intensiver zu reflektieren.

Knappheitsmentalität, die Angst, zu wenig zu haben

Und dann gibt es noch etwas, das sich „Scarecity Mindset“ nennt, holprig übersetzt Knappheitsmentalität: „Die Furcht, immer zu wenig zu haben, die oft schon von Generation zu Generation weitergegeben wird, kann dafür sorgen, dass man sich von Dingen, die man nicht braucht, nicht lösen kann“, so Holecek. Da helfe Training wie tägliche positive Affirmationen wie „Ich habe genug, ich lebe in Fülle“ — ein Prozess. Die Extremform ist das Messie-Syndrom, das nicht beim Ordnungscoach, sondern beim Therapeuten behandelt werden muss.

In Workshops thematisiert Holecek, die auch einen Blog schreibt, typische Ursachen von Chaos und Hürden beim Aufräumen.

www.ordnungmitsinn.at

Das könnte Sie auch interessieren